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Kirche

Nach NP-Anfrage: Nazi-Glocken läuten nicht mehr

In der hannoverschen Landeskirche gibt es eine neue Diskussion über den Um­gang mit der Nazizeit. Anlass ist eine Anfrage der NP zu Glocken mit NS-Symbolen.

Hannover. Die Landeskirche hat deshalb alle 1262 Kirchengemeinden abgefragt, in zweien gibt es Glocken mit Hakenkreuzen. Die Gemeinden in Faßberg (Kreis Celle) und Balge (Kreis Nienburg) wollen sie bis auf weiteres nicht mehr läuten, so die Landeskirche.

Was genau mit den Instrumenten geschieht, müsse noch diskutiert werden, sagte der Vizepräsident des Landeskirchenamtes, Arend de Vries, der NP. Die Glocken seien „nicht nur historische Relikte, sondern Teil des aktuellen liturgischen Handelns der Kirchengemeinde“. De Vries: „Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass wir nach der geschichtlichen Aufarbeitung mit diesen Glocken weiter zu Gottesdiensten oder zum Beispiel zu Friedensgebeten einladen.“

Die Glocke der Kreuzkirche in Schweringen trägt ein 35 mal 35 Zentimeter großes Hakenkreuz, dazu diese In­schrift: „Aus Not und aus Nacht ist Deutschland erwacht. Dies Kreuz gab Gelingen, half Zwietracht bezwingen. Dank sei Dir Gott.“ Mit „Dies Kreuz“ ist das Hakenkreuz ge­meint.

Bislang sei die In­schrift der Glocke in der Gemeinde kein Thema gewesen, erklärt der Kirchenvorstand gegenüber der NP: „Wir bedauern, dass es bisher keine intensiven Diskussionen gab, ob eine Glocke mit einem eindeutig nationalsozialistischen Symbol und einer nationalsozialistischen Aufschrift in unserer Kirche hängen bleiben und geläutet werden kann.“

Der Vorstand distanziere sich einmütig von der Aussage. Es sei nötig, die Geschichte der Glocke zu klären. Mann müsse fragen, warum eine protestantische Gemeinde ein nationalsozialistisches Symbol in ihrer Kirche aufgehängt hat, statt sich von dieser Weltanschauung zu distanzieren. Und weiter: „Was mit der Glocke geschehen soll, werden wir zusammen mit Experten beraten.“

In Faßberg sitzt auf der Glocke der Michaelkirche ein etwa zwei mal zwei Zentimeter großes Hakenkreuz samt Adler der Luftwaffe – denn die Kirche wurde im Jahr 1938 extra für den benachbarten neuen Fliegerhorst gebaut.

Schon seit rund zehn Jahren gebe es eine Broschüre, in der die Kirche und die Glocke thematisiert werden, sagt Pastor Rudolf Blümcke. Auch in der Faßberger Kirche hatte es ein Hakenkreuz gegeben, es wurde 1945 abgeschlagen. Schulklassen hätten sich bereits mit der Geschichte der Kirche und der Glocke beschäftigt.

Derzeit sei sie stillgelegt, weil die Aufhängung erneuert werde. Blümcke: „Der Kirchenvorstand sieht das als Anlass, die Glocke schweigen zu lassen und nun Zeit zu haben, die Situation zu beraten und sich unserer Geschichte noch einmal neu zu stellen.“

Dirk Altwig


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