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Meine Stadt Im „Café f“ auf der Suche nach dem Ehrenamt
Hannover Meine Stadt Im „Café f“ auf der Suche nach dem Ehrenamt
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00:18 29.10.2015
Über dem Üstra-Kundenzentrum sind das Frewilligenzentrum und auch das „Café f“.
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Hannover

Der Blick auf die Marktkirche ist ein Traum, das Stimmengewirr vom Platz der Weltausstellung unten stört auf der Terrasse überhaupt nicht, das Currywurstgericht ist „weltklasse“, wie die freundliche „Kellnerin“ Hilde schwärmt. Und das Erstaunen ist groß: Hier also ist ein Café – wer weiß denn so was? Jedenfalls ist heute nicht viel „Laufkundschaft“ zu bedienen, obwohl jeder willkommen ist in dem lichtdurchfluteten Kleinod mitten in der City. Nicht nur die Spanisch- und die Englischgruppen, die sich hier – wegen des erheblichen Sprachgewirrs voneinander getrennt – immer mittwochs treffen. Oder die Ausbildungspaten mit ihren Schützlingen.

Die, die im „Café f“ in der Karmarschsstraße 30/32 einkehren – dort, wo unten das Üstra-Kundenzentrum und in der zweiten Etage auch das Freiwilligenzentrum ist –, haben meist einen besonderen Grund zu kommen. Wie Klaus S. (50), der „einen Sinn in meiner momentanen Lebenssituation sucht“. Nein, es geht nicht um Esoterik, sondern um Handfestes. Der Ingenieur ist schon länger arbeitslos und möchte während der Wartezeit auf einen neuen Job sein Wissen und seine Fertigkeiten zur Verfügung stellen. Ehrenamtlich, also in Freiwilligenarbeit. Dafür ist er hier genau richtig. Denn das Café gehört zum Freiwilligenzentrum, es ist quasi der Treff für Ehrenamtliche und die, die es werden wollen.

Beraterin Piroska Balogh, ebenfalls eine Freiwillige, die im „normalen Leben“ in der Touristikbranche arbeitet, nimmt sich viel Zeit für Klaus S., fragt nach seinen Wünschen und Erfahrungen, gemeinsam kreisen sie Möglichkeiten zu helfen für ihn ein, schließlich bekommt der Ingenieur Adressen, bei denen er sich melden kann. Gleich zwei Richtungen haben sich im Gespräch herauskristallisiert. „Ich könnte handwerklich und technisch arbeiten, also zum Beispiel Geräte auf Kinderspielplätzen reparieren. Und ich könnte mich als Sterbebegleitung im Hospiz melden“, erzählt ein nach dem Gespräch gelöster und freudiger S. – „so etwas erdet einen eben auch, wenn man anderen einfach helfen kann“, sagt er.

Auch Hilde R. (66) war bei Piroska Balogh. „Als ich 2012 in Pension ging, habe ich mich nach drei Monaten gelangweilt. Eine Bekannte schickte mich ins Freiwilligenzentrum, und ich bin gleich im Café geblieben.“ Zuerst arbeitete sie zwei Tage die Woche, jetzt, wo der Mann der früheren Finanzbeamtin auch in Rente ist, kommt sie immer mal auf Zuruf. „Ich habe viel Spaß und alle freuen sich, wenn ich komme. Das ist schöner als jeder Lohn“, meint Hilde und lacht mit Angelika Nebeling (59), die sogar drei Mal in der Woche im „Café f“ in der Küche steht. Und „die weltbeste Currywurstsauce“ – immer für den Donnerstag – herstellt, wie ihre Kollegin Hilde konstatiert.

Dieses Gericht schätzt auch Candidas Syrsyris (21), der für seine Arbeit im Freiwilligencafé sogar Geld bekommt. Denn der junge Mann wird hier als Fachkraft im Gastgewerbe ausgebildet. Einer von zwei Ausbildungsberufen, die das Freiwilligenzentrum anbietet – der andere ist Bürofachkraft. Candidas gehört zu jenen jungen Leuten, die in ihrer Jugend gewisse Ausbildungshemmnisse vorzuweisen hatten – was er so erklärt: „Ich hab früher eher so mein Ding gemacht, Schule geschwänzt und hatte Probleme mit Graffitisprühen.“ Das hat sich geändert und im Freiwilligenzentrum hat man sich seiner angenommen. Mit der zweijährigen Ausbildung in der Tasche will er sich später seinen Traum erfüllen und nach Australien gehen. „Also, ich finde ihn super“ – findet nicht nur Hilde.

Auch Dieter Dorn ist angetan von dem Auftreten und Einsatz des Deutsch-Griechen – und Dorn kann das besonders gut beurteilen. Denn der 67-Jährige ist Ausbildungspate, arbeitet aber auch im Café. Heute löst der zweifache Vater und „zweieinhalbfache Großvater – der nächste Enkel kommt bald“ Hilde ab und schaut nach, ob es noch genug Kuchen von der – selbstverständlich auch ehrenamtlich arbeitenden – Bäckerin gibt. Das Café hat sich mittlerweile auch gefüllt, einzelne Schüler und Schülerinnen sitzen mit ihren Ausbildungspaten zusammen, die Spanischgruppe zahlt ihren Kaffee, die auf Englisch kommunizierenden Gäste bleiben noch ein wenig und sogar Laufkundschaft hat in die schönen Räumlichkeiten gefunden.

Das freut auch Angelika Pfanne (35), die neben ihrem Fulltime-Job als in der MHH auch immer noch einen halben Tag in der Woche zum freiwillig Arbeiten kommt. „Ein Ehrenamt gehört für mich zum Leben dazu“, sagt sie. „Ich will das hier einfach unterstützen.“

Wer das auch will – oder anderweitig freiwillig arbeiten möchte: Das „Café f“ ist montags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr, freitags bis 16 Uhr geöffnet. Die kostenlose Hotline für Interessierte: 0800-3302030. Petra Rückerl

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