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Meine Stadt Käthe-Kruse-Puppenschau und Messe in Hannover
Hannover Meine Stadt Käthe-Kruse-Puppenschau und Messe in Hannover
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10:50 21.10.2018
Hannover

Im sonst durchaus hippen Intercity-Hotel Hannover am Hauptbahnhof geht es an diesem Wochenende ungewohnt kuschelig zu – zumindest im Käthe-Kruse-Ausstellungsraum. Seit Freitag besuchen Puppen-Liebhaber den für die Ausstellung gemütlich hergerichteten Raum hinter der Hotelbar. Dort wartet Marion Hohmann von der Puppenmanufaktur Käthe Kruse mit ihren Verkaufsmodellen, Sammlerstücken und Spielzeug-Puppen. Auch Johannes Rex vom Bonner Puppenfachgeschäft Thomas Dahl ist mit ausgewählten Sammlerstücken da. Es ist die erste Käthe-Kruse-Ausstellung in Hannover, in der Stadt gibt es keine Puppen der Marke zu kaufen. Doch auch in Hannover gibt es Sammler.

Die älteste „Käthe Kruse“ in Rex’ Sammlung stammt aus dem Jahr 1912 und kostet etwa so viel wie ein Gebrauchtwagen. Viele Eigentümer wissen gar nicht, wie wertvoll ihre Puppe ist. Der Puppenexperte verrät es ihnen bis Sonntag bei einer kostenlosen Schätzung.

Rex fasst die Puppen so vorsichtig an, als handle es sich bei dem Material um bröckelndes Blattgold, denn der alte Stoff ist wertvoll und empfindlich. „Das könnte sich heute kein Hersteller mehr leisten“, sagt Rex. Auch nicht Käthe Kruse, denn auch deren Puppen werden seit den 60ern aus Kunststoff gefertigt.

Sammlerin Katja Dobusch hat ihre vier Puppen dick eingepackt, um sie zu schützen. Sie sind sogar mit echten Windeln gewickelt. Auf dem Tisch von Rex werden sie ausgezogen, damit er sie begutachten kann. „Oh, die ist ja traumhaft schön, Frau Dobusch“, sagt er und flüstert ihr den Schätzwert ins Ohr, bevor die Puppe schnell wieder vor neugierigen Blicken geschützt wird. „Es ist selten, noch ein so gut erhaltenes Originalstück zu finden. Die hier ist ungefähr aus dem Jahr 1928.“

Katja Dobusch möchte ihre Puppen nicht verkaufen. Angefangen hat ihre Liebe für die Käthe-Kruse-Stücke, als sie vor fünf Jahren Puppen erbte. „Diese Puppen sind Geschichte, sie erzählen uns so viel von damals“, sagt sie. Rex zeigt, was sie meint: „Schauen Sie doch mal, die ersten waren gekleidet wie alte Damen, genauso wie die Kinder damals. Wie sollten die Kleinen denn damit spielen? Das zeigt, dass die Kinder früher keine Kinder sein sollten, sondern schnell erwachsen werden mussten.“

Die Spielpuppen, die heute angefertigt werden, sind da um einiges moderner: Sie tragen zum Beispiel Turnschuhe und Kapuzenjacke. Mit etwa zwanzig Euro sind sie im Gegensatz zu den Sammlerstücken auch erschwinglich. Aber nach wie vor unterscheiden sich die Käthe-Kruse-Modelle von Puppen anderer Hersteller: Ihr Gesichtsausdruck ist neutral, sie haben keine Klappaugen und auch keine eingebaute Stimme. „Die Philosophie von Käthe Kruse war, dass den Kindern Raum für Fantasie gelassen werden muss. Sie müssen ihre eigenen Emotionen in das Gesicht der Puppe transportieren können. Das funktioniert nicht, wenn die Puppe glücklich lächelt oder mit einem plaudert“, weiß Rex.

Geplaudert und gelächelt wird trotzdem im Käthe-KruseAusstellungsraum, denn die gemeinsame Leidenschaft verbindet die Sammler. Und ein neues Stück bedeutet oft die Erfüllung eines Kindheitstraums, weiß Rex: „Die Puppen waren teuer und konnten nur Kindern von wohlhabenden Familien gekauft werden. Die Mädchen, die sich damals die Nase am Schaufenster plattgedrückt haben, sind heute teilweise zu erwachsenen Sammlerinnen geworden.“ Und sie zieht es jetzt zur Käthe-Kruse- Ausstellung nach Hannover.

Puppen-Mutter Kruse

Hinter der Käthe Kruse GmbH stecken die wohl weltweit bekanntesten Puppen. Im Jahr 1905 erfand die namensgebende Gründerin Käthe Kruse mit ihren Stücken die Puppenwelt neu. Zuvor wirkte das Spielzeug steif und kalt, wie es Kruses Mann Max formulierte. Es erzielte bei den Kindern nicht die erwünschte pädagogische Wirkung, fürsorgliche Emotionen hervorzurufen.

Käthe Kruses Puppen hingegen waren weich, biegsam und kindlich lebensecht. Die ersten Puppen wurden noch in der Berliner Wohnung der Familie Kruse gefertigt, ab 1912 gab es die erste Manufaktur in Bad Kösen (Sachen-Anhalt).

Zeitweise wurde auch im niedersächsischen Bad Pyrmont gefertigt. Heute sitzt das Unternehmen mit 450 Mitarbeitern weltweit in Donauwörth (Bayern) und produziert jährlich etwa 22 000 Puppen. Die alten Käthe-Kruse-Puppen sind mittlerweile Sammlerstücke, die teuer gehandelt werden.

Käthe Kruse, die als „die Puppen-Mutter“ gilt, verstarb 1968 im Alter von 84 Jahren. Sie war eine der ersten Unternehmerinnen Deutschlands.

Josina Kelz

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