Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hinter den Kulissen des Meeres-Aquariums
Hannover Meine Stadt Hinter den Kulissen des Meeres-Aquariums
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 20.08.2017
FÜR JEDEN ETWAS: Oliver Schaper verteilt Futter in den Aquarien. Quelle: Christian Behrens
Hannover

 Die gewundenen Gänge sind dunkel, das meiste Licht dringt durch die Aquarien. Hinter leicht gebogenem Glas tummelt sich die Unterwasserwelt der Ozeane. Die unscheinbaren Türen daneben bemerkt man in dem diffusen Licht kaum. Sie führen hinter die Kulissen.

Wer zu Hause ein Aquarium besitzt, weiß, was man dafür braucht. Das ist auch im Sealife nicht anders. Nur größer. Über vielen Rohrstücken liegt eine dicke Salzkruste, mit Süßwasser können die Meeresbewohner nichts anfangen. „Da muss man sich regelmäßig drum kümmern“, erklärt Oliver Schaper, einer der fünf Biologen, die hier die artgerechte Haltung der Tiere garantieren. „Jeden Tag putzen wir auch die Scheiben.“ Schließlich sollen die Besucher etwas sehen können. Und die Bewohner des Sealifes haben einen recht schnellen Stoffwechsel, dessen Rückstände im Wasser sich an allen Flächen ablagern.

Jedes Aquarium verfügt über einen entsprechenden Wischer, an einem langen Stil. Spezialhandschuhe schützen die Mitarbeiter vor Nesselfäden und anderen Substanzen. Vorsichtig müssen sie auch sein, weil die empfindlichen Korallen leicht abbrechen können.

Beim Ozeanbecken mit der Meeresschildkröte und den Haien gibt es eine mechanische Putzvorrichtung. „Nicht wegen der Haie, die tun nichts“, so Schaper, „sondern weil wir sonst Taucher einsetzen müssten.“ Hinter dem Becken hängt zusätzlich ein Schlauchboot an der Wand. „Das brauchen wir, wenn wir einen der Scheinwerfer reparieren müssen“, erklärt der Biologe.

Nur bei starken Verkrustungen müssen tatsächlich Menschen in eines der Aquarien, gut geschützt natürlich. Denn Nesselfäden können schmerzen, und auch der Stich eines eigentlich harmlosen Rochen kann üble Entzündungen hervorrufen. In jedem der kleineren oder größeren Kabinette hinter den Aquarien hängt ein Schild: „Vorsicht Gifttiere!“ Das trifft zwar nicht überall zu, aber man weiß ja nie ...

In der Nähe des Mitarbeiterbereichs liegen das Labor sowie die Quarantäne-Station für Neuzugänge. Doch das Herz des Sealifes schlägt nebenan – in der Futterküche. Während im Labor die Qualität des Wassers jedes Aquariums einmal wöchentlich getestet wird, wird hier die tägliche Ernährung der unterschiedlichen Bewohner zusammengestellt.

Vier Gefrierschränke und ein Kühlschrank reihen sich hier aneinander. Das Gros des Futters wird tiefgekühlt angeliefert und gelagert. „Wir tauen es dann schonend im Kühlschrank auf“, erklärt die Meeresbiologin Heike Zinke. Portionsweise für die gesamte Anlage. Eine Tagesportion umfasst etwa acht bis neun Kilo Tiefkühlfisch für die öffentlichen Fütterungen. Die aber decken nur einen Teil des Nahrungsbedarfs ab. „Dazu kommt noch eine Futter-Box, mit der wir drei Runden pro Tag durch das ganze Sealife machen“, so Zinke weiter. Es gibt aber nicht nur Tiefkühlkost. In der Futterküche lagern auch Früchte und Gemüse, Paprika und Möhren für die Insekten und Reptilien, die ebenfalls im Sealife leben. „Und Bananen für die Schildkröten“, so Zinke. „Damit die mal ein kleines Leckerli bekommen, das aber in Maßen“, so die Meeresbiologin.

Auch Vitamine und Mineralstoffe werden verabreicht. Krokodile erhalten etwa zweimal die Woche Vitamine. Schildkröten brauchen täglich zehn Gramm Calcium für den Panzer. Tierärzte passen die Dosis kontinuierlich an.

 Nicht alle Bewohner des Sealife begnügen sich mit toter Nahrung. „Seepferdchen etwa sind Lauerjäger“, erklärt Schaper. „Die brauchen einen extra Anreiz.“ Weshalb sie mit Schwebegarnelen gefüttert werden. Für andere Arten werden Salzkrebse – die sogenannten Urzeitkrebse – in großen Planktonsäulen herangezüchtet. Dort werden die Eier ständig umspült, und nach zwei Tagen sind Millionen von Larven geschlüpft – kleiner als einen Millimeter – Futter für Quallen und Korallen.

Doch auch in den kleineren Aquarien gibt es Spannendes zu beobachten. Bei den Afrikanischen Schlammspringern muss Schaper das Futter an Land ablegen. „Die haben einen Wasservorrat im Maul und holen sich so das Futter ab“, erklärt er. „Man glaubt, dass sie zu den ersten Landgängern der Erdgeschichte gehören.“ Auch die Schützenfische tragen ihren Namen zu Recht. Für sie hängt der Biologe das Futter an eine Art Zielscheibe mehrere Zentimeter über der Wasseroberfläche. Die Fische spucken ihre „Beute“ an, bis sie ins Wasser fällt. „Das machen sie aber am liebsten, wenn keiner zusieht“, so Schaper. „Futterneid gibt’s halt auch im Tierreich.“

Von Andreas Krasselt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!