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Vorzeigbar: Das Sprengel  Museum ist einer von Hannovers Besuchermagneten – derzeit ist es um 13 hochkarätige Kunstwerke ärmer. Foto: Dröse

Kulturgutschutzgesetz

Hannover verliert Weltkunst

Bittere Auswirkung des neuen Gesetzes zum Schutz von Kulturgütern für das Sprengel  Museum: 13 Werke von Weltrang – Arbeiten etwa von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Gerhard Richter, Georg Baselitz und Sigmar Polke – hat ein ausländischer Sammler aus Hannover abgezogen.

Hannover. Dem Dauerleihgeber – die Werke waren seit 15 Jahren im Sprengel  Museum – waren die möglichen Folgen des neuen Gesetzes zu unsicher. Es sieht unter anderem vor, dass Kunst, die älter als 75 Jahre und mindestens 300 000 Euro wert ist, als „national wertvoll“ eingestuft wird und Deutschland nicht mehr verlassen darf. Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel  Museum, ist allerdings optimistisch, dass die Arbeiten wieder zurückkommen. Der anonyme Sammler verlange mit Inkrafttreten des Gesetzes eine 
Garantie, dass er die Bilder zurückholen könne. Spieler kritisierte gestern die Informationspolitik von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) gegenüber den Museen als „katastrophal“. In Hannover bangt auch das Landesmuseum um etliche Dauerleihgaben.

Sprengelmuseum

Selbst die gute Nachricht klingt kaum tröstlich. „Es ist jetzt nicht so, dass wir leere Stellen an den Wänden hätten“, beschwichtigt Reinhard Spieler. Nun ja: Der Direktor des Sprengel Museum muss eine für seine Institution wahrhaft traurige Entwicklung moderieren. Ein Sammler aus dem Ausland hat wegen befürchteter Folgen des neuen Kulturgutschutzgesetzes seine Dauerleihgaben abgezogen – 13 „total bedeutende Werke“, so Spieler, von zeitgenössischen Künstlern von Weltrang: Arbeiten von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Georg Baselitz, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Willem de Kooning und Agnes Martin hinterlassen schmerzliche Lücken, auch ohne dass die Leerstellen sichtbar sind – sie waren schon mehr als 15 Jahre im Museum.

Immerhin ist Museumchef Spieler guter Hoffnung, dass die Werke nach Hannover zurückkommen. Der anonyme Sammler habe Bereitschaft erkennen lassen, dem Sprengel Museum die Bilder zurückzugeben, wenn er mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes eine Garantie erhalte, dass er sie jederzeit zurückbekommen könne. Das dürfte aus Spielers Sicht kein Problem sein: „Es ist ja klar, dass nicht beabsichtigt ist, dass der deutsche Staat Privatsammler enteignen kann.“
Unabhängig davon stiftet das neue Gesetz zum Schutz von Kulturgütern Verwirrung, in Hannover muss auch das Landesmuseum erhebliche Einbußen an seinen Beständen befürchten.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) verteidigt das Gesetz vehement: „Für die Museen und auch für die privaten Leihgeber verbessert sich sehr viel durch die neuen Regelungen, die Museen sind die Hauptprofiteure dieses Gesetzes.“ Das will Spieler gar nicht bestreiten. Er kritisiert aber nicht minder vehement die Informa-tionspolitik der Berliner: „Wir hätten uns gefreut, wenn wir vernünftig informiert worden wären. Das war bisher überhaupt nicht der Fall. Das ist eines der Hauptprobleme dieses Gesetzes, dass das so wahnsinnig schlecht kommuniziert wurde.“ Dadurch sei erst die derzeitige Unruhe entstanden. „Wir würden uns wünschen, dass es eine klare Rechtsauskunft vom Ministerium gibt“, sagte Spieler. Etwa derart, „dass die Museumsleiter der Länder eingeladen werden und umfassend über die wichtigsten Bestandteile des Gesetzes informiert werden. So muss man sich das mühsam aus dem Netz zusammenklauben.“

Noch Schlimmeres konnten Spieler und seine Mitstreiter bei zwei weiteren verunsicherten Sammlern verhindern. Eine Leihgeberin „konnten wir überzeugen, dass sie nicht betroffen ist, die lässt ihre Arbeiten erst mal im Museum. Da wären über 70 Arbeiten betroffen gewesen.“ Michael Lange

Wie sieht es in Hannovers anderen Museen aus?

Schwierig ist auch die Situation im Landesmuseum. Dort hängen in der Landesgalerie etliche Dauerleihgaben ausländischer Kunstsammler. Einer von ihnen hat bereits angekündigt, die Werke zurückhaben zu wollen. „Dabei handelt es sich etwa um ein Dutzend Gemälde“, so Museumssprecher Dennis von Wildenradt, „wir stehen noch in Gesprächen, aber es ist nicht sicher, dass es uns gelingt, ihn davon zu überzeugen, seine Leihgaben bei uns zu lassen.“ Und es könnte noch schlimmer kommen, denn es gibt viele andere Leihgaben aus dem Ausland. Wie viele genau, konnte von Wildenradt gestern nicht beziffern. „Aber in den meisten Fällen kann man mit den Eigentümern reden“, glaubt er.

Für die übrigen hannoverschen Museen scheint keine Gefahr einer „Rückholaktion“
geliehener Kunstwerke zu bestehen. Die Kestnergesellschaft in der Goseriede beherbergt ohnehin keine eigene Sammlung, sondern ist eine reine Ausstellungsgesellschaft. Die Sammlungsleiterin der städtischen Museen, Anne Viola Siebert, kann entsprechendes für das Museum August Kestner ebenfalls defintiv ausschließen. „Wir haben dort keine Dauerleihgaben aus dem nicht zur EU gehörenden Ausland“, sagt sie. Auch beim Historischen Museum sei dies wegen des lokal- und regionalgeschichtlichen Schwerpunkts höchst unwahrscheinlich: „Anfragen gibt es jedenfalls keine.“ kra

Das Kulturgutschutzgesetz

Das novellierte Kulturgutschutzgesetz wird spätestens am 1. August in Kraft treten. Einigkeit besteht bei den verschärften Einfuhrbedingungen für Kunstobjekte aus Krisengebieten wie dem Irak. Heftig umstritten ist dagegen die Regelung, dass Kunst, die älter als 75 Jahre und mindestens 300 000 Euro wert ist, einer Ausfuhrgenehmigung auch ins europäische Ausland bedarf. Was bedeutet: „National wertvolles“ Kulturgut darf Deutschland nicht verlassen.


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