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LINDEN

Hannovers Top-Designer von Ding 3000

Sie haben viele innovative Ideen: Sven Rudolph (37), Carsten Schelling (38) und Ralf Webermann (43) vom Produktdesignstudio Ding 3000 entwickeln neue Produkte, mit denen sie erfolgreich den Alltag verbessern.

Hannover. Was würde Ihnen eine Trinkflasche schreiben wollen, wenn Sie denn eine SMS verschicken könnte? „Ich bin dreckig, bitte mach mich sauber“, sagt Sven Rudolph (37) und schmunzelt. Rudolph, Carsten Schelling (38) und Ralf Webermann (43) haben vor zehn Jahren das Produktdesignstudio Ding 3000 in Linden gegründet. Sie haben es sich zur Hauptaufgabe gemacht, gute Alltagsgegenstände besser zu machen – und sind damit weltweit sehr erfolgreich.

Wenn eine Trinkflasche Sie eigenständig daran erinnern könnte, dass sie vor dem nächsten Einsatz noch gereinigt werden muss, dann wäre das doch eine klare Verbesserung, oder? Zugegeben, eine solche Flasche haben die drei jungen Männer (noch) nicht entwickelt, aber ihre bereits verwirklichten Ideen sind mindestens genauso genial. Ihr nagelfreundlicher Schlüsselanhänger hat sich zum Beispiel schon mehr als eine halbe Million Mal verkauft. „Er ist unser Bestseller“, sagt Schelling. Was macht den so besonders? „Er hat einen speziellen Schließmechanismus.“ Dieser macht es möglich, die einzelnen Schlüsselringe ohne die Gefahr eines Fingernagelabbruchs vom Hauptring zu lösen. Klingt einfach? Ist es eigentlich auch.

„Wir bringen im Jahr ungefähr zehn neue Produkte auf den Markt, entwickeln jedoch etwa hundertmal mehr Ideen im selben Zeitraum“, berichtet Webermann. Das ist so, weil sich nicht jede gute Idee auch verwirklichen lässt. In ihrem Büro an der Straße Ratswiese (Linden) stehen haufenweise dicke Aktenordner mit zigtausenden Skizzen zu tausenden Ideen; produziert haben die Designer davon aber lediglich rund einhundert. Ein weiteres Beispiel: die bunten Schneebesen, die sich zu einem schmalen Stab zusammenschieben lassen und so besser in die Schublade passen. Oder: die Nussflitsche „Charles“, mit der man ganz sauber und schnell Hülsenfrüchte entkernt.

Solch gute Ideen sind aber manchmal rar: „Da sind sicher auch einige Schnapsideen drunter“, gesteht Rudolph. Aber: Auch noch so kuriose Einfälle werden notiert und bebildert: „Irgendwann bringen einen auch die dümmsten Ideen nochmal voran.“

Der Prozess der Ideenfindung ist daher nur bedingt beschreibbar: „Manchmal kommen einem die tollsten Ideen unter der Dusche“, sagt Webermann und lacht, „ja, wirklich. Und manchmal kommen sie im Schlaf.“ Deswegen empfiehlt er, stets einen Stift und ein Blatt Papier neben dem Bett bereitzulegen. Feste Verabredungen zum gemeinsamen Brainstormen treffen die drei Designer trotzdem – und dann gilt es, gleichzeitig gezielt und entspannt über neue Produkte nachzudenken. „Wenn man sich zu sehr verkrampft, wird das meist nichts“, meint Webermann.

Den Standort Hannover müssen sie vor neuen Kunden und anderen Designern regelmäßig verteidigen. Die niedersächsische Landeshauptstadt gilt nicht wirklich als Designhochburg: „Manchmal wäre es sicher hilfreich, wenn wir New York, Berlin oder München als Firmensitz angeben würden“, gesteht Schelling.

Aber das Trio steht zu seiner Heimat: „Wir wollen hierbleiben. Die Stadt ist einfach nur toll“, so Schelling weiter. Die Anbindung sei nicht zuletzt wegen des Flughafens erstklassig, und die Mietpreise und Lebenshaltungskosten seien verhältnismäßig gering. „Eigentlich ist es ja egal, wo man als Designer seinen Hauptsitz hat. Hauptsache, man fühlt sich wohl“, findet Rudolph. Und das, da stimmen ihm seine beiden Partner zu, ist in Hannover definitiv der Fall.

INFO DING 3000: Ding 3000 ist das Studio der Designer Carsten Schelling, Sven Rudolph und Ralf Webermann. Nach ihrem gemeinsamem Studium in Hannover gründeten sie das Kleinunternehmen 2005 in Linden. Das Team entwirft Konsumgüter wie Möbel, Leuchten und Wohnaccessoires. Zurzeit beschäftigt das hannoversche Trio derzeit drei weitere Mitarbeiter. Seit seiner Gründung hat das Designbüro Ding 3000 bereits 31 Preise gewonnen, darunter auch mehrmals den namhaften IF Concept Award, den IF Red Dot Award und den Design Plus Award. Hinzu kommen Nominierungen zum Designpreis und zum Designpreis für herausragende Nachwuchsdesigner der Bundesrepublik Deutschland.

Für BASF, den weltweit größten Chemiekonzern, hat Ding 3000 ein E-Veloziped aus High-Tech-Kunststoffen entworfen. Das ist ein Fahrrad mit Elektromotor, das optisch an die ersten Laufmaschinen aus der Gründerzeit um 1865 erinnert. tow

von Tobias Welz


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