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IMMER ONLINE: Kommissarin Svenja R. kann blitzschnell reagieren, wenn Fahndungen anlaufen – und auch beenden, weil Gesuchte geschnappt wurden.

IMMER ONLINE: Kommissarin Svenja R. kannblitzschnell reagieren, wenn Fahndungen anlaufen – und auch beenden, weil Gesuchte geschnappt wurden.© Dröse

Landeskriminalamt

Im Netz der LKA-Fahnder

Nach einer aufsehenerregenden öffentlichen Fahndung in den sozialen Netzwerken konnte ein mutmaßlicher Kinderschänder in der Nähe von Bremen festgenommen werden. Wie arbeiten die Teams, die via Facebook Zeugen suchen und Prävention betreiben? Die NP hat die Social-Media-Truppe des Landeskriminalamts (LKA) besucht.

Hannover. Das kleine Mädchen war offenbar schwer sexuell missbraucht worden, die Spuren des kinderpornografischen Films führten nach Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kinderschänder weitermachen würde, war groß. Schließlich fahndete das Bundeskriminalamt öffentlich nach dem Opfer, um an dessen Peiniger zu kommen. Das Foto des Mädchens ging auch über die zwei Fahndungskanäle des niedersächsischen Landeskriminalamtes (LKA). Wenige Stunden danach wurde der 24-jährige mutmaßliche Täter gefasst.

Erfolgreiche Fahndungen über die sozialen Medien sind nicht so ganz neu in Niedersachsen. Das LKA richtete seinen Fahndungskanal über Facebook bereits am 18. Juni 2012 ein. Immerhin 717 Fälle gingen seitdem über die Ti­cker – die betrafen nicht nur Fahndungen. Auch Zeugenaufrufe und Pressemitteilungen wurden so an die Bürger – oder im Social-Media-Neudeutsch: an die User – ge­bracht.

Dreiköpfiges Team aus Kommissaren postet

Seit Sommer 2017 hat sich das Landeskriminalamt im Web aufgerüstet. Neben „Po­lizei Niedersachsen Fahndung“ über Facebook und Twitter, wo ausschließlich „Fahndungsaufrufe“ einzelner niedersächsischer Polizeidienststellen eingestellt werden, gibt es nun zwei weitere LKA-Kanäle – ebenfalls auf Twitter und Facebook, die sich auf allgemeine und be­gleitende Öffentlichkeitsarbeit spezialisiert haben. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Prävention und Warnmeldungen. Personenbezogene Da­ten landen dabei nicht auf den ausländischen Servern der sozialen Netzwerke, sondern bleiben auf der Homepage des LKA auf den Polizeiservern. In Social Media wird lediglich auf die LKA-Internetseite verlinkt.

Ein dreiköpfiges Team aus interneterfahrenen Kommissaren postet alles, was für die Bürger wichtig und richtig sein könnte. Teamleiter Florian Zastrau nennt ein Beispiel: „Über Facebook gab es eine Fake-News, dass SEK-Leute angeblich einen Einsatz auf dem Fest der Kulturen in Hannover unternehmen. Das war natürlich Quatsch.“ Die schnelle Truppe um Zastrau reagierte sofort und schickte Dementis – ebenfalls über Facebook und Twitter.

Das Netz ist nicht gut oder böse, im Netz tummelt sich einfach alles: In Zeiten von Cyber-Kriminalität können sich Fahnder nicht mehr nur auf klassische Polizeiarbeit verlassen. Das Internet ist schnell, die Kriminellen sind findig, die Kommissare müssen beides sein.

Zurzeit vermehrt im „kriminellen Angebot“: falsche Polizisten und falsche Enkel, die vornehmlich alte Menschen um ihre Renten und Ersparnisse bringen wollen. Aber sind diese Opfer auch im Netz unterwegs? „Wir warnen auf unseren Internetkanälen, erklären die Tricks der Kriminellen und fordern die jüngere Generation dazu auf, ihre Eltern und Großeltern zu warnen“, so Zastrau.

Aber auch vermeintlich Social-Media-affine Bürger fallen auf kriminelle Tricks herein und rücken ihre Mobilnummern und Pins heraus. „Wir fahnden hier nicht aktiv, sondern nutzen diese beiden Verbreitungskanäle, um die Leute zu warnen und aufzuklären“, stellt Zastrau klar.

Nutzer geben positives Feedback

Das kommt bei den Nutzern gut an, die Arbeit der Polizei wird oft in den Kommentaren gelobt, insbesondere natürlich nach erfolgreichen Fahndungen auf der Fanpage „Polizei Niedersachsen Fahndung“, aber auch auf den neuen Präventivkanälen. „Das Lob geben wir natürlich gern an die Kollegen weiter“, sagt Zastrau. Warnmeldungen würden im eigenen So­cial-Media-Umfeld weitergegeben, „die Leute freuen sich, wenn wir zeitnah und aktuell reagieren“, berichtet Kommissarin Svenja R. Man bemüht sich um einen seriös-lockeren Ton, das übliche Du im Social-Media-Bereich wird angewandt, wenn man es nicht umschreiben kann. Und man reagiert auch mit Witz, wenn einer mal unfreundlich postet. Auf den Kommentar eines Facebook-Nutzers „Ist doch auch was, auf Facebook Datteln und dafür noch aus Steuern bezahlt werden“ schrieb Kommissar Thomas B. zurück: „Datteln gibt es bei uns hier im Büro sehr, sehr selten. Feigen gar nicht. Ab und zu mal einen Apfel“, erzählt Florian Zastrau lächelnd, „das kam dann ganz gut an.“

Seine Kollegin Svenja R. würde sich aber durchaus in dem einen und anderen Fall eine Einhaltung der (N-)Etikette wünschen. Allerdings hat die Kommissarin auch festgestellt, dass sich viele Dinge „in der Community“ selbst regeln: „Nach grenzwertigen Kommentaren schreibt ein anderer zurück, das klappt oft ganz gut.“ Volksverhetzende und rassistische Kommentare würden ohnehin strafrechtlich verfolgt und unverzüglich ge­löscht, „das geht gar nicht“, sagt LKA-Sprecher Frank Federau, an dessen Öffentlichkeitsabteilung die Social-Media-Truppe neuerdings angedockt ist.

Von Petra Rückerl


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