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Meine Stadt Hannovers Schandflecke: Dreck und Gestank in der City
Hannover Meine Stadt Hannovers Schandflecke: Dreck und Gestank in der City
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22:07 30.08.2018
Hannover

Am Steintor treffen sich Drogenkonsumenten. Auf einer Sitzbank an der Georgstraße schläft am Nachmittag ein Obdachloser. Gleiches Bild wenige Meter weiter: An der Kurt-Schumacher-Straße liegt ein Wohnungsloser vor einem  geschlossenen Schuhgeschäft. An der Oper haben Obdachlose aus Osteuropa ihr Lager aufgeschlagen und verrichten ihre Notdurft zwischen Hecken und Büschen.   Am Raschplatz lagert die Wohnungslosen-, Trinker- und Drogenszene rund um die Uhr, die verdreckte Wasserlandschaft am Andreas-Hermes-Platz ist ebenfalls fest in der Hand der Problem-Klientel – auch dort ist ungeniertes Urinieren am Zaun der Hotel-Baustelle an der Tagesordnung.

Szenen, die in Hannover Alltag sind. Längst be­schränkt sich die Verwahrlosung der City nicht mehr auf einzelne Brennpunkte. Sie ist ein fast flächendeckendes Problem geworden. Seit Mittwoch gibt es das schwarz auf weiß: Laut der Bürgerbefragung „Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum“ sind es genau diese Plätze, die die Menschen in dieser Zeit meiden, weil sie sich dort nicht sicher fühlen (NP be­richtete).

Eine zunehmende Verwahrlosung der Innenstadt nimmt André Krüger seit Jahren wahr. Der 58-Jährige hatte kürzlich die Zustände an der Oper öffentlich gemacht, nachdem Osteuropäer sich dort niedergelassen hatten. Täglich musste Krüger den Gestank von Exkrementen in den Rabatten riechen – eine typische  Begleiterscheinungen des Wohnens im öffentlichen Raum. Das Treiben an der Staatsoper, deren Träger das Land ist, blieb auch dem zuständigen Minister, Björn Thümler, nicht verborgen. „Mir ist es wichtig, dass viele Menschen die vielfältigen kulturellen Angebote nutzen. Ein ansprechendes Umfeld der Einrichtungen ist da ohne Frage hilfreich“, sagt er.

Die Stadt will die Lage in der City mit einem Sicherheitskonzept, mit dem Oberbürgermeister Stefan Schostok 2017 an den Start gegangen war, und mit mehr Kräften im Ordnungsdienst in den Griff bekommen. Letzteres ist nach dem Ergebnis der Bürgerbefragung nötig: Nur rund 28 Prozent der Hannoveraner halten die Präsenz städtischer Mitarbeiter in der City für gut oder sehr gut, etwa 41 Prozent sagen, sie ist es teils, teils, knapp 31 Prozent stufen sie als schlecht oder sehr schlecht ein.

In der Landeshauptstadt leben immer mehr auswärtige Wohnungslose.  „Nach den Beobachtungen der städtischen Sozialarbeiter halten sich in der Innenstadt mehr offensichtlich hilfsbedürftige Menschen, besonders Frauen und obdachlose Menschen aus dem osteuropäischen Raum, auf“, so Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. Konkrete Zahlen gebe es aber nicht.

Geschäftsleute und Gas­tronomen klagen über Pene­tranz und Aggressivität der Problem-Klientel. Maurizio Manoli, Chef des Restaurants „Amici Miei“ an der Lister Meile: „Obdachlose belästigen meine Gäste und betteln sie nach Geld oder Zigaretten an – oft mit halb heruntergelassener Hose.“

Martin Prenzler von der City-Gemeinschaft ärgert, dass Wohnungslose,  Trinker und Junkies zunehmend öffentliche Orte einnehmen:  „Das geht so weit, dass diese Plätze durch andere Personen nicht mehr genutzt werden können.“
 Die Stadt schickt ihren Ordnungsdienst. „Die Maßnahmen zielen darauf ab, Störungen durch Lärm und Müll zu verringern und das Sicherheitsgefühl durch die Präsenz von Ordnungskräften zu verbessern“, so Kalmus. „Sauberkeit und adä­quates soziales Verhalten sind sehr wichtig“, sagt Dirk Toepffer vom CDU-Kreisverband Hannover-Stadt. Mangelt es daran, „produziert das Unsicherheit“.

Zunehmend als Problem wird von vielen Hannoveranern empfunden, dass die Problem-Klientel ihre Notdurft nahezu überall verrichtet: Anwohner finden Exkremente in Hauseingängen,  Auffahrten und vor Garagen, in Büschen wird ungeniert uriniert. Auch an Gebäudewänden. Besonders betroffen ist die Staatsanwaltschaft. Unterhalb der Arkade der Anklagebehörde am Volgersweg hat sich eine Art öffentliche Bedürfnisanstalt entwickelt. „Der Gestank war für die Bediensteten und Besucher nicht mehr zu ertragen. Das war eine Belästigung ersten Grades“, berichtet Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. In Absprache mit dem Landgericht wurde jetzt ein externes Reinigungsunternehmen beauftragt, das die Fassade professionell gereinigt hat. Wie lange die Sauberkeit  an­hält, bleibe abzuwarten, meint Klinge.

Britta Mahrholz und Janik Marx

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