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Meine Stadt Hannover zittert vor der großen Flut
Hannover Meine Stadt Hannover zittert vor der großen Flut
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00:16 28.07.2017
Nasse Strassen:In
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Hannover

 Es war ein Geduldsspiel für Hannovers Feuerwehrleute. Anders als beim Starkregen am 29. Juni – dem Tag des Guns-N’-Roses-Konzerts – wartete die Feuerwehr gestern den ganzen Tag über auf den großen Knall. Würden die Kanäle und die Flüsse nachgeben, war die große Frage. Zumindest im Stadtgebiet blieb die Lage bis in die Abendstunden noch relativ ruhig.

Fotos: Dröse, Elsner, Thomas

Größere Einsätze hatte die Feuerwehr unter anderem auf der Hermes-allee (Laatzen). Hier liefen die Regenrückhaltebecken auf dem Messegelände über. Um die Überschwemmung von Wohngebieten zu verhin­dern, wurden reihenweise Sandsäcke geschleppt und gestapelt. Gegen 16 Uhr konnte die Straße jedoch wieder freigegeben werden. In Wülfel stürzte das Flachdach eines maroden Hauses aufgrund der Wassermassen ein. Da das Haus in der Matthäikirchstraße unbewohnt war, wurde niemand verletzt.

Noch dramatischer sah die Lage im Umland aus. In Eldagsen (Springe) trat ein Bach über das Ufer und sorgte für Überschwemmungen. Zahlreiche Keller mussten ausgepumpt werden. Grund genug für Ministerpräsident Stephan Weil, sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Er besuchte die Einsatzkräfte am Nachmittag.

Bereits vor 15 Uhr erreichte der Leinepegel bei Herrenhausen die 4,80 Meter und läutete damit die höchste Warnstufe drei ein. Der durchschnittliche Pegel liegt an dieser Messstelle bei 1,75 Metern. Achim Stolz vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Na­turschutz erklärte die Brisanz der Situation: Ab Meldestufe drei sei normalerweise mit einem massiven Überlaufen der Flüsse zu rechnen, „wo­durch auch Wohngebiete in Gefahr geraten können, überflutet zu werden“. Hinzu kam, dass die Kapazitäten der Klärwerke nicht ausreichten und zum Teil nicht vollständig gereinigtes Abwasser in die Flüsse geleitet werden musste. Die Regenwasserkanäle waren voll. „Wir sind an der Grenze“, sagte Helmut Lemke von der Stadtentwässerung.

Die große Gefahr drohte aus dem Süden: „Das Wasser aus dem Harz könnte doch noch für Überflutungen sorgen“, so Feuerwehrsprecher Benjamin Pawlak am Abend. Um 17 Uhr stand der Leinepegel bei Herrenhausen schon bei 4,96 Metern – die angrenzenden Weiden waren bereits überflutet. „Wenn es so weiterregnet, dann können die Kanäle diese Wassermengen nicht mehr stemmen“ prognostizierte Lemke von der Stadtentwässerung. Heute Morgen seien überflutete Straßen und Keller daher nicht unwahrscheinlich.

Von Timo Gilgen

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