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Meine Stadt Hat Arzt im Notdienst eine Frau sexuell missbraucht?
Hannover Meine Stadt Hat Arzt im Notdienst eine Frau sexuell missbraucht?
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00:17 04.02.2018
Ein Arzt soll eine Patientin unsittlich berührt haben. Quelle: dpa
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Hannover

Die Eintragungen in den Medizinportalen sind recht eindeutig: Da ist die Rede von „Arroganz, Unfähigkeit, Desinteresse“. Doch der Vorwurf, der jetzt gegen den 61-jährigen Arzt im Raum steht, ist viel schlimmer. Er soll während einer Untersuchung eine Patientin mit den Fingern penetriert haben. Anschließend habe er laut Anklage gesagt: Das riecht gut. Kurze Zeit später habe sich das Ganze noch mal wiederholt.

Der „sexuelle Missbrauch unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses“ soll sich am 21. September 2016 ereignet haben. Die Nebenklägerin litt unter einer Blasenentzündung. Sie wandte sich an den ambulanten Notdienst eines Krankenhauses. Dort traf sie auf den Arzt.

Wahrheit oder üble Nachrede?

Wahrheit oder üble Nachrede? Amtsrichter Michael Stüber hat den Prozess am Donnerstag erst einmal platzen lassen. Nach einem so genannten Rechtsgespräch war die Verhandlung beendet. Der Angeklagte war gar nicht erst erschienen.

Rechtsanwalt Matthias Kracke hatte die Unterredung angeregt. Er wollte eine Einstellung des Verfahrens erreichen. Doch es kam anders. Richter Stüber: „Die Beteiligten haben jetzt zwei Wochen Zeit, zu Änderungen des rechtlichen Gesichtspunktes Stellung zu nehmen.“

Gerichtssprecher Koray Freudenberg erklärte: „Es geht darum, ob auch andere Tatbestände des Sexualstrafrechts erfüllt sein könnten.“ In diesem Zusammenhang müsse geprüft werden, ob der Fall an das Schöffengericht verwiesen werden müsse. Soll heißen: Das Gericht hält es für möglich, dass auch eine sexuelle Nötigung in Betracht kommt. Die Mindeststrafe liegt bei einem Jahr Haft. Das wäre ein Verbrechenstatbestand und gehörte somit vor ein Schöffengericht. Der jetzige Vorwurf hat einen Strafrahmen von drei Monaten bis fünf Jahre Haft.

Für den Arzt geht es im Falle einer Verurteilung darum, ob er noch seinen Beruf ausüben darf. Die Niedersächsische Approbationsordnung ist hinsichtlich eines Berufsverbots eher schwammig. Sollte jemand „unzuverlässig“ oder „unwürdig“ sein, den Arztberuf auszuüben, könne er seine Zulassung verlieren, heißt es.

Thomas Nagel

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