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Doris Schröder-Köpf besuchte gestern die Peter-Ustinov-Schule in Ricklingen.

Doris Schröder-Köpf besuchte gestern die Peter-Ustinov-Schule in Ricklingen.
© Foto:Wilde

Schulen in Hannover

„Integration muss auch bezahlt werden“

Doris Schröder-Köpf besuchte am Mittwoch die Peter-Ustinov-Schule in Ricklingen. Die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe machte sich ein Bild von der Oberschule, an der fast 90 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund haben. Schulleiterin Karin Haller fordert von der Politik schnellere Hilfe und vor allem auch eine größere finanzielle Unterstützung.

Hannover. Es gibt kaum einen anderen Ort, an dem sich die Schwierigkeiten der Integration der vielen Flüchtlinge so deutlich zeigen, wie in der Schule – und besonders in dieser: Fast 90 Prozent aller Kinder an der Peter-Ustinov-Oberschule in Ricklingen haben eine andere Muttersprache als deutsch. Migrationsbeauftragte Doris-Schröder Kopf machte sich am Mittwoch ein Bild von der Situation vor Ort.

Auf dem Rundgang durch die Räumlichkeiten sah sie unter anderem die Gitarrengruppe der Schule. Danach ging es in eine fünfte Klasse, wo sich alle Kinder einzeln vorstellen sollten. Während der großen Pause zeigte sich die Situation vor Ort am deutlichsten. Deutsche Schülerinnen oder Schüler musste man schon suchen. Im Anschluss sprach Schröder-Köpf unter anderem mit der Schulleiterin Karin Haller über Chanen und Probleme an der Schule. Die Öffentlichkeit musste hier außen vor bleiben.

Schröder-Köpf schaute bei der Gitarrengruppe vorbei

Schröder-Köpf schaute bei der Gitarrengruppe vorbei.

Wie dringend die Probleme der Schule sind, betonte Schulleiterin Haller im Anschluss im Gespräch mit der NP. Viele der Schülerinnen und Schüler sind in ihrer Heimat unregelmäßig oder auch gar nicht in den Genuss von Unterricht gekommen. Einige sind Analphabeten. „Ich kann von einem Kind, das noch nie zuvor in der Schule war und unsere Sprache nicht spricht, nicht erwarten, dass es ohne eine spezielle Förderung hier einen Abschluss schafft“, sagt Haller. Es gebe zwar auch jetzt schon einige Maßnahmen, um den Kindern so schnell wie möglich deutsch beizubringen, doch das reiche noch nicht.

Schulleiterin Karin Haller

Schulleiterin Karin Haller.

Zwei Sprachlernklassen sind eingerichtet worden, in denen eigentlich maximal 16 Kinder unterrichtet werden sollen. Weil der Bedarf deutlich größer ist, sind aber momentan bis zu 24 Schülerinnen und Schüler in einer der beiden Klassen. Wer nun glaubt, dass derartige Nachhilfen selbstverständlich wären, der irrt. Um überhaupt daran teilnehmen zu können, müssen die Familien der Kinder sogenannte Bildungs- und Teilhabegutscheine einreichen. Ohne sie gibt es keinen Sprachunterricht für die Kinder. „Das ist ein unfassbarer bürokratischer Aufwand“, sagt Schulleiterin Haller. Da viele Elternteile auch kein deutsch sprächen, würden sie gar nicht verstehen, wozu die Bescheinigungen gut sind, so die 62-Jährige.

Anhand dieses Beispiels zeige sich aber ein Grundproblem. Um die Kinder gewinnbringend für die Gesellschaft zu integrieren, müsse man auf die aktuellen Bedürfnisse reagieren:




„Die Bildungspolitik muss auf die aktuellen Anforderungen andere Antworten finden. Die Kinder sind jetzt da. Das heißt wir brauchen schnell neue Lösungen und auch mehr Geld. Wir sind alle von den gesellschaftlichen Herausforderungen überrascht worden. Trotzdem haben wir es aber bis jetzt gut hinbekommen. Nun muss die Bildungspolitik aber nachziehen. Man kann nicht nur von Integration sprechen, man muss sie natürlich auch bezahlen.“



Schröder-Köpf besuchte den Unterricht einen fünften Klasse in der Schule

Schröder-Köpf besuchte den Unterricht einen fünften Klasse in der Schule.

Haller hat den Eindruck, dass der Ernst der Lage bei den Entscheidungsträgern noch nicht angekommen ist. „Die Kinder sind jetzt da und wir brauchen jetzt schnelle Lösungen, sonst erreichen wir sie nicht mehr und sie geraten vielleicht am Ende auf die schiefe Bahn.“ Neben dem fehlenden Geld sei auch noch der Platz ein großes Problem. Im Stadtgebiet seien nahezu alle Schulen voll. Da Kinder ohne Deutschkenntnisse aber selten aufs Gymnasium könnten, konzentrieren sie sich auch Haupt- und Oberschulen – wie in Ricklingen. Für Karin Haller und ihrer Kollegen bedeutet das Tag für Tag eine riesengroße Herausforderung.

Von Timo Gilgen

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