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Anwohner protestieren im Rathaus Hodlersaal.© Michael Thomas

Hannover

Ihme-Zentrum: Stadt erhöht Druck

Ordentlich Druck machen und alternativ nach Standorten für die städtischen Dienststellen suchen: Für seinen in der vergangenen Woche öffentlich vorgebrachten Vorstoß, dem Investor des Ihme-Zentrums, dem Projekt Steglitzer Kreisel Berlin Grundstücks-GmbH, bis Ende des Jahres ein Ultimatum bei der Revitalisierung des Objektes zu setzen, hat Oberbürgermeister Stefan Schostok gestern breite politische Rückendeckung erhalten.

Hannover. Im neuen Oberbürgermeister-Ausschuss stimmten alle Fraktionen für diese Stoßrichtung. Die SPD-Fraktion im Stadtbezirksrat Linden-Limmer, die an der Sitzung ebenfalls teilgenommen hatte, zog die Vorlage in die Fraktionen. Sie berät der Bezirksrat nun am kommenden Mittwoch.

So viel Andrang ist selten: Rund 100 Anlieger waren ins Rathaus gekommen und hielten Plakate und Nachbildungen des Ihme-Zentrums hoch – um deutlich zu machen, dass sich die Stadt nicht zurückziehen soll, weil das Ihme-Zentrum sonst zur Ruine verkommt und die meisten Wohnungseigentümer durch den dann drohenden Werteverfall finanzielle Einbußen hinnehmen müssten. „Wir werden uns unserer Verantwortung nicht entziehen. Wir wollen aber keine Zeit mehr verlieren. Die Verwaltung muss deutlich machen, was auf dem Spiel steht“, so Oberbürgermeister Stefan Schostok. Man habe verschiedene Szenarien in Betracht gezogen, von der die Abriss-Variante aber nicht das Szenario sei, das man verfolge. „Das ist blanker Unsinn“, betonte Schostok.

Die Stadt führte aus, dass es inzwischen rund 150 Mängel am Gebäude gebe und man es den rund 800 Mitarbeitern nicht mehr zumuten könne, unter diesen Umständen dort weiter zu arbeiten. Allerdings ist die Stadt auf Hilfe eines Investors angewiesen, denn allein könne man das Projekt nicht stemmen, so Stadtjustiziar Frank Herbert. Eine Übernahme des Ihme-Zentrums würde der Stadt etwa 200 bis 250 Millionen Euro kosten: „Für alle städtischen Investitionen im Jahr geben wir 110 Millionen Euro aus. Der Ankauf würde uns also das Doppelte kosten.“ Man könne ein sehr leistungsstarker Partner sein, dafür bräuchte man im Ihme-Zentrum aber einen konstruktiven Investor, der in der Lage sei, sich um die Immobilie zu kümmern, und nicht allein finanzielle Anlagemöglichkeiten im Blick habe, so der OB weiter. Schostok machte auch klar, dass eine Zukunft für das Ihme-Zentrum nicht von heute auf morgen zu bekommen sei: „Es gibt nicht den Zauberstab, mit dem man umgehend das Problem lösen kann. Wohl aber mit harter Arbeit.“

Von dem Investor selber war gestern nichts dazu zu hören, wie er den Konflikt lösen will. Torsten Jaskulski, der das Ihme-Zentrum im Auftrag Steglitzer Kreisel Berlin Grundstücks-GmbH verwaltet, gleichzeitig aber auch die Interessen der Eigentümer vertritt, sprach nur aus der Sicht der Anwohner. Die meisten Anlieger, aber auch die Politiker zeigten sich darüber am meisten enttäuscht.

von Andreas Voigt


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