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Meine Stadt Hannovers Powerfrau im Landeanflug
Hannover Meine Stadt Hannovers Powerfrau im Landeanflug
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00:16 29.01.2016
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Hannover

Sie musste abstürzen, damit ihr Mut, ihre Tatkraft und ihr Charisma öffentlich überhaupt wahrgenommen wurden. Mit nur knapp 25 Jahren erfüllte sich die Hannoveranerin Elly Beinhorn 1931 ihren langgehegten Traum, nach Afrika zu fliegen - und geriet so nach langem Kampf um ihre Leidenschaft fürs Fliegen ins Licht der Öffentlichkeit. Der unerschrockenen Pilotin widmet der hannoversche Arbeitskreis Technik (AK TIK) im Luftfahrtmuseum Laatzen mit Unterstützung unter anderem der Lufthansa ab 30. Januar eine Ausstellung. Im März erinnert er in seinem nächsten Band (Herausgeber: Dieter Tasch und Horst-Dieter Görg) „Es begann in Hannover - Reifen, Raketen, Rekorde“ erneut an die Powerfrau.

Ohne Geld, Kartenmaterial oder gar Ersatzteile bricht die junge Pilotin 1931 auf. Nach dem Absturz mit ihrer auf Raten abgestotterten Klemm 25, einem hölzernen, stoffbespannten Kleinflugzeug, klettert sie nahe Timbuktu „weitgehend unverletzt“ aus den Trümmern ihrer Maschine. Sie telegrafiert an das damalige Fliegeridol Ernst Udet: „Vorausgesagter Bruch hat planmäßig stattgefunden“, berichtet der hannoversche Luftfahrtjournalist Gunter Hartung in dem Buch. Als sie unbeeindruckt von dem Erlebnis nach einem Flug mit geliehener Maschine wieder in Berlin landet, überschlagen sich die Medien - die spätere Weltrekordlerin mit teilweise nie zuvor durchgeführten Flügen bekommt endlich Rückenwind.

Doch leicht hat es die Tochter des hannoverschen Hutmachers Henry Beinhorn trotzdem nie. „Eines ist sicher, was die Fliegerei angeht, da wurde mir nichts geschenkt, aber auch gar nichts. Es sah nur hinterher manchmal so aus“, schreibt die Pilotin 1977 in ihrer Autobiografie „Alleinflug“. Anders als manche ihrer Kolleginnen lässt sie sich jedoch nie politisch vereinnahmen. „Sie hat dem ständigen Werben der NSDAP widerstanden, die sich mit ihr als Mitglied gern geschmückt hätte“, betont auch Hartung. Auch der Reichsluftwaffe erteilt sie eine Absage. Dabei nützt ihr das Renommee, das sie schon Anfang der 1930er Jahre zum Star gemacht hat. Tausende Zuschauer lockt sie bei ihren Kunstflügen an.

Angefangen hat alles mit ihrem unbeirrbaren Streben, ihre Träume von großen Abenteuern zu verwirklichen. Mit 16 bewirbt sie sich erfolglos bei Hagenbeck, weil sie für den Hamburger Zoo als Tierfängerin nach Afrika will, wie Hartung berichtet. Kurz vor dem Abi am Schiller-Lyzeum in Hannover schmeißt sie die Schule, tritt als Model auf und versucht sich als Schwimmlehrerin - und dann die Initialzündung: „Elly hatte in diesem Herbst 1928 eine Eintrittskarte zu einem Vortrag in der hannoverschen Stadthalle erhalten“, schreibt Hartung, „Referent war der einstige Postflieger und spätere Lufthansa-Pilot Hermann Köhl, dem vor einem halben Jahr, gemeinsam mit James Fitzmaurice und Günther Freiherr von Hünefeld, die erste Ost-West-Atlantiküberquerung gelungen war.“

Den Eltern macht Elly danach sofort klar, dass sie Pilotin werden will. Ihr Vater: „Bei Elly ist offenbar eine Schraube locker. Die junge Dame will fliegen. Wir sollten ihr empfehlen, einen Arzt aufzusuchen.“ Sie bewirbt sich stattdessen beim Präsidenten des Aero-Clubs Hannover, Erich Homburg, um eine Pilotenausbildung. Frauen, lehnt er kategorisch ab, sie seien im Cockpit nicht vorgesehen.

Elly schafft es gegen alle weiteren Widerstände schließlich bei der Deutschen Luftfahrt GmbH in Berlin und lernt bei Otto Thomsen, der auch Hanna Reitsch und Wernher von Braun unterrichtet hat, ab 2. November 1928 das Fliegen. Es wird ein schwieriger Kampf gegen Vorurteile und um Finanzierungen für das teure Hobby, den sie aber erfolgreich durchficht. In ihrer Novelle „Grünspecht wird Flieger“ beschreibt sie 1935 mit ironischem Witz die Premiere einer Flugschülerin unter lauter männlichen Aspiranten.

Später, als sie bereits hoch dekoriert ist für ihre vielen Afrika-Flüge zwischen 1931 und 1937, ihre Weltumrundung 1932, die Starts nach Nord- und Südamerika sowie Eintagsflüge über zwei und drei Kontinente zwischen 1934 und 1939 und die größten Auszeichnungen auch nach dem Krieg erhalten hat, schreibt sie über die Einsamkeit der Langstreckenfliegerin: „Wen hätte ich auch mitnehmen sollen? Einen Mann? Ein richtiger Mann würde sich nicht monatelang dem Kommando des weiblichen Kapitäns fügen - und einen nicht ganz richtigen Mann wollte ich schon gar nicht neben mir haben.“

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