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Meine Stadt Stadt Hannover wollte alle Escape Rooms schließen
Hannover Meine Stadt Stadt Hannover wollte alle Escape Rooms schließen
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00:17 14.02.2019
Suchen Lösungen: Drei Escape-Room-Betreiber wollen gegen die Schließungen angehen. Auch „Room Escape“ erhielt eine Schließungsverfügung. Quelle: Foto: Schaarschmidt
Hannover

Das war eine böse Überraschung für Hannovers Escape-Room-Betreiber: Vergangene Woche erhielten alle fünf Einrichtungen in der Stadt von der Rechtsabteilung der Stadtverwaltung eine Schließungsverfügung. Die Betreiber sollen keine Baugenehmigungen haben – und sollten deswegen vorübergehend zumachen.

Drama in Polen alarmiert

Damit reagierte die Stadt auf den tragischen Tod von fünf Teenagerinnen in Polen. Die Mädchen im Alter von 15 Jahren waren bei einem Brand in einem Escape Room gestorben. An der Tür aus dem Raum hinaus fehlte die Türklinke – als Teil des Spiels sollten die Mädchen die Klinke finden. Das Spiel wurde ihnen zum Verhängnis.

„Nach den Ereignissen in Polen haben wir die Escape Rooms nochmal überprüft“, bestätigt eine Sprecherin der Stadt. Das Prinzip von Escape Rooms besteht darin, in möglichst kurzer Zeit eine Reihe von Rätseln zu lösen und so aus dem Raum „zu entkommen“.

Betreiber: Hannoversche Escape-Rooms sind sicherer

Doch anders als in Polen können die Spieler bei allen Anbietern in Hannover den Raum jederzeit verlassen. „Wir haben an den Türen Panik-Schlösser verbaut“ sagt Henning von Freeden, Betreiber des Escape Rooms „The Key“ an der Vahrenwalder Straße. „Die Gäste können die Klinke herunterdrücken und herausgehen.“

Von Freeden ist mit dem Vorgehen der Stadt deshalb nicht einverstanden – und hat eine einstweilige Verfügung gegen die Zwangsschließung erwirkt. „Ich kann verstehen, dass die Stadt unsere Einrichtungen nach dem Vorfall in Polen überprüfen will. Es kann aber auch nicht sein, dass sie uns innerhalb von zwei Tagen zumachen.“ Die kurzfristige Schließung ist ein großes Problem für die Betreiber: „Bei uns buchen die Leute lange im Voraus“, erklärt der „The Key“-Betreiber. Nun mussten Buchungen storniert werden.

Das „The Key“ an der Vahrenwalder Straße. Quelle: Rainer-Droese

Von Freeden hat Erfahrung mit Escape Rooms. Weitere Räumlichkeiten betreibt er in Bremen und auf Teneriffa. Auch sein Sohn ist in dem Geschäft tätig. „Beim Bau haben wir mit Brandschutzexperten zusammengearbeitet“, erklärt er und ergänzt: „Auch die Wahl der Immobilie haben wir unter ganz bestimmten Aspekten getroffen.“ So gebe es in dem Gebäude, in dem früher die Commerzbank saß, beispielsweise zwei Fluchtwege auf jeder Etage.

Räume wollen so schnell wie möglich wieder öffnen

Im Zuge der Katastrophe in Polen und den anschließenden Nachforschungen habe die Stadt nun offenbar erkannt, dass für die Escape Rooms in Hannover keine Baugenehmigung und somit auch keine Nutzungsgenehmigung vorliegt. Henning von Freeden darf seine Einrichtung nur weiterführen, weil er im vergangenen Jahr einen entsprechenden Antrag beim Bauamt gestellt hatte – über den allerdings noch nicht entschieden ist.

Ähnlich ist die Lage auch bei „Hidden Games“ in der Lavesstraße. „Wir sind in Kooperation mit dem Bauamt, um Anpassungen vorzunehmen“, erklärt ein Vertreter. Derzeit hat der Escape Room noch geschlossen, soll in Kürze allerdings wieder öffnen können. Wann aus den übrigen Räume wieder entkommen werden kann, hängt von den jeweiligen baulichen Voraussetzungen ab. Die Stadt nimmt derzeit aufgrund der laufenden Gerichtsverfahren keine Stellung.

Neue Probleme für Escape Rooms?

Dabei steht für die Betreiber schon neuer Ärger ins Haus: Escape Rooms könnten künftig möglicherweise als Vergnügungsstätte deklariert werden. Da Vergnügungsstätten in Bebauungsplänen oftmals unzulässig sind, könnte dann einigen Escape Rooms sogar das endgültige Aus drohen.

Von Janik Marx

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