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Meine Stadt Ist Einzelhandel in Hannover selbst schuld an Flaute?
Hannover Meine Stadt Ist Einzelhandel in Hannover selbst schuld an Flaute?
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00:22 03.03.2018
Hannover, Maik Pitz, Designer und Sylist, Blaustoff (Foto: Frank Wilde) Hannover, Maik Pitz, Designer und Sylist, Blaustoff (Foto: Frank Wilde)  Quelle: Frank Wilde
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Hannover

 Reaktionen gab es einige – ob in den sozialen Medien oder direkt von Kunden: Vier inhabergeführte Geschäfte am Wedekindplatz in der Oststadt werden schließen (NP berichtete). Die kleinen Läden reichen vom Einrichtungsgeschäft über Kleidung bis zu Kuscheltieren. Einen hat die Ankündigung besonders geärgert, aber nicht unbedingt wegen den Schließungen, sondern wegen der Begründung.

„Das ist ein ganz alter Hut: ,Das Internet ist Schuld.’ Das stimmt so nicht.“ Maik Pitz darf man Expertise attestieren. Er ist ein gefragter Berater für Geschäfte in ganz Deutschland und kümmert sich um „Visual Merchandising“ – also das Aufwerten und Erneuern von Geschäften und ihren Konzepte.

Er findet: „Die Läden haben selbst Schuld, wenn ihnen die Kunden wegbleiben.“ Wer 20 Jahre erfolgreich ein Geschäft führe, dürfe sich darauf nicht ausruhen, sagt Pitz. Man müsse aktiv sein und sich immer wieder neu erfinden, wenn es an der Zeit ist. „Es gibt ganz klare Kennzahlen, wie viele Menschen an einem Geschäft vorbeikommen. Mit einem ansprechenden Konzept kann man diese Menschen in Kunden verwandeln“, sagt der Berater.

Nicht nur Außenwerbung oder ein ansprechendes Schaufenster hält er für wichtig – auch das Konzept im Laden sei entscheidend: „Wie führe ich den Kunden durch das Sortiment? Habe ich auch ausreichend gute Produkte da? Wenn mir ein Ladeninhaber sagt, dass er das für mich im Internet bestellen kann, ist das ein Todesurteil“, so der Hannoveraner.

Auch Sichtbarkeit findet er wichtig. „Man braucht Social-Media-Kanäle. Dort kann man für wenig Geld sehr präzise Werbung schalten und mit seinen Kunden in Kontakt bleiben.“ Pitz kennt sich auch mit Misserfolgen aus. „Ich habe auch mal einen Laden als Angestellter geleitet und hinterher gesagt, dass das Internet Schuld war, weil es nicht richtig anlief. Dabei muss man sich nur ehrlich fragen: Habe ich alles getan? Würde ich selbst dazu verleitet werden, in dem Laden einzukaufen?“

Die Händler am Wedekindplatz haben ihre Schließungen im Zuge der Bauarbeiten auf dem Platz angekündigt. „Gerade zu so einem Zeitpunkt würde ich bleiben. Womöglich kommen hinterher viel mehr Leute am Geschäft vorbei.“

Gerade das Internet habe oft eine andere Zielgruppe: „Wer Beratung sucht, die Sachen anfassen und anprobieren möchte, kommt um den Einzelhandel nicht herum.“ Laut Pitz kämpfen auch Online-Händler mit sinkenden Kundenzahlen: „Die müssen sich auch neu erfinden, neue Kanäle bespielen, Internetauftritte spannend gestalten.“

Er selbst kenne in Hannover keine Modegeschäfte, die ihn regelmäßig anziehen. In der Gastronomie sei das etwas anders. „Das ist spannend und die trauen sich etwas. Auch kleine Frisöre oder Barbershops sind hier cool und modern. Davon können andere inhabergeführte Geschäfte noch eine Menge lernen.“ Es koste einfach viel Zeit und Arbeit, sich damit auseinanderzusetzen, so Pitz.

Wie viel Zeit und Arbeit das am Ende tatsächlich ist, davon kann sich der Stylist wohl bald selbst überzeugen. Der NP verriet er noch, dass er in Zukunft einen eigenen Konzeptladen für Herren in Hannover eröffnen will.

Von Jan Heemann

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