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Lavera-Geschäftsführerin Klara Ahlers ist Aushängeschild der Naturkosmetikfirma - und trägt beim NP-Termin ein schickes Second-Hand-Kleid.

Lavera-Geschäftsführerin Klara Ahlers ist Aushängeschild der Naturkosmetikfirma - und trägt beim NP-Termin ein schickes Second-Hand-Kleid.© Florian Petrow

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Lavera

„Ich war immer ein robustes Naturkind“

Sie ist eine Pionierin der Naturkosmetik: Klara Ahlers (49) begann mit einem kleinen Laden, seit 1997 ist sie in der Geschäftsührung von Marktführer Lavera. Die NP traf sie in der Firmenzentrale in Ronnenberg.

Hat die Kindheit auf dem Dorf den Grundstein gelegt für Ihre Karriere?

Bestimmt. Ich bin in einem Dörfchen mit 300 Einwohnern zwischen Nienburg und Bremen aufgewachsen. Ich war immer ein robustes Naturkind. Mein Vater hat Hühner, Enten und Puten gezüchtet, in der Familie gab es viele Bauern - das hat mich geprägt. Meine Oma wusste wahnsinnig viel über Pflanzen. Von ihr habe ich viel gelernt.

Wie kamen Sie zur Naturkosmetik?

Ich hab schon als Kind im Garten Rosenblätter abgezupft, Wasser darüber gegossen, die Blätter in den Kühlschrank gestellt - und mich gewundert, dass alles verdorben ist (lacht). Mit 16 Jahren habe ich mich dann richtig mit Naturkosmetik befasst und Bücher dazu gelesen. Damals war es nicht einfach, an die notwendigen Inhaltsstoffe zu kommen. Lanolin, Bienenwachs, Pfefferminzöl - ich brauchte ja immer nur Mini-Portionen und hab damit die Apotheker wahrscheinlich genervt. Die „Hobbythek“-Welle mit Jean Pütz kam erst später.

Was waren Ihre ersten Produkte?

Aus Schmierseife habe ich Pfefferminz-Shampoo gemacht. Als die Pubertät ausbrach, hab ich Heilerde für unreine Haut angemischt. Meine drei jüngeren Schwestern waren ganz wild darauf.

Also eine echte Mädchen-Geschichte?

Oh ja, ich hab mir schon mit zwölf Jahren Produkte von Yves Rocher aus dem Versandkatalog bestellt. Dabei hatte ich keine Ahnung, wie man das ausspricht, habe aber stolz verkündet, dass ich Kosmetik von „Jevess Rocchha“ verwende.

Wann wurde eine Karriere daraus?

Das Thema Naturkosmetik hat mich nie losgelassen. Und da hatte ich 1988 die Idee, eine Art „Öko-Douglas“ aufzumachen, in dem man die Kosmetik nicht wie im Bioladen zwischen Käse und Salat suchen musste. Ich hatte das Gefühl, Göttingen ist der richtige Ort für den „Cremetopf“: viele Studenten, ökologisches Flair. Aber: Ich hatte kein Startkapital und von allen Banken eine Absage bekommen. Doch ich hatte ein Ladenlokal entdeckt, der Arzt im Stockwerk darüber war begeistert von der Idee - und hat mir die Hälfte des Startkapitals, 15 000 Mark, geliehen und ein gutes Wort bei den Banken eingelegt. Ich bin ihm heute noch dankbar dafür.

Wie lief das Geschäft?

Der erste Tag war sehr gut, den Umsatz habe ich noch im Kopf: 612,50 Mark. Es kamen aber auch Tage mit 16,50 Mark, an denen ich zwei Seifen und drei Duschgele verkauft habe (lacht). Ich habe Rohstoffe angeboten, damit man selber Kosmetik anrühren kann, war spezialisiert auf Aromatherapie und habe weiterhin Rezepte entwickelt. Natürliche Hautpflege und Tierversuchsfreiheit waren Schwerpunkte der damals gängigen Marken, die ich verkaufte. Mit Lavera habe ich übrigens mein erstes Schaufenster dekoriert.

Warum Lavera?

Lavera ist nur ein Jahr älter als der „Cremetopf“, irgendwie ist mir die Marke vom ersten Tag ins Herz gesprungen. Ich bekam damals einen Anruf vom Verkaufsleiter, der mich bat, Seminare für Verkäufer zu veranstalten, weil meine Lavera-Verkaufszahlen so gut waren. Da hatten sich zwei Pioniere gefunden.

Und warum waren Ihre Zahlen gut?

Ich mochte den Duft und das Hautgefühl von Lavera. Es klingt vielleicht abgedroschen, aber die eigene Überzeugung zählt. Man muss dahinterstehen, dass man nur Sachen an seine Haut lässt, die natürliche Inhaltsstoffe haben und ohne Tierversuche entstanden sind. Und man braucht Sachkenntnis. Ich habe gelesen, gelesen, gelesen, bin in das Thema hineingewachsen.

1990 stiegen Sie bei Lavera als Marketingleiterin ein. Wie haben Sie der Firma Ihren Stempel aufgedrückt?

Das fing früh an. Firmengründer Thomas Haase, der für Produktion und Entwicklung zuständig ist, hatte gerade das erste Natur-Make-up entwickelt - eine cremige, penatige Substanz in einem Tiegelchen. Die war zwar hundert Prozent natürlich, aber von der Produkt-Performance her nicht geeignet. Auf der neu entwickelten Grundrezeptur basieren unsere Make-ups immer noch. Ich bin nah an der Kundin, an ihren Bedürfnissen. Das hat dazu geführt, dass Lavera eine sehr „demokratisierte“ Marke ist, ohne Dogmen und Esoterik. Ein Duschgel muss ein Duschgel sein - und sich auch so anfühlen. Naturkosmetik soll kein Produkt für eine grüne Öko-Elite sein, jeder soll sie zu einem angemessenen Preis überall bekommen können. Bio und Naturkosmetik für alle!

Wie sind Sie als Chefin?

Eher der Typ große Schwester, mit der man Spaß haben haben. Bei bestimmten Themen kann ich aber auch autoritär sein.

Welche Lavera-Produkte benutzen Sie?

Alle (lacht). In meinem Badezimmer stehen zurzeit fast 100 Produkte. Ich bin gerade in einer Testphase, wir arbeiten an einer neuen „Illuminating-Day-Creme“ mit reflektierenden Pigmenten.

Was machen Sie mit Ihren Haaren?

Das Blond ist gefärbt, die Locken sind Natur. Aktuell nehme ich das Lavera-Apfelshampoo, als Spülung benutze ich eine Flasche Flensburger Pils. Die Kur lasse ich mir im Labor nach einer 20 Jahre alte Rezeptur anmischen, die wir gar nicht mehr im Programm haben. Die knete ich ins Haar, das sehr trocken ist. Zusammen mit dem Zuckergehalt und der damit verbundenen Klebrigkeit des Bieres ergibt sich ein optimaler Styling-Effekt für die Locken.

Lavera hat bei der Berliner Fashion Week einen Showfloor für ökologisch produzierte Mode. Ist Ihr Kleid auch Eco-Fashion!

Nein, Second-Hand! Es gibt so viele tolle Marken, man muss nicht immer alles neu kaufen. Second-Hand ist eine tolle Form von Nachhaltigkeit. Das lernt man, wenn man mit drei Schwestern aufwächst, die altersmäßig nah beieinander liegen und dauernd die Klamotten tauschen (lacht).


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