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Adipositas

Interview: „Ungesundes muss teuer sein“

Die Deutschen und ihre Kinder werden immer dicker und damit auch kränker. Bereits heute leiden mehr Kinder als Folge ihres Übergewichts an Diabetes Typ 2 - eigentlich als „Altersdiabetes“ bekannt. Die NP sprach mit Professor Thomas Danne (56), Kinderdiabetologe im Kinderkrankenhaus auf der Bult und Vorsitzender der Deutschen Diabetes-Hilfe.

Hannover. Sind Kinder heutzutage von Übergewicht bedroht?

Ja, das ist so! Bereits jedes sechste Kind zwischen drei und 17 Jahren ist übergewichtig, jedes 16. Grundschulkind leidet sogar unter Adipositas. Seit den 90er Jahren hat sich Adipositas im Kindesalter verdreifacht. Übrigens: Im Grundschulalter steigt die Zahl der adipösen Kinder massiv an.

Was sind die Gründe für schweres Übergewicht?

Da spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Die Gene, falsche Ernährung mit viel zu vielen Kalorien, wenig oder gar keine Bewegung. Ein großes Problem sind zum Beispiel auch der Ausfall von Sportstunden in der Schule. Fast Food, zu viel Fernsehen, und auch der soziale Status und ein Migrationshintergrund können Kinder dick machen.

Also je ärmer, desto dicker?

Das würde ich so nicht ganz unterschreiben. Aber es gibt einen Zusammenhang zwischen Armut und Übergewicht. Es ist aber selten nur ein Faktor allein, der Kinder dick macht. Besorgniserregend ist aber, dass dort, wo viele dicke Kinder leben, auch deutlich mehr Fast-Food-Restaurants sind. Da ist die Gesellschaft gefordert, etwas zu ändern.

An was denken Sie da genau - eine staatlich verordnete Diät?

Genau wie bei Tabak und Alkohol muss der Staat auch bei Pommes, Cola und Süßem entschlossen eingreifen. Also eine Fett- und Zuckersteuer. Übergewicht ist längst kein rein persönliches Problem mehr, es ist ein gesamtgesellschaftliches. Der Staat muss anfangen, seine Bürger vor ungesundem Essen zu schützen und den Menschen das gesunde Leben erleichtern. Ungesunde Lebensmittel müssen einfach teurer und unerreichbar werden. Wir Mediziner nennen das Verhältnisprävention.

In der Werbung werden zum Beispiel Fruchtzwerge als Knochenstarkmacher und Vitaminbomben angepriesen. Wie kritisch sehen Sie solche Kampagnen?

Fruchtzwerge müssten eigentlich Zuckerbomben heißen. Eine Beschränkung der Kinderwerbung ist längst überfällig. Und auch die „Quengelgassen“ im Supermarkt vor den Kassen gehören abgeschafft. Auch hier muss die Politik handeln. Die Chancen, dass sich da was tut, stehen gut.

Was macht Übergewicht so gefährlich?

Es hat viele langfristige Folgen. Am bekanntesten ist der Diabetes, an dem immer mehr junge Menschen leiden. Zudem reduziert Übergewicht das Selbstbewusstsein, es kann depressiv machen und zu erhöhter Ängstlichkeit führen. Und dicke Kinder haben auch eine schlechtere Feinmotorik. Deshalb ist ein frühzeitiges Eingreifen so wichtig.

Wird man eigentlich schon dick geboren?

Nein, das kann man allgemein nicht sagen. Aber auch wenn ein Kind nicht dick geboren wird, spielt seine Veranlagung doch eine Rolle. Es gibt halt gute und schlechte Futterverwerter. Und in bestimmten Familien kommt Übergewicht einfach häufiger vor. Man muss sich einfach mit seinem genetischen Kostüm entsprechend verhalten. Das heißt: Wer schnell zunimmt, muss aufpassen, was er isst, und noch mehr Sport treiben. Gene dürfen aber nicht als Ausrede fürs Dicksein dienen.

Nun haben wir viel über Kinder und deren Ge-wicht gesprochen. Was sagt denn Ihre Waage, alles im Normalbereich?

(lacht) Also ich bin 1,85 Meter groß und wiege 90 Kilo. Nicht ganz Idealgewicht. Also auch ich habe mit Übergewicht zu kämpfen.

Und wie heißt Ihre süße Sünde?

Eiscreme. Ich liebe Eiscreme, belohne mich selbst damit. Aber zum Ausgleich versuche ich, viel Sport zu machen. Ich jogge gerne, am liebsten mit meiner Frau. Das motiviert am besten.


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