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HIER WIRD GEHOLFEN: Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski (hinten) blickt den Müttern Roberta und Sonja, die ihren Sohn Jacob (14 Monate) auf dem Arm hat, im Familienhebammen-Zentrum über die Schultern.

HIER WIRD GEHOLFEN: Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski (hinten) blickt den Müttern Roberta und Sonja, die ihren Sohn Jacob (14 Monate) auf dem Arm hat, im Familienhebammen-Zentrum über die Schultern.
© Christian Behrens

Kinderschutz

„Hier werde ich als Mensch gesehen“

Seit vier Jahren gibt es das Familienhebammen-Zentrum (FHZ) in der City. Gegründet von der Stiftung „Eine Chance für Kinder“ und der Stadt Hannover. Längst hat es sich zu einer wichtigen Anlaufstelle für Schwangere, junge Mütter und Familien in schwierigen sozialen Lebenssituationen entwickelt.

Hannover. Täglich melden sich hier im Schnitt rund 20 Betroffene. Vielleicht gerade deshalb, weil die Angebote niedrigschwellig sind. Hebammen-Sprechstunde, Nähkurse, Rückbildungskurse oder einfach jemand, der zuhört oder erklärt. Hier braucht keiner einen Termin, jeder kann kommen. Und wer mal nicht kommt, hat sicher einen guten Grund. Dennoch ist das Zentrum an der Kurt-Schumacher-Straße bis heute die bundesweit einzige Einrichtung dieser Art. So­zialpädagogin Birgit Rückheim leitet gemeinsam mit Familienhebamme Brigitte Bolte die Einrichtung. Gestern informierte sich Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski vor Ort.

Sonja ist 21 Jahre alt. Vor 14 Monaten kam ihr Sohn Jacob zur Welt. Während die junge Frau spricht, sitzt der blonde Junge auf ihrem Schoß, trommelt mit den Fingern auf der Tischplatte und ruft immer wieder „Mama, Mama“. Ein glückliches Kind. Eine entspannte Mutter. Keine Selbstverständlichkeit, eher ein Wunder. Be­vor die 21-Jährige schwan­ger wurde, war sie in Therapie. Keine Ausnahme. „60 bis 70 Prozent der Frauen, die wir betreuen, haben eine Diagnose: Borderline, Depression oder Essstörung“, erklärt Bolte. Wer hier Hilfe sucht, „hat sein Päckchen zu tragen“. Rückheim ergänzt: „Das können Gewalterfahrungen, Drogenprobleme, Minderjährigkeit oder die Tatsache sein, dass diese Frauen alleinerziehend sind und niemanden, nicht mal eine Freundin haben, die sie unterstützen.“

Sonja kommt seit der achten Schwangerschaftswoche regelmäßig. Wäre sie ohne das Hilfsangebot heute auch eine so gute Mutter? „Nein“, antwortet sie prompt, „hier bekomme ich das, was ich brauche. Hier werde ich als Mensch gesehen und nicht dafür abgestempelt, dass ich so früh Mutter geworden bin.“ Rückheim formuliert es so: „Viele Frauen haben bei uns oft zum ersten Mal das Ge­fühl, dass sich wirklich je­mand für sie interessiert.“

Adolf Windorfer von „Eine Chance für Kinder“ hatte bereits im Jahr 2000 die Idee für Familienhebammen. „Das ist die beste Prävention, ein wichtiger Beitrag zum Kinderschutz. Wir schaffen es auf diesem Weg, die überforderten Frauen dabei zu unterstützen, gute Mütter zu sein“, so der Professor.

Von Britta Lüers


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