Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannovers größte 
Familienbande vor Gericht
Hannover Meine Stadt Hannovers größte 
Familienbande vor Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 16.02.2016
Der Saal ist voll: Drei Angeklagte sitzen in einem abgetrennten Bereich (Foto), drei weitere dürfen weiter vorn an einem Tisch Platz nehmen (oben). Fotos: Heusel
Anzeige
Hannover

Sie sind zwischen 19 und 33 Jahren alt – und sie sollen zu einer Bande betrügerischer Autoschieber gehören. Gegen 52 (!) weitere Beschuldigte laufen noch Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft. „Sie stehen in einer sehr engen persönlichen Beziehung zu den sechs Angeklagten“, sagte eine Sprecherin.

9.02 Uhr: Der große Saal im ersten Obergeschoss ist beinahe voll besetzt. Im Zuschauerraum warten rund 35 Familienangehörige, darunter mehrere weinende Frauen, ein gutes Dutzend Kinder und ebenfalls weinende Männer. Nur der Angeklagte Elvis B. (22) fehlt. Er verspätet sich unentschuldigt um eine Stunde. Alle im Saal müssen warten. Richter Stefan Lücke ist sauer: „Nochmal werden wir eine solche Verspätung nicht hinnehmen.“

10.12 Uhr: Gerade haben die beiden Staatsanwälte begonnen, die seitenlange Anklageschrift vorzulesen, da klingelt im Saal bereits das erste Handy. „Ausmachen!“ Lücke droht mit Ordnungsgeldern. 94 Minuten später sind die Staatsanwälte endlich mit dem Vorlesen fertig.

Was wird den sechs Männern vorgeworfen? Der „normale“ Gebrauchtwagenhändler verdient zwischen zehn und zwanzig Prozent beim Verkauf eines Autos. Die sechsköpfige Bande soll versucht haben, ihren Gewinn auf knackige 100 Prozent zu steigern.

 Wie haben sie das geschafft? Sedat J. (25) und Bastian J. (23) sollen im Wechsel Internetseiten durchsucht haben, um zum Verkauf stehende (Luxus-)Autos zu finden. Sie kontaktierten die Besitzer und handelten telefonisch einen Kaufpreis aus. Dann schickten sie mutmaßlich Strohmänner los (darunter die vier anderen Angeklagten), um die Autos abzuholen. Nach einer kurzen Probefahrt ließen diese die Autobesitzer einen gefälschten Kaufvertrag unterschreiben. Per Mail gingen dann sofort eine Kopie eines gefälschten Personalausweises und ein ebenso gefälschter Überweisungsbeleg an die Opfer. So wurden 28 Autos erbeutet, 13-mal blieb es beim Versuch (die Käufer waren misstrauisch geworden): Geld wurde in keinem Fall bezahlt.

Was wurde aus den Autos? Die Strohmänner wurden, so die Anklage, von Sedat und Bastian S. bezahlt, sie bekamen zwischen 100 und 500 Euro. Die Fahrzeuge wurden zum Teil unter Wert weiterverkauft und sind bis auf einige Ausnahmen bis heute verschwunden.

Was droht den Angeklagten? Sie sollen wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs, wegen Urkundenfälschung und in zwei Fällen wegen Hehlerei verurteilt werden. Für den Betrug allein gilt bereits ein Strafmaß zwischen einem und zehn Jahren Haft. Es wurden 19 Verhandlungstage angesetzt.

Tobias Welz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige