Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Ist die Busenschnecke sexistisch?
Hannover Meine Stadt Ist die Busenschnecke sexistisch?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:38 13.03.2018
KREATIVER KOPF: Günther Haese, Chef der hannoverschen Wohnungsbaugenossenschaft Gartenheim mit Exemplaren seiner „Busenschnecke“. Quelle: Frank Wilde
HANNOVER

Hauke Jagau, Regionspräsident in Hannover, hat am Weltfrauentag (8. März) öffentlich die „Busenschnecke“, Werbefigur des Wohnungsbauunternehmens Gartenheim, ebenfalls in der Landeshauptstadt ansässig, kritisiert - und zwar während einer Veranstaltung de niedersächsischen Sozialministeriums unter dem Motto „Städte gegen Sexismus“ . Das hat Jagau dann Firmenchef Günter Haese mitgeteilt, bevor dieser es „möglicherweise“ aus den Medien erfahre. Die „Bu­senschnecke“ sei „klar se­xistisch“ und spiele „auf Rollen- und Klischeebilder längst vergangener Tage“ an. Haese, ein nie um Worte verlegener kreativer Kopf, nennt es einen Glücksfall, dass gar der Regionspräsident sich dazu einlässt – und kontert: Mangel an Humor, Populismus, Erfüllungsgehilfe eines Trends („#meetoo“-Debatte) und „seltsame politische Korrektheit“ sind einige der Spitzen, die sich Jagau zu­schreiben lassen muss.

Der Politiker zeigt sich über die Antwort „schockiert“ und ist fassungslos über „so wenig Reflexion“. Jagau sagt, diese Figur sei ihm „schon lange unbegreiflich“, gerade weil Haese als Vorstand einer Wohnungsbaugenossenschaft sich doch „allen Teilen der Bevölkerung diskriminierungsfrei öffnen“ sollte und diese Darstellungen auch gar nichts mit dessen Branche zu tun hätten.

Busenschnecken“-Erfinder und Gartenheim-Chef Haese wehrt sich und fragt, warum Jagau sich erst jetzt dazu äußert. Die Werbefigur sei schließlich mindestens vier Jahre in der Stadt präsent, etwa als Motiv an Bussen und Stadtbahnen. Au­ßerdem habe die „Busenschnecke“ Werbepreise erhalten und sei ein „bei Mann und Frau gleichermaßen beliebtes Symbol für Heiterkeit und Witz“, es gebe eine „große Fangemeinde“, sie sei als „Wort- und Bildmarke“ eingetragen – und die Inspiration zu der Figur habe er von seiner Frau erhalten. Abgesehen davon bekennt er sich zu „praktizierter Gleichberechtigung“ und verweist auf Frauen in Führungspositionen bei Gartenheim, wo man Pionier sei.

Gartenheim nutzt als weiteres „Markenzeichen“ auch kopulierende Schafe – teilweise versehen mit dem Spruch „Wir machen glückliche Mieter“. Auch das, so Jagau, habe „nicht wirklich viel mit Wohnungsbau zu tun“.

Und so urteilt der Regionspräsident über das Unternehmen und sein Management: „Die haben offenbar viel Spaß und Lust dort – und merken nicht viel!“

Es ist nicht das erste Mal, dass die „tierische“ Kreativität von Haese Zorn auf sich zieht: 2015 wurde er von der Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ für den „Zornigen Kaktus“ vorgeschlagen – doch den Negativpreis er­hielt die „Busenschnecke“ letztlich nicht.

Von RALPH HÜBNER

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Aufgrund einer großflächigen Störung der städtischen IT sind die Mitarbeiter in den städtischen Serviceeinrichtungen aktuell nur eingeschränkt erreichbar, teilt die Stadt mit.

12.03.2018

Am Sonntagnachmittag kam es auf der K 227 zwischen Hiddestorf und Lüdersen zu einem Unfall. Ein Pkw kollidierte mit einer Gruppe von Bikern. Einer der Beteiligten floh. Nun sucht die Polizei nach Zeugen.

12.03.2018

Was hat sich seit der Gesetzesänderung im März 2017 getan? NP-Redakteur Simon Polreich fragte bei Jürgen Scholz nach. Der Rechtsanwalt aus Linden befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema.

15.03.2018