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EINSATZ IN LANGENHAGEN: Ein Mitarbeiter
muss die Flügel einer Maschine enteisen.

EINSATZ IN LANGENHAGEN: Ein Mitarbeiter
muss die Flügel einer Maschine enteisen.© Rainer Dröse

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Klage

Hannovers Richter entscheiden über Flug-Verspätung

Mehr als vier Stunden Verspätung hatte der Flug, mit dem eine Hannoveranerin am 15. Januar aus Mailand zurückkehrte. Die große Verspätung ist jetzt ein Fall fürs Gericht.

Hannover. Die Frau hat die Lufthansa-Tochter Germanwings auf 250 Euro Entschädigung verklagt. Die Fluggesellschaft will nicht zahlen. Sie beruft sich darauf, der Flieger habe an dem Tag in Mailand enteist werden müssen. Das sei ein außergewöhnlicher Umstand, der von der Entschädigungspflicht befreie. Amtsrichter Siegfried Nerreter muss entscheiden, ob Frost südlich der Alpen in Oberitalien unkalkulierbar ist. Sein Urteil will er am 10. Januar verkünden.

Die Klägerin, die mit ihrer Freundin unterwegs war, hatte für den 1070-Kilometer-Rückflug nach Hannover 79 Euro bezahlt. Die Maschine sollte um 17.25 Uhr in Mailand starten, flog aber erst um 21.40 Uhr. Die Fluggastrechte-Verordnung der EU sieht - unabhängig vom Flugpreis - für Strecken bis 1500 Kilometer und Verspätungen von mehr als zwei Stunden einen pauschalierten Schadenersatz von 250 Euro vor. Die Frau habe sich nur deshalb zur Klage entschlossen, weil sie sich von Germanwings schlecht behandelt fühlte, sagt ihr Anwalt Jens Boldt. Germanwings habe sich ruppig gezeigt und keinen Cent Entschädigung angeboten.

In Mailand seien die Fluggäste nicht informiert worden und hätten während der langen Wartezeit keine Getränke bekommen. Erst als sie in der Maschine saßen, habe der Flugkapitän über Bordfunk von der Enteisung berichtet, die aber nicht alleinige Ursache der Verspätung sei. Das Flugzeug habe auch einen Maschinenschaden gehabt, der beseitigt werden musste, und sei schon bei vorangegangenen Flügen zu spät gestartet.

Anwälte der Fluggesellschaft, die sich gegenüber der NP nicht äußern wollten, trugen im Prozess vor, die Verspätung sei nur auf die Enteisung zurückzuführen gewesen. Das Wetter sei nicht im Voraus kalkulierbar. Die Gesellschaft habe keinen Einfluss darauf, in welcher Reihenfolge Maschinen enteist würden und wie lange das dauere.

„Im Winter sind Eis und Schnee in Mailand nicht ungewöhnlich“, meint dagegen der Anwalt der Fluggäste. Er sieht sich durch ein Urteil des Bundesgerichtshofs bestätigt, der im August entschied, außergewöhnliche Umstände seien nur solche, die „außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeiten eines Luftverkehrsunternehmens liegen und auf Gegebenheiten beruhen,die das Unternehmen nicht beherrschen“ kann. Der Anwalt vermutet, dass nicht die Enteisung Grund für die große Verspätung war, sondern hauptsächlich der Maschinenschaden und die Reparatur. Die Flugpläne von Germanwings seien aus Kostengründen zu eng kalkuliert, um das zeitlich auffangen zu können. Das sei aber genau das, was der Europa-Gesetzgeber verhindern wolle.

Der Richter hat im Prozess einen Mitarbeiter von Germanwings als Zeugen gehört. Der gab an, er könne nicht sagen, wie lange die Enteisung in Mailand gedauert habe. Enteisungen an sich seien aber tägliches Geschäft.


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