Navigation:
AN DER MARKTKIRCHE:  Nicht der Kampfgegen Armut und Elend, sondern die Krankheit hat Ex-Diakoniepastor Walter Lampe müder gemacht.Der heute 70-Jährige ließ Hannover sozialer werden.

AN DER MARKTKIRCHE: Nicht der Kampf gegen Armut und Elend, sondern die Krankheit hat Ex-Diakoniepastor Walter Lampe müder gemacht. Der heute 70-Jährige ließ Hannover sozialer werden.© Natalie Becker

|
Geburtstag

Hannovers Gewissen: Walter Lampe wird 70

Glückwunsch an den Mann, der als das soziale Gewissen dieser Stadt gilt: Walter Lampe wird heute 70 Jahre alt.

Hannover. Feiern lässt sich der ehemalige Diakoniepastor erst in einer Woche. Zu einer Matinee in der Marktkirche werden mehr als hundert Überraschungsgäste erwartet.

Die verspätete Einladung von Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann hat einen guten Grund. Lampe steckt mitten im Umzug. Mit seiner Frau Doris räumt er das angemietete Reihenhaus. Neues Zuhause ist der Wettbergener Edelhof mit einer kleineren seniorengerechten Wohnung. Einen Großteil seiner Bücher und Möbel hat das Ehepaar dem Sozialkaufhaus „Fairkauf“ überlassen. Zu dem Prozess des Aussortierens und Loslassens sagt Lampe inzwischen: „Trennung ist auch Befreiung.“

Solch simplen Sätze stecken voller Lebensweisheit. Sie sind die Botschaften des Pastors. Sätze wie „Diakonie macht den Glauben glaubwürdig“ oder „Nächstenliebe ist das wichtigste theologische Programm“. Mit der Entwidmung von Kirchen kann sich Lampe arrangieren („Wenn man sparen muss, ist es sinnvoller, bei Gebäuden anzufangen als bei sozialen Diensten“). Fehlende Antworten auf Probleme wie die zunehmende Altersarmut, die Wirtschaftsflüchtlinge aus Bulgarien und Rumänien regen ihn mehr auf. Dann blitzen seine blaugrauen Augen, und man merkt, in seinem Kopf fängt es an zu rattern: Was könnte man tun? Wie könnte man helfen?

Aus dem Antrieb, Armut abzuschaffen oder wenigstens zu mildern, hat Walter Lampe wichtige Projekte gestemmt. Er gründete mit den Kontaktladen „Mecki“, die soziale Wohnraumhilfe, die Krankenwohnung für Obdachlose, das Straßenmagazin Asphalt, Fairkauf ... Die Predigt für einen alkoholkranken Alten, der auf einer Parkbank starb, war ihm genau so wichtig wie die Vermittlung von Sozialpraktika für Manager oder das Werben um Spenden im Rotaryclub.

Viele der Menschen, denen Lampe half, haben eine gebrochene Aura. Irgendein Ereignis, sei es Jobverlust oder Beziehungsaus, hat sie aus der Bahn geworfen, sie scheitern lassen in einem System, in dem Standards und Label mehr zählen als Annahme, Nähe und Zuwendung. Genau das sind die drei großen Gefühle, die Lampes Arbeit in den 18 Jahren als Diakoniepastor bestimmt haben. Genau das ist die Form von Empathie, die er heute selbst braucht.

Denn auch die Aura des einst so beharrlich und bestimmt Bittenden um mehr Nächstenliebe in der Stadt ist gebrochen.Annahme, Nähe und Zuwendung braucht er mehr denn je. Seit zwölf Jahren leidet der heute 70-Jährige an Parkinson. Die Krankheit schwächt ihn, lähmt seine Schritte, raubt ihm Kraft. „Schleichend, geradezu heimtückisch“, sei Parkinson für ihn, erzählt Lampe mit plötzlich müde gewordener Stimme. Mal habe er gute Tage, mal solche, an denen ihm jeder Weg schwer falle.

Was an diesen Tagen hilft? „Meine Frau, meine Familie und mein Glaube.“ Der Konfirmationsspruch des Pastors ist zugleich sein Trauspruch: „Gott ist Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“

In dieser Stadt, das wird die Matinee am kommenden Donnerstag beweisen, ist viel Liebe zu Lampe, zu seinem Engagement, zu seiner Art, Probleme nicht achselzuckend hinzunehmen, sondern anzupacken und zu lösen. Sei es ihm gegönnt, dass er nicht mehr in vorderster Reihe steht im Kampf um soziale Gerechtigkeit, dass er lieber fünf Tageszeitungen liest, den Spiegel und die Zeit und sich dann mit solchen Botschaften meldet: „Die meisten Probleme liegen schlicht an Politikversäumnissen.“


Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Finden Sie, dass es im Stadion Bereiche geben soll, in denen Pyro erlaubt ist?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok