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Meine Stadt Hannovers Muslime können sich in Leintuch bestatten lassen
Hannover Meine Stadt Hannovers Muslime können sich in Leintuch bestatten lassen
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17:55 30.06.2010
So gehts: Schura-Chef Avni Altiner und OB Stephan Weil (links in dunklen Anzügen) lassen sich den Hergang einer muslimischen Bestattung vorführen. Quelle: Dillenberg

Bisher ging das nicht. Auf dem seit 20 Jahren bestehenden muslimischen Gräberfeld waren Särge Pflicht.

„Bisher wurde die Mehrheit der verstorbenen Muslime deshalb immer noch in ihren Heimatländern beigesetzt“, so der Vorsitzende der Schura, der Landesvertretung der Muslime in Niedersachsen, Avni Altiner. Er und OB Stephan Weil waren gestern dabei, als in Stöcken zum ersten Mal eine Bestattung nach islamischem Ritus nachgestellt wurde.

„Wir möchten, dass alle Einwohner Hannovers ihre Religion ausüben können, dazu gehört auch, Bestattungen entsprechend unterschiedlicher religiöser Traditionen zu ermöglichen“, sagte Weil.
Obwohl das Land das Bestattungsgesetz schon 2006 liberalisiert hatte, sind in Hannover bis zur Befreiung vom Sargzwang noch ein paar Jahre ins Land gegangen. Die Fläche auf dem Stöckener Friedhof musste von der Gesundheitsbehörde der Region zunächst für diesen Zweck freigegeben werden –keine Gefahr fürs Trinkwasser.

Und es gab praktische Probleme zu lösen: Die Stöckener Friedhofsverwaltung hat gemeinsam mit der Schura eine spezielle Klappen-Konstruktion entwickelt. Wenn sich die belastungssicheren Metallklappen öffnen, lassen sechs Männer den Leichnam an verknoteten Tuchzipfeln in die Grube nieder.

Dann steigt ein Helfer über eine Leiter in die Grube, richtet den Verstorbenen korrekt nach Mekka aus und überdeckt ihn mit schrägen gestellten Holzbohlen. „Wir haben etwa ein Jahr experimentiert“, so Vize-Betriebsleiter Winfried Kempe.

„Eine sehr willkommene Geste, die zeigt, dass wir ein Teil dieses Landes sind“, bedankte sich Altiner beim OB. Der in Hannover tätige islamische Bestatter Imram Tatlici dürfte mit seinem Institut Hilal (Halbmond) bald deutlich mehr zu tun bekommen. Bisher verzeichnete er etwa 25 Bestattungen monatlich. Das Wort heimische Erde bekommt für die wachsende Zahl der Muslime in der Region eine neue Bedeutung.

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