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Trauerfall

Hannover trauert um Hans Werner Dannowski

Der ehemalige Stadtsuperintendent Hannovers und beliebte Autor starb in der Nacht zu Montag im Alter von 83 Jahren im Kreise seiner Familie.
 

Sein letztes Werk war ein opulentes Bilderbuch. „Niedersachsen – eine Fotoreise durch das Land der Vielfalt“ heißt der Band, den Hans Werner Dannowski gemeinsam mit dem Fotografen Karl Johaentges verfasst hat. Das Buch ist im Juli dieses Jahres erschienen. Und als die Neue Presse den Autor aus Anlass der Präsentation zum Interview bat, offenbarte Dannowski, wie intensiv er sich schon mit dem eigenen Tod auseinandergesetzt hatte.

2007 ein Herzinfarkt, drei Jahre später eine schwere Krebserkrankung. Danach, so Dannowski, habe er seine Grenzen erkannt: „Ich war zweimal auf Du und Du mit dem Tod. Ein Stück der Angst vor dem Sterben ist seitdem weg, die Endlichkeit ist mir bewusst.“ Er hat wohl geahnt, dass die ihm verbleibende Zeit nicht mehr lang sein würde. Aber bei aller Gebrechlichkeit bewahrte er doch Stärke bis zum Schluss: Der Kraft dieses besonderen Geistes konnte die Schwäche des Alters nichts anhaben.

18 Jahre lang, von 1980 bis 1998, war Hans Werner Dannowski Stadtsuperintendent in Hannover und Pastor der Marktkirche. Er war Gesicht und Stimme der evangelischen Kirche. Und wenn diese Stimme zu einer Predigt anhob, meist leise und zurückhaltend, nie aufdringlich und laut, musste man nicht gläubig sein, um sich von diesem Redner faszinieren zu lassen. Dannowski war ein Menschenfänger, einer, der auf der Kanzel genauso über Fußball philosophieren konnte wie über theologische Grundsatzfragen. Einer, der nicht mit Bedeutungsschwere blendete, sondern mit Klarheit überzeugte. „Die Menschen lieben seine Predigten und seine unverwechselbare Art, mit Klugheit, Tiefsinn und Bildung das Wort zu ergreifen“, hat sein Nachfolger Hans-Martin Heinemann einmal über seinen Vorgänger gesagt. Und all das stimmt. „Die Menschen“ liebten Dannowski aber auch, weil sie unter dem Talar des Geistlichen den Menschen erkannten. Klug, ja, und auch gebildet, aber ebenso voller Lebensfreude und Lebenslust.

Geboren wurde Hans Werner Dannowski am 22. Juni 1933 in der Nähe von Berlin, aufgewachsen ist er im ostpreußischen Königsberg. Als er elf Jahre war, floh die Familie in die Lüneburger Heide. „Ich habe die schlimmsten Dinge ausgeblendet, es war ein Kampf ums Überleben“, beschrieb Dannowski die traumatischen Kriegs- und Kindheitserlebnisse. Aber vielleicht waren es gerade diese frühen Erfahrungen existenzieller Not, die ihn zu dem „Stadt-Weisen“ gemacht haben, den der heutige Ministerpräsident Stephan Weil später erkannte. Dannowski war ein Kirchenmann, den es nicht in der Kirche hielt. Er war ein Einmischer, einer, der den gesellschaftlichen Disput suchte und die politische Debatte vorantrieb. Und wenn es sein musste, so wie Anfang der 90er Jahre, als durch Deutschland eine erste Welle der Ausländerfeindlichkeit rollte, dann stand Hans Werner Dannowski auf der Straße. An der Seite der Anständigen in der Lichterkette – mit einer Kerze in der Hand.

1998 begann die zweite Karriere des Hans Werner Dannowski. Aus dem Pastor wurde ein Autor, der als feiner Beobachter und feinsinniger Flaneur Hannover beschrieb, Klöster besuchte oder kenntnisreich über Johann Sebastian Bach und die Kraft der Musik räsonierte. „Ich habe immer stundenlang mit mir gerungen, bis ich den Stil und die Worte gefunden hatte“, bekannte Dannowski in seinem letzten Interview mit der Neuen Presse: „Das sah immer leicht aus, war aber harte Arbeit.“

Die Ansprüche, die Dannowski an sich stellte, waren stets hoch, seine Professionalität beeindruckend. Dabei war er neben seinem gesellschaftlichen Engagement vor allem ein glücklicher Familienvater, wie er in einem sehr privaten Moment offenbarte. Als sein Sohn Christoph, der seit vielen Jahren für die Neue Presse als Redakteur arbeitet, 2015 seinen 50. Geburtstag feierte, bekam er vom Vater eine Rede geschenkt. Klein, fast zerbrechlich, wirkte der große Hans Werner Dannowski bereits an jenem Sommerabend. Er beschrieb seinen Sohn. Sehr humorvoll skizzierte er dessen Stärken und Schwächen. Er erinnerte auch an schwere Momente der Erziehung und all die väterlichen Zweifel, ehe seine zutiefst bewegende Rede mit dem großen Glück endete, mit Ehefrau Edith gerade diesen Sohn zu haben.

Am Montag verabschiedete sich Christoph Dannowski von seinem Vater: „In tiefer Trauer muss ich mitteilen, dass mein geliebter Papa Hans Werner Dannowski gestorben ist. Wir waren bei ihm, am Ende war es eine Erlösung.“

Bodo Krüger, NP-Chefredakteur


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