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VERURTEILT:

VERURTEILT: Valdemaras N. (rechts) und Artiomas B. (links).

Prozess

Hildesheim: Autodieb ritzt Pulsadern auf

Nach dem Urteil waren alle zufrieden. Das Gericht mit dem Geständnis, die Anwälte mit dem Urteil. Nur Autodieb Valdemaras N. (25) war wohl frustriert. Im Landgericht Hildesheim versuchte er sich, die Pulsadern aufzuschlitzen. Der Versuch misslang. Der Angeklagte konnte nach einer ambulanten Versorgung das Krankenhaus wieder verlassen. Und kehrte in seine Zelle nach Hannover zurück.

hannover.  Dramatische Szenen im Landgericht Hildesheim: Nach seiner Verurteilung wegen gewerbsmäßigen Autodiebstahls versuchte Valdemaras N. (25) sich im Gerichtssaal 149 die Pulsadern aufzuschlitzen. Ein Justizwachtmeister kippte angesichts des Blutschwalls in Ohnmacht. Anschließend verschluckte der Litauer den abgebrochene Stiel einer Plastikgabel. „Die Schnittwunde ist nicht lebensgefährlich“, so Gerichtssprecher Philipp Suden. Der Angeklagte habe das Schnittwerkzeug aus einem Lunch-Paket der JVA. Er habe die Spitze mittels eines Steins geschärft. Eine Magenspiegelung habe N. abgelehnt, er befinde sich jetzt wieder im Gefängnis.

Der Anwalt von N., Björn Nordmann, kann sich den Vorfall nicht erklären. „Wir waren alle geschockt. Es gab doch eine Verständigung über das Urteil.“ Warum der Angeklagte sich geschnitten hatte, sei unklar, sagt der Gerichtssprecher.

N. wurde am Dienstag wegen Autodiebstahls in vier Fällen zu drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Sein Komplize, Artiomas B. (25), kam mit drei Jahren und drei Monaten davon. Beide hatten gestanden, zwischen dem 16. Februar und 12. März 2017 in Lehrte, Hannover-Seelhorst, Rodenberg (Kreis Schaumburg) und Burgdorf Luxuslimousinen gestohlen zu haben. Der Schaden betrug 173 000 Euro. Das Geständnis war Voraussetzung für die Verständigung. Gericht, Staatsanwalt und Anwälte lobten das „angenehme Verhandlungsklima“.

Am 12. März waren die Angeklagten in eine Polizeikontrolle geraten. Seitdem sitzen sie in U-Haft. Mit einer raffinierten Methode waren sie in den Besitz von Mercedes und BMW gekommen. Die Wagen konnten ohne Zündschlüssel („Keyless Go-System“) gestartet werden. Rechtsanwalt Vyacheslav Varavin erklärt: „Einer der Täter stellte sich vor das Haus und fing das Funksignal des Autosschlüssels auf. Mit einem Funkwellenverlängerer leitete er das Signal weiter zum zweiten Mann.“ Der zweite Angeklagte habe mit einem Empfänger vor dem Auto gestanden.

Die Methode funktioniert nur, wenn Schlüssel und Auto nicht weiter als zehn Meter entfernt sind. Ohne Gewalt und Schlüssel waren die Wagen fahrbereit. „Allerdings durften die Angeklagten den Wagen nicht ausschalten, sonst hätten sie ihn nicht wieder starten können“, so Varavin. Die Litauer räumten ein, dass sie zehn Prozent des Wertes der Wagen als Lohn erhalten hätten. Den Funkwellenverlängerer haben sie für 11 000 Euro im Internet gekauft. Die Frage nach den Hintermännern blieb ungeklärt. Richterin Karin Brönstrup: „Juristen müssen damit leben, dass sie nicht alles aufklären können.“

Von Thomas nagel


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