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Meine Stadt Hat 41-Jähriger seine Frau vergewaltigt?
Hannover Meine Stadt Hat 41-Jähriger seine Frau vergewaltigt?
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00:21 03.03.2018
Symbolfoto aus einem Gerichtssaal.  Quelle: dpa
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 Das Interessanteste an Menschen ist das, was man nicht sieht, es sind ihre Beziehungen, hat der französische Philosoph Pierre Bourdieu gesagt. Für Wladimir V. (41) und seine Frau Olga (Name geändert) gilt das im Besonderen. Rund 15 Jahre waren sie ein Paar. Die Beziehung soll laut Anklage von Anfang an schlecht gewesen sein: Streit, Stress, Schläge. Warum sie denn bei ihm geblieben sei?, wollte Richterin Renata Bürgel wissen. Olga kann es nicht sagen.

Wladimir V. (41) steht vor der Dritten Großen Strafkammer, weil er über Jahre seine Frau schlimm verprügelt und im August und September 2017 drei Mal vergewaltigt haben soll. Zwei Mal landete die Frau im Vinzenzkrankenhaus. Im März 2014 musste sie wegen Rippenbrüchen behandelt werden. Aus Angst vor ihrem gewalttätigen Mann habe sie die Vergewaltigung ohne Gegenwehr in einer Kleingartenkolonie in Kleefeld über sich ergehen lassen, heißt es in der Anklage. „Ich ekle mich vor Dir“, habe sie nur gesagt. Wann genau die Vergewaltigungen geschehen sein sollen, ist unklar.

Zum Prozessauftakt erklärte Anwalt Harald Schremmer: „Mein Mandant bestreitet die Vorwürfe.“ Er lässt aber durchblicken, dass zu einem späteren Zeitpunkt eine Aussagte erfolgen könnte. Nach NP-Informationen führte das Ehepaar eine nicht ganz alltägliche Beziehung. Sie kehrte immer wieder zu ihm in die Kleingartenkolonie zurück. Beim Sex soll sie schon mal darauf bestanden haben, dass er sie mit einem Gürtel schlägt. Olga soll auch zugestimmt haben, dass der gemeinsame Sohn (10) beim Vater leben darf.

Vor etwa 25 Jahren kam Wladimir V. aus Kasachstan nach Deutschland. Er schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. „Aber immer gekündigt“, radebrecht er. Es bleibt offen, ob er gekündigt hat oder immer vor die Tür gesetzt wurde. Wladimir V. erzählt das regungslos. Seine Biografie scheint ihm nichts zu bedeuten. Umso überraschender ist dann seine Reaktion, als er auf das Jahr 2001 zu sprechen kommt. „Dann kam Olga zum Besuch ihrer Tante nach Deutschland.“ Mit dürren Worten deutet er an, dass seine Mutter bei der Beziehungsanbahnung zwischen ihm und Olga eine Rolle gespielt habe. Nach dem Wort „Mutter“ stockt der Angeklagte, ihm kommen die Tränen. Er will nicht mehr über Privates sprechen.

Der Prozess könnte platzen. Die Kammer benötigt einen psychiatrischen Gutachter. Vor seiner Inhaftierung soll Wladimir V. eine Kiste Bier am Tag getrunken haben. War er zur Tatzeit voll schuldfähig?

Von thomas nagel

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