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Meine Stadt Käßmanns Rücktritt ist ein schwerer Schlag für die Kirche
Hannover Meine Stadt Käßmanns Rücktritt ist ein schwerer Schlag für die Kirche
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16:11 24.02.2010
Margot Käßmann hinterlässt eine große Lücke bei der evangelischen Kirche. Quelle: ap

Von Michael Evers

Hannover. Es ist ein tiefer Fall für Margot Käßmann nach einer brillanten Karriere bis an die Spitze der 25 Millionen Protestanten in Deutschland: Nach einer Alkoholfahrt mit 1,54 Promille hat die profilierte Theologin am Mittwoch ihren Rücktritt als Bischöfin von Hannover und Chefin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angekündigt.

Immer leerere Gotteshäuser und schrumpfende Finanzen - in dieser Krise hatte die evangelische Kirche in doppelter Hinsicht auf Käßmann als starke Führungsfrau gesetzt: Sie sollte die von ihrem Vorgänger Wolfgang Huber eingeleiteten Strukturreformen der Kirche weiterführen und mit ihrer mediengewandten und charmanten Art der Kirche in der Gesellschaft zu neuem Gewicht verhelfen. Nun macht sich die in Talkshows als Verfechterin sozialer Anliegen erprobte Bischöfin moralisch selber unglaubwürdig und fügt ihrer Kirche schweren Schaden zu. Sie predigt Wasser und trinkt Wein - diesen Vorwurf muss sich nicht nur Käßmann sondern auch ihre Kirche von gehässigen Kritikern gefallen lassen.

Persönlich steht die 51-Jährige jetzt vor einem Scherbenhaufen: Gekämpft hat sie jahrzehntelang - für die Kirche, für soziale Anliegen im Inland und der dritten Welt, für ihre Karriere als Frau in einer vielfach noch männerdominierten Kirche. Anders als bei dem Streit um die Afghanistan-Politik, mit dem sie zuletzt Schlagzeilen machte, ist sie erstmals ohne jede Verteidigung: An dem Promillewert und der überfahrenen roten Ampel lässt sich nichts herumdeuten. Mit ihrem Rücktritt beweist sie allerdings persönlich Stärke und bewahrt sich und die Kirche vor einer kräftezehrenden Debatte darüber, wie viel sich ein Kirchenmensch als Vertreter hoher moralischer Instanz an Fehltritten erlauben kann.

Die verhängnisvolle Alkoholfahrt - für Käßmann und die Kirche muss es wie ein Schicksalsschlag gekommen sein. Nachdem die beliebte Bischöfin aus Hannover jahrelang gemeinsam und erfolgreich mit ihrem EKD-Amtsvorgängers Wolfgang Huber die Kirche nach außen vertreten hatte, gab es nach ihrer Wahl an die Kirchenspitze im Herbst kräftig Gegenwind: Mit ihrer Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr werde der Bogen überspannt, war das Signal aus der Politik an Käßmann und die Kirche. Die Protestanten verlieren nun eine laute Stimme - sprachlos aber wird die kritikfreudige evangelische Kirche dadurch nicht werden.

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