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Meine Stadt Immer mehr Frauen Opfer von häuslicher Gewalt
Hannover Meine Stadt Immer mehr Frauen Opfer von häuslicher Gewalt
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00:16 01.06.2017
BEDROHUNG: Das Symbolbild zeigt einen aggressiven Mann, der sich einer Frau nähert.  Quelle: dpa
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Hannover

 Weiterer Anstieg: 2016 wurden in der Landeshauptstadt 2794 Fälle von häuslicher Gewalt gegen Frauen registriert – das sind 53 Fälle mehr als im Vorjahreszeitraum.

Das geht aus dem Jahresbericht der Koordinierungsstelle des BISS/HAIP-Verbundes hervor, der Montag im Gleichstellungsausschuss der Stadt vorgestellt wurde. HAIP steht für Hannoversches Interventionsprogramm, BISS für Koordinierungs- und Beratungsstelle gegen häusliche Gewalt.

„Die Zahl der Fälle erhöht sich von Jahr zu Jahr, die Zahl der Selbstmelderinnen steigt, es gibt einen enormen Anstieg mitbetroffener Kinder“, fasste Gleichstellungsbeauftragte Friederike Kämpfe zusammen.

Die Zahl betroffener Kinder stieg laut Bericht 2016 um 414 auf 2577 Fälle. Im Vorjahreszeitraum wurden 2163 Fälle registriert. Der genaue Grund dafür blieb im Ausschuss zunächst unklar. „Es gibt keine wirkliche Erklärung“, sagte BISS-Koordinatorin Margreth Hoffmann.

Möglich sei, dass – im Gegensatz zu früher – immer öfter Kinder in den Fallberichten der Polizei erwähnt werden, auch wenn sie nicht Opfer körperlicher Gewalt geworden seien. Denkbar, dass sie sich in den Räumen aufgehalten hatten, in denen es zu einem Angriff auf eine erwachsene Frau gekommen war.

Der größte Teil der weiblichen Opfer (890 Fälle) war zwischen 31 und 40 Jahre alt, 1506 Frauen hatten einen Migrationshintergrund, heißt es im Bericht weiter. Und: „Eine besondere Herausforderung stellt die stets hohe Zahl von Frauen zwischen 18 bis 25 Jahren mit Migrationshintergrund dar, die von häuslicher Gewalt, Zwangsheirat und ehrbezogener Gewalt betroffen sind.“

Mögliche Gründe für steigende Fallzahlen: Das Thema häusliche Gewalt werde immer mehr enttabuisiert, die Hilfsangebote würden immer bekannter – deshalb gebe es mehr Selbstmelderinnen. Auch die Zusammenarbeit mit der Polizei (meldet die Fälle an den Verbund) wird ausdrücklich gelobt.

Männer werden ebenfalls öfter Opfer von häuslicher Gewalt: „Die Zahl der in der BISS-Intervention koordinierten männlichen Opfer stieg von vormals 137 Fällen im Jahr 2015 auf 147 Fälle im Jahr 2016.“

Von Andreas Körlin

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