Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt SPD will Verkehrswende, die Spaß macht
Hannover Meine Stadt SPD will Verkehrswende, die Spaß macht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:15 06.12.2018
Zu eng: Der Radweg an der Königstraße. Intelligente Stadtplanung soll das künftig vermeiden. Die SPD will eine Verkehrswende, die auch Spaß macht. Quelle: Behrens
Hannover

Wer aufmerksam die Diskussionen der vergangenen Monate verfolgte, durfte ernsthaft Zweifel daran bekommen, wie mit der SPD in Hannover die so dringend geforderte Verkehrswende gelingen soll. Zerstritten und ohne Plan trat sie in dieser Frage auf. Doch es gibt Hoffnung.

Einen konkreten Plan hat die SPD zwar auch jetzt noch nicht. Aber sie hat sich auf die Suche danach begeben. Am Mittwoch diskutierte sie offen mit Mitgliedern und weiteren Interessierten im vollen Freizeitheim Lister Turm, wie die Mobilität der Zukunft gestaltet werden soll. Im Frühjahr soll darüber auf einem Parteitag abgestimmt werden.

Der SPD-Unterbezirkschef und Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch forderte seine Partei auf, entschlossen dem Klimawandel entgegen zu treten. Die Zeiten seien vorbei, „in denen schwarze Buchstaben auf Papier reichen“.

Ulf-Birger Franz, Verkehrsdezernent der Region, nutzte die Veranstaltung, um erneut für „mehr Mut“ in Sachen Verkehrswende zu werben. Diese sei nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern „auch der Lebensqualität“. Franz ist davon überzeugt, dass die SPD „mittelfristig massiv profitieren“ werde, wenn sie in dieser Frage Rückgrat zeige. Sie solle sich „nicht beirren lassen“ – auch, wenn es mal Kritik hagele.

Lars Kelich, Verkehrsexperte der SPD in Hannovers Rat, warnte jedoch davor, die „schweigende Mehrheit“ aus dem Auge zu verlieren. Der Großteil der Bürger könne mit der Verkehrswende „nichts anfangen“. Es komme darauf an, auch diese zu überzeugen. Für Kelich etwas, das „nicht über Nacht“ geht, sondern wohl Jahrzehnte braucht.

Man wolle aber nicht in Jahrzehnten denken, erklärte Thomas Bechinie, Vize-Fraktionschef der SPD im Bezirksrat Vahrenwald-List. Ziel sei, Hannovers erster „fahrradfreundlicher Stadtbezirk“ zu werden. Mit echten Fahrradstraßen – und nicht so, wie die Stadt diese derzeit plane. „Wir haben den Mut, aber wir brauchen euer Geld“, sagte Bechinie in Richtung Kelich, dessen Ratsfraktion über die Finanzmittel abstimmen müsste.

Helmut Holzapfel, Leiter des Zentrums für Mobilitätskultur in Kassel, selbst SPD-Mitglied und an dem Abend als Experte eingeladen, ist davon überzeugt, dass sich „ohne weiteres“ schon jetzt eine Mehrheit für eine autofreie Innenstadt finden ließe. Gerade die junge Generation lege oft wenig Wert auf ein eigenes Auto. Dass es trotzdem mit der Verkehrswende nicht vorangeht, liegt aus seiner Sicht daran, „dass wir uns wieder kaputt machen, was wir erreichen“.

Quelle: dpa

Zwar sei es der Industrie gelungen, den Verbrauch pro PS deutlich zu senken. Das allerdings nütze wenig, wenn immer mehr SUVs mit 500 PS unterwegs seien. Für Holzapfel ist die „Aufrüstung des Verkehrs eine Dummheit. Das schreit nach staatlicher Steuerung“. Das sah auch Miersch so. Er plädierte dafür, „auch mal deutlich Rahmen zu setzen, wenn etwas nicht geht“. Holzapfel findet, dass Menschen durchaus SUV fahren dürften: „Aber dann müssen sie dafür bezahlen“. Schließlich verursache ein doppelt so schweres Auto „36-mal so viel Schaden an einer Straße“.

Und junge Menschen forderte er auf, ihre Familien darauf hinzuweisen, dass sie „auf ihre Kosten“ handelten. Beliebt seien SUVs vor allem bei Alten. Bei Daimler liege das Durchschnittsalter der Käufer bei 68 Jahren.

Allerdings, auch das machte der Experte deutlich, komme es gar nicht so sehr auf die Technik an. Entscheidend sei, dass es weniger Automobile gebe und kürzere Strecken gefahren würden. Erreichen lasse sich das durch intelligente Stadtplanung, die zum Beispiel mehr gemischte Quartiere möglich macht, in denen sowohl Wohnen als auch Arbeiten möglich sind. Er forderte die SPD auf, „Vorbilder zu schaffen, die in der Welt kopiert werden“. Fest steht für Holzapfel aber auch: „Die Verkehrswende muss Spaß machen“. Sonst ließe sich die Bevölkerung kaum dafür begeistern.

Die Ideen der SPD für die Mobilität der Zukunft

Besserer Nahverkehr. Mehr Fuß- und Radverkehr. „Das Auto wird an Bedeutung verlieren“ – so fasste Adis Ahmetovic, der zusammen mit Thordies Hanisch die Projektgruppe „Mobilität“ der Regions-SPD leitet, die Stimmung der Diskussion im Freizeitheim Lister Turm zusammen. Und auch Lars Kelich, Verkehrsexperte der SPD in Hannovers Rat, stellte klar: „Wir müssen den Straßenraum neu denken.“ Doch was genau soll passieren?

Konkrete Vorschläge gibt es schon. Die SPD-Projektgruppe hat sie in einem Positionspapier zusammengefasst. Zum einen will sie Mobilitätsstationen schaffen, an denen die Fahrgäste zum Beispiel von der Bahn auf Carsharing oder Leihräder umsteigen können. Ohnehin sollen möglichst viele Bürger dazu animiert werden, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Die Vision der SPD: In 30 Jahren „wird im Innenstadtbereich ein Großteil des Individualverkehrs über Sharing-Angebote abgewickelt“.

Im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) setzt die Partei auf den „Ausbau von Strecken und Takten“. Moderne Fahrzeuge sollen nicht nur WLAN, sondern auch Ladevorrichtungen für Handys anbieten. Außerdem schlägt die SPD „die Schaffung direkter Verbindungen zwischen den Stadtteilen“ mit Stadtbahnen vor, so dass Umsteiger nicht immer den Umweg über die Innenstadt nehmen müssen.

Für den Radverkehr soll es sichere und weitestgehend vom Autoverkehr getrennte Radwege geben. Auch Konflikte mit Fußgängern sollen vermieden werden. Auch sei eine „plakative, offensichtliche und einheitliche Ausschilderung der Fahrradrouten unabdingbar“, heißt es in dem Entwurf der Arbeitsgruppe.

Die wünscht sich auch einen deutlichen Ausbau der E-Mobilität. Für private Autos soll es mehr Ladestationen geben, vor allem auch für Pendler bei ihren Arbeitgebern. Der Fuhrpark von Kommunen und Regionsverwaltung soll ebenfalls konsequent auf E-Mobilität umgerüstet werden. Wenn davon abgewichen werden soll, müsse das „im Einzelfall begründet werden“, fordert die Arbeitsgruppe.

Die Landtagsabgeordnete Hanisch machte allerdings auch deutlich, dass der ländliche Raum nicht vernachlässigt werden dürfe. Sie kritisierte, dass es dort oft Stunden dauere, wenn Fahrgäste eine andere Kommune erreichen wollten.

Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz stellte flexiblere Angebote in Aussicht. Er schlug vor, die morgens im Schülerverkehr genutzten Transporter nachmittags, abends und an Wochenenden als Ruftaxis zur Verfügung zu stellen. Diese hätten auch den Vorteil, dass sie barrierefrei seien.

Von Christian Bohnenkamp

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Duschen gesperrt, viele Sitze auf der Tribüne kaputt – und nun ist auch noch die Heizung ausgefallen: Die Halle am Eisteichweg bleibt ein großes Ärgernis für den TSV Anderten. Erst einmal soll eine Notheizung helfen.

09.12.2018

Weil er seine Frau im Schlaf vergewaltigte, wurde Christian B. zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein ungewöhnliches Urteil. Die Berufungsverhandlung zeigt: Viele Dinge sprechen für den uneinsichtigen Angeklagten.

09.12.2018

Von wegen Osterlamm! Auch zur Weihnachtszeit gibt es Lämmersegen: Der Zoo Hannover freut sich über siebenfachen Nachwuchs bei den Rauhwolligen Pommerschen Landschafen auf Meyers Hof.

06.12.2018