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Meine Stadt Hannoveraner hilft bei der All-Bestattung
Hannover Meine Stadt Hannoveraner hilft bei der All-Bestattung
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10:15 23.10.2012
DER MANN FÜR DIE EWIGKEIT: Manfred Lessing macht Bestattungen im Weltraum möglich. Quelle: Ralf Decker
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Hannover

Manchmal, in klaren Nächten, steht Lessing in luftiger Höhe auf seinem Balkon in der 13. Etage seines Mietshauses in Espelkamp im Landkreis Minden-Lübbecke. Der grauhaarige alte Herr schaut dann mit schon schwach gewordenen Augen in die dunkle Nacht und sinniert ein bisschen über das Sein und über das Vergehen. Die kosmische Weite macht, da ist er nicht allein, Lessing ratlos - obwohl sie auch eine tröstende Gewissheit hat: „Da oben fliegt Mutter!“

Lessings verstorbene Mama ist vor einiger Zeit im biblischen Alter von 93 Jahren von dieser Welt in die ewigen Jagdgründe gegangen und wurde danach von ihrem Sohn würdevoll und aus seiner Sicht weitsichtig im Weltraum beerdigt: „Meine acht Geschwister leben zerstreut auf den Kontinenten: Ein gewöhnliches Grab hätte Probleme mit der Anreise nach sich gezogen.“ Jetzt guckt der eine zum Beispiel in Amerika, die andere in Australien in den großen Orbit und wird dabei von einer nie endend wollenden kleinen Tröstung getragen: „Mutter sieht uns!“

Das ist ein beruhigendes Gefühl von Verbundenheit mit Verblichenen, für das es weltweit einen noch unerschlossenen, aber wachsenden Markt gibt: Erst jüngst trat ein Junge aus Uetze, ein Unfallopfer, seine finale Reise in einer Falcon-Rakete an. Sie startete in Florida; an Bord: viele kleine hochglanzpolierte Leichtmetallzylinder, die grammweise das enthielten, was übrig bleibt, wenn man im hölzernen Sarg durch einen tausend Grad heißen Verbrennungsofen gegangen ist. „Knochenmehl. Rein und sauber. Da gibt es keine unappetitlichen Rückstände“, so die irdische Erkenntnis des Entsorgers aller himmelnah Eingeäscherten.

Das beachtenswerte Bestattungsbusiness bedient der Hannoveraner seit den 90er Jahren. Rund 300 Menschen hat sein Unternehmen seither in den Orbit geschickt - mehr noch nicht. „Eine gute Idee braucht immer ihre Zeit. Ich bin zuversichtlich: Das wird!“, ist sich zumindest Lessing sicher.

Zur Klarstellung: Der Mann mit der Rakete hat keinen an der Murmel. Er war Spezialist für Solaranlage, hat Maschinenschlosser gelernt und als Seemann in verantwortlicher Funktion gearbeitet. Der gebürtige Ostpreuße hat in Amerika gelebt und in Afrika gearbeitet. Lessing weiß, wie das Leben ist.

Und wie der Tod sein kann. „Der kommt, wenn er kommt. Aber dann muss man es richtig machen.“ Auf Erden sei das Ende meist kompliziert: „Grabpflege, Nachfolgekosten, der ganze Kram. Wer will das noch?“ Im Weltraum ist die Sache so: „Rakete futsch, Urne futsch - problemloser geht es nicht.“

Lessing selbst will im dunklen Erdengrund auch nicht begraben sein: „Fürchterlich!“ Hoch oben ist es doch viel schöner: „Man fliegt, man verglüht. War bei Mutter auch so: Die ist über den Chinesischen Meer zu Sternenstaub geworden.“

Lessing ist heute 70 Jahre alt. Rüstig. Aber immerhin. Wie plant er seine letzte Reise? Sechs Fuß tief oder 360 Kilometer hoch? „Natürlich nehme ich die Rakete. Ich bin der Repräsentant! Wenn Feierabend ist, will ich in die Kapsel: Dann kann die Menschheit sich an mir als Sternenschnuppe erfreuen.“

Kriegt er Rabatt in der Rakete? Kriegt er nicht, er muss zahlen, wie andere auch: Ein Deputat von einem Gramm Asche in der Kapsel kostet auch für ihn 8000 Euro. So ist das Leben.

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