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Meine Stadt Mr. Internationalität Victor Rizkallah feiert
Hannover Meine Stadt Mr. Internationalität Victor Rizkallah feiert
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06:00 06.10.2018
Viktor Rizkallah Quelle: Florian Petrow
Hannover

Grauer Anzug, penibel gebügeltes Hemd, rosafarbene Seidenkrawatte mit silbernem Halter – als Victor Rizkallah die Tür zu seinem Bungalow in Bothfeld öffnet, wirkt es, als habe er auf eine Abordnung des ägyptischen Präsidenten Abd al-Fattah as-Sisi gewartet. Ganz abwegig wäre das nicht: Das Land der Pharaonen und großen Wissenschaftler war einst Rizkallahs Heimat. Das Staatsoberhaupt berät er in Sachen Uni-Aufbau. Da bringt der bald 85-Jährige jede Menge Expertise ein.

Am kommenden Freitag (12. Oktober) feiert eine Schar illustrer Gäste den Geburtstag des studierten Bauingenieurs und sein Lebenswerk. Rizkallah hat die Internationalisierung der deutschen Universitäten entscheidend mit auf den Weg gebracht. 1987 hob er den ersten Master-Abschluss für ausländische Studierende aus der Taufe. 1993 gründete er eine Stiftung, die seinen Namen trägt.

CHARMANT: Victor Rizkallah feiert morgen seinen 85. Geburtstag. Das Foto unten zeigt ihn in früheren Unitagen. Weil seine Stiftung ein viertel Jahrhundert alt wird, bittet der Ex-Uni-Vize am Freitag viel Prominenz aus Wirtschaft und Wissenschaft zum großen Empfang ins Kastens Hotel Luisenhof. Quelle: Archiv

90.000 Euro waren das Startkapital. Inzwischen steckt fast eine halbe Million in der Einrichtung, die Victor und Ursula Rizkallah gründeten, um der Gesellschaft für ein erfülltes privates und berufliches Leben „etwas zurückzugeben“. Das erste Geld war ursprünglich vorgesehen für die universitäre Ausbildung der eigenen drei Kinder, Sami, Mona und Marcel. Als diese Abschlüsse und Berufe hatten (die Söhne Ingenieure wie der Papa) entschied sich die Familie, Hochschulnachwuchs zu fördern.

Mr. Internationalität (wie ihn die Uni nannte) erhielt für so viel Einsatz außer Dank und Lob das Bundesverdienstkreuz. Der Orden ruht in einer Vitrine. „Tragen kommt nicht in Frage, das sieht so angeberisch aus“, findet der Mann, der in seiner Geburtsstadt Kairo bei den Jesuiten die Schule besuchte (weil koptischer Christ) und noch heute das dort gelernte Französisch so perfekt parliert wie Arabisch, Englisch, Italienisch und natürlich Deutsch.

Ehrung: Victor Rizkallah (Präsident Ingenieurkammer) bekommt das Bundesverdienstkreuz. Hier mit seiner Familie: von links Sohn Marcel, Tochter Mona, Viktor Rizkallah, Sohn Sami, Ehefrau Ursula. Quelle: HAZ

Kairo damals – “der Vater bestimmte, was Kinder studieren“. Für Victor hatte der Ministerialrat Medizin ausgesucht. „Beim Aufschneiden des ersten Frosches bin ich umgekippt“, erinnert sich Rizkallah. Um des Friedens in der Familie wurde er erst Bankkaufmann, dann Bauingenieur. Und tatsächlich: „Nach vier Semestern und den ersten praktischen Aufgaben habe ich es geliebt.“

Deutschland sollte Zwischenstopp für eine Berufskarriere in den USA werden. Doch Rizkallah blieb, bemühte sich um die Möglichkeit zur Promotion, landete nach mehreren Absagen in Hannover und fand hier die Liebe. Sie begann mit einem Rausch. „Ich habe das Studium finanziert durch die Arbeit als Bauingenieur und war eingeladen zu einem Richtfest mit Schnaps und Eisbein.“ Der Alkohol haute den jungen Mann um. Die Schwester des Bauherrn kümmerte sich um ihn – „und dabei hat es gefunkt.“

Eine Liebe fürs Leben, die letztendlich zum deutschen Pass führte. „Man musste zehn Jahre hier gelebt haben, mindestens fünf Jahre verheiratet sein, keinen Eintrag im Strafregister haben.“ Der deutsche Pass war Voraussetzung auch für die Professur (Grundbau und Bodenmechanik). Themen, über die er heute noch referiert – und dabei Geld für seine Stiftung sammelt.

EHRUNGEN: In der Vitrine hat der Bauingenieur die Auszeichnungen für sein Lebenswerk Quelle: Florian Petrow

Studenten fördern, den ägyptischen Präsidenten beraten, Ideen für Bücher sammeln, Vorträge halten - gibt es denn nichts außer der Wissenschaft, was den bald 85-Jährigen umtreibt? Doch, sagt er. „Sport.“ Er spielt Golf. „Handicap 29, besser will ich nicht werden, denn sonst muss ich mich noch mehr anstrengen“ und gern mit Kindern. Da kommen ihm die sechs Enkel zu Pass, „denn als freiwilliger Helfer in einer Kita wollte man mich wegen meines Alters nicht haben“. Keiner, der ihn so energiegeladen sieht, würd’s glauben.

Von Vera König

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