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Meine Stadt Heiße Debatte in Hannover: Macht Religion gewalttätig?
Hannover Meine Stadt Heiße Debatte in Hannover: Macht Religion gewalttätig?
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22:04 07.10.2010
Heiße Islam-Diskussion: Donnerstagabend in der Marktkirche in Hannover Quelle: Wilde
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Gar nicht anfreunden konnte sich Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, mit dem hannoverschen Kriminologen Christian Pfeiffer. Dessen Kriminologisches Forschungsinstitut hatte nämlich einen Zusammenhang zwischen starker Religiösität junger Muslime und einem Hang zur Gewalt festgestellt. Und das schmeckte Mazyek eben nicht – was er auch etwas lauter betonte.

Je religiöser, desto gewalttätiger – diese These wollte Pfeiffer auch nicht stehen lassen. „Je religiöser, desto machohafter, desto mehr harte Computerspiele spielend, desto gewalttätiger“ – so geht seine Rechnung auf. Außerdem stellte er einen empirischen Zusammenhang zwischen gewalttätiger Erziehung und fundamentalistischer Glaubensrichtung fest – und zwar bei den christlichen Evangelikalen.

Was Muslim-Vertreter Mazyek dennoch nicht beruhigen konnte. Ihm fehlte der Beweis für Pfeiffers Erhebungen, und er stellte seinerseits die These auf, dass es „eine Lust“ in Deutschland gäbe, Verhalten, das soziale, wirtschaftliche Ursachen habe, einer Religion zuzuschreiben. „Es ist populär, auf den Islam draufzuhauen“, meinte er. Und sprach von einer Hoheit über den Stammtischen.

Bis Mit-Diskutanten wie CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach dann auch der Geduldsfaden riss. „Es hat keinen Zweck, wissenschaftliche Erhebungen in Zweifel zu ziehen, man muss sich damit auseinandersetzen“, betonte er und verurteilte seinerseits die „Generalverdachtsnummer“ als Totschlagargument. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sah sich genötigt klarzustellen, „keine Lust zu haben, solche Zusammenhänge zu sehen, sondern diese Zusammenhänge mit Bedauern“ wahrzunehmen.

Fast alle Teilnehmer lobten übrigens die Rede von Bundespräsident Christian Wulff, der festgestellt hatte, dass der Islam zu Deutschland gehöre. Nur Parteifreund Bosbach hatte damit Probleme. „Welchen Islam meinte er denn?“, fragte der Christdemokrat und verwies auf den Irak, in dem die Scharia maßgeblich über allen Gesetzen stünde.

Konsens gab es in der Marktkirche darüber, dass die Imame eine große Rolle bei der Reli­gionsvermittlung spielten. „Eine große Mehrheit von ihnen ist nicht bei uns verwurzelt, spricht nicht unsere Sprache und predigt die Dominanz des Mannes“, berichtete Pfeiffer. Mazyek machte darauf aufmerksam, dass die muslimischen Vertreter in Deutschland schon seit langem forderten, dass die Ausbildung der Imame in Deutschland geschehen sollte. „Aber ohne ständig den Zeigefinger zu erheben. Man spricht immer von Fordern und Fördern, aber wo findet die Förderung statt?“, fragte er.

Die Bereitschaft in Deutschland, Einrichtungen für islamische Lehrstühle zu schaffen, sei erst langsam gewachsen, gab EKD-Mann Schneider zu: „Lange Zeit hat man sich hier der Realität verweigert, von Gastarbeitern gesprochen, die wieder gehen. Beide Seiten haben lernen müssen, dass dies eine Fehleinschätzung war.“

Aber der gute Wille ist ja nun da.

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