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Meine Stadt Integration: Flüchtling fährt Bus
Hannover Meine Stadt Integration: Flüchtling fährt Bus
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00:16 11.08.2017
Hamza Omar am Steuer seines Busses.  Quelle: Florian Petrow
Hannover

 Mehr als 1,2 Millionen Flüchtlinge kamen seit 2015 nach Deutschland. Für die Betroffenen war die Ankunft meist nur ein kurzes Aufatmen, Die echte Mammutaufgabe mussten sie danach meistern: die Integration. Tatsächlich ankommen und dazugehören, bedeutet neben einer eigenen Wohnung, Freunden und einem Kita-Platz vor allem auch eine richtige Arbeit. Wenige Flüchtlinge haben sich dieses neue Leben bislang aufgebaut. Weil die Hindernisse oft zu hoch, die neue Sprache zu schwer oder der Mut zu klein sind.

Hamza Omar gehört zu denen, die es geschafft haben. Nur vier Jahre ging er zur Schule. Danach arbeitete er. „In Syrien haben wir kein Sozialsystem: Wer essen will, muss arbeiten.“ 2001 floh der gelernte Friseur, weil er in seiner Heimat politisch verfolgt wurde. Ehefrau Salwa (33) kam fünf Jahre später. Omars Geschichte zeigt, dass alles möglich ist, wenn man will. Dass man neben unbändigem Willen und Ehrgeiz aber auch Glück braucht. Hamza Omar hatte Glück. „Es war mein Schicksal, dass ich sie getroffen haben“, sagt er. Sie – das ist Helga Köhler. 61 Jahre, Sachbearbeiterin im Jobcenter der Region Hannover.

„Gleich bei unserem Treffen fragte er mich, ob er Busfahrer werden könnte. Ich fand das angesichts seiner schlechten Deutschkenntnisse vermessen“, erinnert sich Köhler. Der 39-Jährige blieb dabei. „Ich wollte meine Frau und unsere drei Kinder selber ernähren, nicht länger vom Jobcenter abhängig sein. Nicht ständig neue Briefe erhalten mit neuen Terminen. Ich wollte ein normales deutsches Leben führen.“ Das Jobcenter schickte den Flüchtling zunächst zu einem Integrationkurs. „Die Sprache ist der Schlüssel zum Erfolg“, so Köhler. Erst recht für Busfahrer. Immer wieder habe Hamza Omar in ihrem Büro gestanden. „Das war manchmal lästig, dann musste ich ihn ausbremsen. Aber vor allem hat es mich tief beeindruckt, wie sehr Herr Omar für seinen Traum gekämpft hat“, erinnert sich die Sachbearbeiterin. Es sei ein „großes Risiko“ für sie gewesen, ihm einen Bildungsgutschein zur Umschulung auszustellen. Köhler: „Aber manchmal muss man etwas wagen.“

Seit November fährt Hamza Omar für das Bornumer Unternehmen Leo Lautenbach. „Mir macht die Arbeit viel Spaß“, sagt Omar, der mit seiner Familie nun am Kronsberg wohnt. Das merkt auch Chef Lothar Lautenbach: „Wir haben oft Menschen, die vom Jobcenter kommen, Aber selten jemanden, der so engagiert war.“ Am 8. März hat sich die Familie beim Jobcenter abgemeldet. Köhler: „Zum Abschied schrieb er mir ’Denke schon’ – das heißt ’Danke schön’.“

Von Britta Lüers

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