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Meine Stadt Ist der Messerstecher schuldunfähig?
Hannover Meine Stadt Ist der Messerstecher schuldunfähig?
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18:03 10.04.2018
Spurensicherung: Nach der Messerattacke in Burgwedel sichert die Polizei den Tatort. Quelle: Foto:Elsner
Hannover

 Die Messerattacke hat er zugegeben. Über seinen Anwalt ließ der 17-jährige Syrer, der im dringenden Verdacht steht, Ende März eine 24-jährige Frau in Burgwedel niedergestochen zu haben, das schriftlich ausrichten. „Er räumt den Messerstich ein“, sagt Hannovers Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Gleichzeitig ließ der Anwalt aber wissen, dass sein Mandant nicht voll schuldfähig sein könnte. „Die Frage ist, ob der Syrer psychisch krank ist. Sein Anwalt hat uns gebeten, dem nachzugehen“, erklärt Klinge. „Und das werden wir tun – damit es nicht erst in der Hauptverhandlung geklärt wird und sie damit verzögert.“ Weitere Details über den 17-Jährigen will Klinge aufgrund des strengen Persönlichkeitsrechts von Minderjährigen nicht preisgeben.

Offenbar gehört der junge Mann zu einer größeren Familie, die als Kontingentflüchtlinge aus der Nähe von Damaskus nach Deutschland einreisten. Seit 2013 leben sie in Burgwedel. Er bleibt weiterhin in Untersuchungshaft.

Messer-Opfer Vivien K. ist derweil aus dem Koma erwacht, in das sie aufgrund des erheblichen Blutverlustes versetzt wurde. Sie konnte bereits befragt werden, angeblich das Krankenhaus sogar verlassen. Ihre Aussagen decken sich mit den Angaben ihres Partners Domenic K. (25). Im Edeka an der Dammstraße wollte das Paar zwei Jugendliche zurechtweisen – offenbar wegen einer Nichtigkeit. Die beiden Jungen holten sich später Verstärkung, den 17-jährigen Verwandten. Dieser rammte nach einer Auseinandersetzung vor dem Markt Vivien K. das Messer in den Bauch. Entgegen ersten Informationen handelte es sich bei dem Stich wohl nicht um ein Versehen im Gerangel, sondern um eine gezielte Aktion.

Zeugenaussagen zufolge stand die 24-Jährige nach dem Stich weiterhin auf den Beinen und der 17-Jährige stach nicht erneut auf sie ein. „Juristisch nennt man das Rücktritt vom versuchten Delikt“, erklärt Staatsanwalt Klinge. Der Junge habe sie zunächst wohl verletzen, vielleicht sogar töten wollen, sich es nach dem Stich aber „nochmal überlegt“ und freiwillig nicht wieder zugestochen. Auch deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft inzwischen nicht mehr wegen versuchter Tötung, sondern gefährlicher Körperverletzung. „Auch das gilt es aber noch zu prüfen“, so Klinge. Was am Ende auf den 17-Jährigen für eine Strafe zukommen könnte, ist kaum abzusehen – ob offener Vollzug oder psychiatrische Klinik. „Im Jugendrecht ist alles möglich“, so Klinge.

Von Simon Polreich

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