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BAUSTEIN: Sicherheitsdienste am Raschplatz sowie am Weißekreuz- und Andreas-Hermes-Platz gehören zum Konzept.

BAUSTEIN: Sicherheitsdienste am Raschplatz sowie am Weißekreuz- und Andreas-Hermes-Platz gehören zum Konzept.
 © Nancy Heusel

Neues Sicherheitskonzept

Hannover wehrt sich gegen Trinker und Bettler

Fast vier Millionen Euro lässt sich die Stadt ihr neues Sicherheitskonzept kosten. Wesentlicher Teil des Konzepts ist die Schaffung eines eigenen kommunalen Ordnungsdienstes. 50 City-Polizisten gehen künftig Streife.

Hannover.  Messerstechereien am Rande von Alkoholgelagen, aufdringliche Bettler, ohrenbetäubende Straßenmusik – immer mehr Hannoveraner sind genervt von den Zuständen in der City. Viele haben sogar Angst. Die Stadt nimmt diese Sorgen ernst. In monatelanger Arbeit und Abstimmung mit Polizei, Diakonie und City-Gemeinschaft hat sie ein neues Sicherheitskonzept erarbeitet.

Künftig gelten klare Regeln für den öffentlichen Raum. Und auf deren Einhaltung wird ein kommunaler Ordnungsdienst achten. Die bisherige Service-Gruppe Innenstadt, die aus acht Mitarbeitern besteht, geht auf in einer Art City-Polizei mit 50 Mitarbeitern. Vier von ihnen werden in einer eigenen Leitstelle, wahrscheinlich in der Feuerwache am Weidendamm, Hinweise und Beschwerden annehmen, Einsätze koordinieren.

Raschplatz, Weißekreuzplatz und Andreas-Hermes-Platz

„Das ersetzt nicht die Arbeit der Polizei, sondern ergänzt sie“, sagt der leitende Polizeidirektor Uwe Lange. In den ersten Wochen würden Polizeibeamte und neue City-Polizisten gemeinsam Streife gehen. Aber die Polizei seien eben nicht zuständig für die zunehmende Zahl von Ordnungsverstößen wie Urinieren in der Öffentlichkeit oder aggressives Betteln.

Der kommunale Ordnungsdienst, gekleidet vermutlich in Blau wie die städtischen Politessen, sind künftig zuständig für das gesamte Stadtgebiet – und zwar in der zeit von 8 bis 22 Uhr werktags, an Sonn- und Feiertagen nach Bedarf. Für Problembereiche wie Raschplatz, Weißekreuzplatz und Andreas-Hermes-Platz hat die Stadt bereits einen Sicherheitsdienst beauftragt.

Hannovers eigener Trinkraum

Weil mehr als Kontrolle, Verbote und gegebenenfalls Geldbußen notwendig sind, wird die Verwaltung mit der Diakonie zusammenarbeiten. Zum 1. September richtet die in Zusammenarbeit mit der Stadt einen sogenannten Trinkraum im Gebäude der Spielbank (Lister Meile 2) am hinteren Ausgang des Hauptbahnhofs ein. Dort gibt es Beratung und Sozialarbeit, aber auch Tee, Kaffee und Brühe. Mitgebrachter Alkohol darf konsumiert werden, sofern er nicht hochprozentig ist. Der Trinkraum ist ein Pilotprojekt und damit zunächst auf ein Jahr befristet.

Weitaus mehr Bestand haben neue Verordnungen für Bettler. Organisiertes Betteln will die Stadt ebenso untersagen wie das Anfassen von Passanten, In-den-Weg-Stellen oder um Geld-Anflehen mit Kindern. Angepasst wird auch die Sondernutzung – mit dem Ziel, unerträgliche und nicht enden wollende Straßenmusik zu unterbinden.“Nichts gegen Musik in der City of Music“, findet Schostok. Es sei aber beobachtet worden, dass eine ganze Gruppe über Stunden in einem kleinen Teil der Innenstadt auftrete. Künftig gibt es für Darbietungen 17 feste Standorte in der Innenstadt und neun auf der Lister Meile. Musiziert werden darf zwischen 12 bis 20 Uhr jeweils in der ersten halben Stunde. Dann müssen die Musiker weiterziehen.

Fast vier Millionen Euro macht die Stadt locker

Das 4 Millionen Euro teure Konzept hat die Stadt am Donnertag im OB-Ausschuss auch dem Bezirksrat Mitte präsentiert. Zwei öffentliche Diskussionen sind ebenso vorgesehen wie eine Befragung im Online-Bürgerpanel. Martin Prenzler von der City-Gemeinschaft lobt die Pläne als „ganz großen Wurf“. Trinkraum inklusive. In den 90er Jahren habe Hannover schon mit ungewöhnlichen Angeboten wie dem Druckraum für Drogenabhängige bundesweit beachtete Vorstöße geliefert. Angetan von der Mischung aus Kontrolle und Sozialarbeit ist auch Diakoniepastor Rainer-Müller Brandes. Im Trinkraum würden fünf Sozialarbeiter eingesetzt, sagte er. Allein dieses Angebot lässt sich die Stadt 515 000 Euro kosten.

Stadt und Polizei haben während der Arbeit am Konzept ihre seit 1998 Sicherheitspartnerschaft neu definiert. Schostok und Lange halten das „in Zeiten terroristischer Bedrohung“ für unverzichtbar. In besonderen Lagen, speziell bei der Gefahr eines Anschlags, werden Absage oder Weiterführung von Großveranstaltungen ebenso geregelt wie Fortbildung und Informationsaustausch. Schostok betont: „Es besteht in Hannover kein Grund für Verunsicherung oder Angst.“ Sorgen müsse man aber, wie gesagt, ernst nehmen und vorbereitet sein.

Von Vera König


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