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Meine Stadt Wood Grouse: Transparenter Kaffee in Linden
Hannover Meine Stadt Wood Grouse: Transparenter Kaffee in Linden
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00:20 02.09.2018
Hannovers transparenter Kaffeeröster, Arno Auer. Quelle: Frank Wilde
HANNOVER

„Ich will, dass den Leuten der Kaffee so schmeckt, wie ich mir das in meinem Kopf vorgestellt habe“, sagt Arno Auer (41). Und damit ist ein Teil seiner Vision klar. Der andere Teil heißt: Transparenz, kurze Lieferwege (also wenige Beteiligte) und den Kaffeebauern ihren gerechten Anteil.

Und so legt er mit seinem Röstbetrieb „Wood Grouse“ (Auerhuhn) selbst offen, was er für die Bohnen zahlt, und was der Preis für seinen Händler ist, und, falls möglich, wie viel der Kaffeebauer selbst erhält. Das und auch die Kennlinien der Röstung (Röst-Profil) mit Temperatur- und Zeitangaben veröffentlicht er im Internet. Und während der durchschnittliche FOB-Preis (Free on Board, also angeliefert ans Schiff) drei bis vier Dollar betrage, kaufe Wood Grouse das Kilo nicht unter sechs Dollar, versichert der hannoversche Kaffeeunternehmer. „Wir arbeiten ohne Siegel wie Fairtrade, denn auch das Siegel muss bezahlt werden, das können sich die Bauern auch nicht unbedingt leisten“. Außerdem herrschten in den Anbauländern „oft korrupte Strukturen“ – da dürfte so manches Siegel-Zertifikat schlicht erkauft seien. Sein Ziel: Auf lange Sicht „selber mit den Bauern vor Ort handeln“.

Auer röstet „alles heller als der Standard, weil wir nicht wollen, dass die Röststoffe den Geschmack überdecken. Und dafür kaufen wir sehr, sehr teure Bohnen.“ Er setzt überwiegend auf afrikanischen Rohkaffee.

Der Unterschied

Der studierte Künstler und ausgebildete, IHK-zertifizierte „Spezialitätenkaffeeröster“ samt Sensoriklehrgang verzichtet weitgehend auf Marketingbegriffe, die vollmundig klingen und doch nicht wirklich etwas aussagen. Etwa „schonend von Hand hergestellt“ oder „schonend langzeit-trommelgeröstet“ – da fällt ihm nur ein: „Ja wie denn sonst?“ Klar, dass die großen, bekannten Röster von Tchibo, Jacobs und Co. maschinell große Mengen rösten, „aber auch die machen keinen schlechten Kaffee“. Überhaupt sei „Kaffee rösten keine Zauberei – aber man braucht die gute Qualität der Bohnen“. Auer hat die Messlatte hoch gelegt: Er kaufe nur Kaffeebohnen, deren Qualitätsindex gemäß des „Cupping Score“ der Rösterorganisation SCAA mindestens 84 Punkte erreicht. Ein weiterer Punkt, „indem sich Kleinröster wie wir von den Großen unterscheiden.“ Und er röstet nur Sechs-Kilo-Chargen. Die fertige 250-Gramm-Packung kostet zwischen 8,90 und 10,90 Euro.

Von der Kunst zum Kaffee

Zum Rösten kam er so nach und nach - seit er 17 war, hat er in Cafés gearbeitet, im Kunststudium hatte er dann ein Projekt zum Thema, was ihn weiter in die Spur gebracht hat, und vor etwa einem Jahr fing er an, das Ganze langsam aber sich „ernsthaft“ zu betreiben, seit etwa einem halben Jahr kann man seine Produkte im Café V17 in Linden (Deisterstraße 49) und im „Hafven“ in der Nordstadt (Kopernikusstraße 14) genießen. Von September an übernimmt er die Gastronomie des V17 (leitet sich von der Filterform und der Menge Kaffee je Tasse in Gramm ab) mit seinem Kompagnon Janis Kaiser. Erhältlich ist der Kaffee auch auf der Internetseite (Inland versandkostenfrei) – und immer wieder in Cafés rund um die Welt, die Produkte von kleineren Röstern präsentieren: „Ich war schon Gaströster in Russland, Polen und den Vereinigten Arabischen Emiraten.“ Wie das V17 zählen sie sich zur „Third Wave of Coffes“, der „Dritten Kaffeewelle“, für die Kaffee nicht nur eine Ware, sondern mehr ein Genussmittel wie Wein ist.

Gut ist ....

Was ein guter Kaffee ist? „Der hat ein sehr facettenreiches Geschmacksprofil, schmeckt nach vielen verschiedenen Sachen, ist nicht bitter und hell geröstet“, sagt Auer. Am Ende, fügt er hinzu, ist es egal, was der Trinkende schmeckt und ob er das im Detail beschreiben kann: „Wenn der Kunde sagt, schmeckt gut, dann freut mich das!“ Persönlich bevorzugt er „von Hand aufgebrühten Filterkaffee ohne Milch und Zucker“.

Von Ralph Hübner

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