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HIER LANDEN SCHWERE FÄLLE: Das Kinderkrankenhaus auf der Bult.

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Impflücke

Hannover: Keuchhusten auf dem Vormarsch

Schutzimpfungen retten Leben, aber Impfgegner unter den Eltern lassen ihre Kinder nicht immunisieren. Das hat Konsequenzen.

hannover.  „Keuchhusten ist auf dem Vormarsch, jeder, der mit Säuglingen zu tun hat, sollte seinen eigenen Impfschutz überprüfen und seine Kinder ab dem vollendeten zweiten Monat dagegen impfen lassen.“ Was Kinderarzt Thomas Buck berichtet, wird vor allem von Impfgegnern bezweifelt, da es offiziell gar nicht so viele Fälle gibt. In Niedersachsen sind keine Zahlen bekannt, obwohl Keuchhusten mittlerweile meldepflichtig ist. „Aber wir haben keine eigene Impfkommission in unserem Bundesland“, bedauert Buck.

"Ich kann nur warnen"

Woher er nun weiß, dass diese Krankheit auf dem Vormarsch ist? „Es gibt genug Fälle, die Diagnose ist recht einfach“, erzählt er aus seiner Praxis in Misburg und als Vorstand der Ärztekammer Niedersachsen. „Aber für das Melderegister benötigt man einen ganz bestimmten Rachenabstrich.“ Im „Zeitalter der Budgetierungen“ gingen die Mediziner nun mal vorsichtig mit den Ressourcen um. „Nur ein Bruchteil des echten Keuchhustenerkrankungen wird entdeckt und labortechnisch so aufgearbeitet, dass er für eine Meldung genügt.“

Deswegen könnten Impfkritiker behaupten, Keuchhusten gebe es nur noch selten. „Ich kann nur warnen“, sagt der Facharzt unter anderem für Lungenheilkunde. „Bei Erwachsenen gibt es eine Impflücke, die stecken aber die Säuglinge an.“ Drei von vier Säuglingen würden direkt von Familienangehörigen infiziert. Die Babys könnten aber sogar daran sterben.

Dabei ist Keuchhusten beileibe nicht das einzige Problem. Die Schulmedizin sehr stark ablehnende Eltern haben auch mit anderen Schutzimpfungen so ihre Probleme. „Es ist gut, wenn sich die Mütter und Väter kritisch mit jeder ärztlichen Maßnahme auseinandersetzen“, so der Mediziner. „Das Problem ist aber oft, dass da nicht sachlich, sondern emotional argumentiert wird, weil da viele Ängste mit hinein spielen. Das macht es schwierig.“ Natürlich wollten die Eltern das Beste für ihr Kind, „aber manches erinnert auch an Verschwörungstheorien.“ Die „böse Pharmaindustrie“, die hinter allem stecke und vermeintlich viele Problemfälle „unter den Teppich“ kehre. „Wenn es regelhaft schwere Nebenwirkungen gäbe, hätten die Impfungen, die wir Ärzte durchführen, auch haftungstechnisch Konsequenzen“, so Buck.

40 Prozent der Kinder nicht ausreichend gegen Masern geschützt

Eine der ganz großen Erfolgsgeschichten der Gesundheitsvorsorge vermeldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2002: Sie erklärte Kinderlähmung (Polio) in Europa für ausgerottet erklären. Grund war eine anhaltend hohe Impfbereitschaft in der Bevölkerung. Ihr Ziel, bis 2015 auch die Masern in Europa durch eine ausreichend hohe Impfquote von 95 Prozent auszurotten, wurde in Deutschland deutlich verfehlt.

2013 war hier die Anzahl der gemeldeten Masernfälle eine der höchsten seit der Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001, das Masern zusammen mit Mumps und Windpocken, aber auch mit Cholera und Diphtherie als meldepflichtige Krankheit nennt. Etwa 40 Prozent der Kinder hierzulande sind nach der KiGGS-Studie zum Ende des zweiten Lebensjahres noch nicht mit zwei Impfungen ausreichend gegen Masern geschützt.

Eine Tatsache, die viele nicht verstehen. Thomas Buck fragte kürzlich eine afrikanischstämmige Patienten zu ihrer Meinung zu Impfgegnern. Sie habe gesagt: „Wenn wir bei uns gehört haben, dass es einen Impfstoff gibt, haben wir unsere Kinder geschnappt, sind 20 Kilometer zu Fuß gegangen und waren froh, noch eine Impfdosis abbekommen zu haben.“

Thomas Buck wäre froh gewesen, wenn vor 16 Jahren ein bestimmtes Mädchen in Deutschland einen Impfschutz gehabt hätte. „Ich hatte als behandelnder Arzt dieses Mädchen an Masern verloren. Sie starb an Hirnhautentzündung, nach einem dreiwöchigen Todeskampf auf der Intensivstation. Das vergesse ich nicht.“

Der Impfkalender des Robert-Koch-Instituts:

www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Aktuelles/Impfkalender.html

Von petra rückerl


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  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
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