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Meine Stadt Helfer sammeln warme Kleidung
Hannover Meine Stadt Helfer sammeln warme Kleidung
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00:16 16.11.2013
SIE HELFEN MIT: Amoon Samad (24) und Hannah (8) laden Schlafsäcke, warme Jacken und Winterschuhe für Obdachlose an der Beratungsstelle des Diakonischen Werkes ab. Quelle: Kateryna Kostyrko
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Hannover

Unmengen von Säcken und Tüten, gefüllt mit Winterschuhen, Wolldecken und warmen Jacken, stapeln sich im Laderaum. Der Transport auf dem Hof der Zentralen Beratungsstelle hat wertvolle Fracht geladen: Sachen, die Obdachlose im Winter vor dem Erfrieren retten können.

Hannah (8) und Amoon Samad (24) sind bereits eifrig mit Ausladen beschäftigt. Gemeinsam mit ihren Mitschülern der Grundschule Mengendamm hat die Achtjährige Spenden für Wohnungslose gesammelt. Sie selbst hat eine Wollmütze aus ihrem Kleiderschrank abgegeben. „Die ist richtig schön warm“, sagt sie, „wer damit draußen schlafen muss, friert sicher nicht.“ Amoon Samad ist Student an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW), die mit der Aktion „FHDW hilft“ zwei Wochen warme Sachen für Obdachlose sammelte.

„Ein Engagement, das bitter nötig ist“, sagt Gottfried Schöne, Leiter der Diakonie-Beratungsstelle und zuständig für den Bereich Wohnungslosenhilfe. „Uns helfen allerdings nur die richtigen Sachen: warme Jacken, Winterschuhe, Mützen und Handschuhe“, betont Schöne. Auch Unterwäsche, besonders lange, sei oft nur unzureichend vorhanden. „Viele spenden so etwas nicht, weil sie es als unhygienisch erachten, die Wohnungslosen benötigen sie aber dringend“, erklärt er. Mittlerweile türmen sich die Bündel der mitgebrachten Spenden der Schüler und Studenten in der Kleiderkammer unter der Beratungsstelle in der Hagenstraße. „Das bleibt nicht lange liegen“, sagt Bettina Semmler, die für die Ausgabe der Klamotten zuständig ist. Nachdem die 51-Jährige die Sachen sortiert hat, bleibt ein Teil da, der Rest wird an weitere Anlaufstellen für Obdachlose im Diakonie-Netzwerk verteilt. Gottfried Schöne appelliert an die Bürger zu spenden: „Es ist jeden Winter knapp, genug haben wir nie.“

Wie viele Menschen in Hannover tatsächlich auf der Straße leben, ist schwer zu ermitteln. „Wir sehen nur jene, die in die Unterkünfte kommen“, so Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Beim Diakonischen Werk schätzt man die Zahl auf rund 3000 Menschen. „Etwa 300 davon haben kein Dach über dem Kopf“, sagt Diakonie-Vorstand Rainer Müller-Brandes, „im Winter verschärft sich die Situation für diese Menschen natürlich.“ 150 bis 200 Schlafsäcke verteilt das Team der Diakonie-Wohnungslosenhilfe jeden Winter. „Die sind lebensnotwendig“, so Schöne. Unterstützt von der Stadt Hannover, führt die Diakonie-Beratungsstelle dieses Jahr zusammen mit der Selbsthilfe für Wohnungslose sowie der Johanniter-Unfallhilfe das Winternotprogramm durch, das 2007 in der Landeshauptstadt eingeführt wurde. „Vier Sozialarbeiter suchen Obdachlose auf, die wir über unsere Anlaufstellen nicht erreichen, und versorgen sie auf der Straße mit Kleidung, Essen und Zuwendung“, so Schöne.

Der Leiter der Diakonie-Beratungsstelle betont außerdem die Rolle der Bürger: „Wir brauchen keine Denunzianten, sonder achtsame Menschen, die handeln, wenn sie hilfebedürftige Obdachlose antreffen.“ Wie man Wohnungslosen richtig hilft, erklärt die Winternothilfe auf einem Flyer, der in öffentlichen Stellen wie Bibliotheken ausgelegt wird. Die Experten der Obdachlosenhilfe sind zudem telefonisch unter 0511/ 990 40 15 erreichbar.

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