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Meine Stadt Hoffnung hinter Gittern: Häftling wird nicht mehr schikaniert
Hannover Meine Stadt Hoffnung hinter Gittern: Häftling wird nicht mehr schikaniert
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00:17 01.01.2018
HAUPTEINGANG:Die Justizvollzugsanstalt Hannover an der Schulenburger Landstraße. Quelle: Fotos: Behrens
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Hannover

„Noch nie ist ein Vize-Generalkonsul in der JVA gewesen. Ich bin überwältigt von der Hilfe und sehr dankbar“, sagt T. Der 40-Jährige sitzt an Tisch 10 des JVA-Besucherzentrums an der Schulenburger Landstraße. „Inzwischen hat das Konsulat mehrfach Kontakt mit der JVA und auch mit meiner Familie aufgenommen“, erzählt T. und nimmt einen Schluck Automatenkaffee aus einem kleinen geriffelten Plastikbecher.

In dem großen, hellerleuchteten Raum sind viele der quadratischen Tische besetzt. Hin und wieder übertönen Türsummer das Stimmengewirr, schwere Sicherheitstüren öffnen und schließen sich unüberhörbar. An der weißen Decke sind Kameras installiert. Ein uniformierter Justizwachtmeister hat die menschlichen Begegnungen an den kleinen Glastischen im Blick.

Auch mit seinen Anwälten habe das Konsulat gesprochen, so T. Nur Tage nach dem ersten Besuch des Vertreters von Generalkonsulin Banu Malaman, der auch mit JVA-Chef Matthias Bormann gesprochen habe, sei er in einen anderen Block verlegt worden. T.s Anwalt Marco Jutsch hatte das zuvor mehrfach vergeblich beantragt.

Seiner in Stuttgart lebenden Familie habe das Konsulat mitgeteilt, beim JVA-Leiter interveniert zu haben. „Wie kann es denn sein, dass ein Häftling, der mit Justizwachtmeistern große Probleme hatte, noch dort untergebracht ist, wo diese Beamten tätig sind? Genau das hat der Diplomat meiner Mutter am Telefon erklärt“, sagt der in Deutschland geborene T.

Eine andere mögliche Folge der diplomatischen Bemühungen: Kurz vor Weihnachten habe er überraschend erfahren, dass er nun doch an einer zunächst gestrichenen Qualifikation zum Schlosser teilnehmen dürfe. Beginn: 2. Januar.

Nach dem ersten NP-Bericht hätten die Schikanen aufgehört, denen er ausgesetzt gewesen sei. „Das Verhalten von einigen Beamten hat sich total geändert.“ Schikanen: Aus T.s Sicht sind das beispielsweise „Zellendurchsuchungen auf die brutalste Art. Ein Beamter, der mich angegriffen hatte, hat meine ganze Zelle auseinandergenommen. Das sah aus, als wenn eine Bombe eingeschlagen hätte. So etwas hatte ich in meinen fünf Jahren hier noch nicht erlebt.“

Verbotenerweise seien einige private Dinge von Landesbeamten entsorgt worden. Eine Liste dieser Gegenstände habe er einem Anwalt übergeben. Außerdem habe er weitere Anzeigen erstattet. Aber, betont T., „es ist doch kurios: Man kann sich nur bei der Behörde beschweren, deren Mitarbeiter einem das antun – und eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.“

Seiner Erfahrung nach würde sich etwa ein Drittel der Häftlinge hin und wieder beschweren. Ein weiteres Drittel würde zwar gern Kritik äußern, unterlasse es aber, um nicht aufzufallen.

Mit Blick auf die Justizwachtmeister betont der 40-Jährige: „Ein großer Teil der Beamten ist völlig okay. Es gibt viele freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter. Aber es gibt auch eine offen rassistische Clique.“

Als „brutale Schikane“ würden Häftlinge es etwa betrachten, wenn „nachts um zwei Uhr ganze Abteilungen gestürmt werden“. So geschehen laut T. vor zwei, drei Monaten in einer Nacht zum Donnerstag in der ersten Etage im B-Block. Dort gebe es 15 Zellen. „Die Gefangenen mussten sich auch nackt ausziehen – wegen einer Drogen- und Handykontrolle“, berichtet T. Eine Beamtin hätte einen sehr aggressiven Diensthund dabei gehabt, der „wie wild geknurrt und gebellt“ habe. Auch habe das Tier keinen Maulkorb getragen.

Der 40-Jährige sagt: „Dieser Hund könnte einem ein Bein abreißen.“ Zudem seien die Zellen dort fast nur von Moslems belegt. Für die würden Hunde als unrein gelten – wo sich eines der Tiere aufgehalten habe, sollte man erst nach einer gründlichen Reinigung wieder beten.

„Hier läuft vieles nicht so, wie es laufen sollte – es wird nicht objektiv, sondern nach Nasen-Faktor beurteilt“, behauptet der Gefangene, der in einer etwa acht Quadratmeter großen Einzelzelle untergebracht ist. Seitdem er drei Justizwachtmeister angezeigt habe, fühle er sich unsicher. Mit Blick auf das Thema Zellen-Stürmen sagt T.: „Ich habe jede Nacht Angst, dass sie kommen.“

Von Andreas Körlin

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