Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Illegale Schatzsucher im Römerlager
Hannover Meine Stadt Illegale Schatzsucher im Römerlager
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 31.12.2015
Legal: Ein Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege sucht den Acker bei Wilkenburg nach römischen Funden ab. Foto: von Ditfurt
Hannover

Sie haben kleine Löcher auf dem Acker hinterlassen –
auf ihrer Suche nach Schätzen der Vergangenheit. Illegale Sondengänger, die mit Metalldetektoren die Fläche des römischen Marschlagers abgelaufen sind, das Archäologen im Hemminger Ortsteil Wilkenburg gefunden hatten. „Wir wissen nicht, ob sie etwas gefunden haben“, sagt Friedhelm Wulf, der für die Region Hannover zuständige Archäologe beim Landesamt für Denkmalpflege. Sicher ist jedoch, dass der Schaden groß ist, den die illegalen Schatzsucher anrichten.

Dabei geht es weniger um den Materialwert der Funde. Römische Münzen kann man schon für wenige Euro bequem im Internet bestellen. „Das große Problem ist, dass die Funde dadurch komplett aus ihrem Zusammenhang gerissen werden. Und den brauchen wir, um genauere Aussagen zum Aufbau des Lagers und seiner Geschichte machen zu können“, erklärt Wulf. Fundhäufungen zum Beispiel lassen vermuten, dass in diesem Teil des Lagers besonders viel Betrieb herrschte.

Entscheidend ist auch das Alter der Münzen. Weil die Archäologen eine Reihe jüngerer Münzen gefunden haben, lässt sich ausschließen, dass das Marschlager bei Wilkenburg zu Zeiten des Feldherrn Drusus (38 bis 14 v. Chr.) angelegt wurde. Derzeit ist durchaus möglich, dass auf dem Acker die Legionen des Varus kampierten, die im Jahr 9 n. Chr. von den Germanen vernichtend geschlagen wurden. Sollte jedoch eine einzige Münze auftauchen, die nach Varus’ Tod geprägt wurde, ist diese Theorie hinfällig.

Weil in diesem Fall jeder einzelne Fund und besonders dessen genaue Dokumentation so wichtig sind, lässt das Landesamt für Denkmalpflege das Areal ausschließlich von eigenen Sondengängern absuchen. Bei anderen Projekten greift dieses durchaus auch auf die Unterstützung von lizenzierten Hobbyarchäologen zurück. „In diesem Fall brauchen wir aber ein besonders hohes Maß an Wissenschaftlichkeit“, sagt Landesarchäologe Wulf.

Aus Angst vor illegalen Schatzsuchern hält sich das Landesamt auch mit Auskünften zur Suche nach weiteren Marschlagern in der Region zurück. Dass es solche gegeben haben wird, ist hochwahrscheinlich, da die römischen Legionäre im Schnitt pro Tag 20 Kilometer zurücklegten und dann ein neues Lager aufschlugen. An einer anderen Stelle habe man eine weitere Münze gefunden, ein sogenanntes Lugdunum-As, das im heutigen Lyon geprägt wurde, sagt Wulf. „Dort werden wir genauer nachschauen“, kündigt der Archäologe an. Christian Bohnenkamp

Untersuchungen gehen 2016 weiter

Es war ein Sensationsfund, den die Archäologen Mitte Oktober der Öffentlichkeit vorstellten. Sie hatten durch Grabungen eindeutig ein römisches Marschlager unweit des Hemminger Ortsteils Wilkenburg nachgewiesen. Rund 30 Hektar groß war dieses und bot Platz für 20 000 Mann. Das entspricht zwei kompletten Legionen – inklusive ihrer Hilfstruppen.

Zunächst einmal haben die Archäologen die Fundstellen wieder zugeschüttet. „Im nächsten Jahr sollen die Untersuchungen aber im großen Stil fortgesetzt werden“, kündigt Friedhelm Wulf, der für die Region Hannover zuständige Landesarchäologe, an.

Geplant seien nicht nur Grabungen, sondern auch Messungen mit einem magnetischen Verfahren, mit dem sich Veränderungen im Untergrund feststellen lassen, die durch den Bau des Lagers entstanden sind. Testmessungen im November waren vielversprechend. Durch sie konnten Grabenverlauf und mögliche Pfostenlöcher nachgewiesen werden. boh

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!