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Meine Stadt Hannover soll wilder werden
Hannover Meine Stadt Hannover soll wilder werden
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00:17 01.01.2018
NOCH AM ANFANG: Eine Wildnisfläche am Kanal, im Hintergrund das Stöckener Kraftwerk. Quelle: Fotos: Wilde
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Hannover

 Dicke Baumriesen ragen in die Höhe. Andere Stämme liegen tot und ungestört rum. Modern vor sich hin, Pilze wachsen auf ihnen. Sie bieten Lebensraum für Insekten und Vögel. Mehr Wildnis in einer Großstadt wie Hannover geht nicht. „In diesem Teil der Eilenriede sieht es im Grunde aus wie nach der Eiszeit. Hier hat es nie Kahlschlag gegeben. Das ist im Grunde das Endstadium“, erklärt Ulrich Schmersow, der in Hannovers Verwaltung das Projekt „Städte wagen Wildnis“ leitet.

Die nordwestlich der Zuschlagstraße gelegene Eilenriede-Fläche ist so etwas wie das Muster für das Vorhaben. Seit rund 20 Jahren ist der Wald dort nicht mehr aktiv bewirtschaftet worden. Fledermäuse und seltene Spechtarten fühlen sich wohl. Manche Bäume sind über 150 Jahre alt. Und wenn sie absterben, dürfen sie einfach zusammenbrechen. „Der Natur freien Lauf lassen“, nennt es Schmersow.

So soll es auch an anderer Stelle laufen. Elf Flächen hat Schmersows Team ausgesucht, auf denen Hannover wilder werden soll. Eine davon, rund vier Hektar groß, liegt wie eine Insel zwischen der A2 und dem Mittellandkanal, direkt gegenüber des Stöckener Kraftwerks. Umgeben von Industrie soll hier die Natur die Oberhand gewinnen. Eine Entwicklung, die an dieser Stelle jedoch noch ganz am Anfang steht. Und von der auch niemand weiß, wie sie enden wird.

Auf Exkursion mit dem Umweltderzernenten durch die "Wildnis" Hannovers.

„Die spannende Frage ist, wie urbane Wildnis eigentlich aussieht“, sagt Verena Butt, die für die Planung der Flächen zuständig ist. „Es ist ein experimentelles Projekt. Wir wissen nicht, was dabei herauskommt“, erklärt die Landschaftsarchitektin.

In jedem Fall soll es Natur mit und nicht ohne den Menschen sein. Dass BMX-Fahrer Teile der Fläche für ihre Stunts nutzen und dort kleine Rampen gebaut haben, begrüßen die Verantwortlichen bei der Stadt sogar. „Dadurch wird in einigen Bereichen die Vegetation niedrig gehalten. So haben wir mehr Vielfalt“, sagt Projektleiter Schmersow.

Dass allerdings manche Bürger die Fläche, auf der Pflanzen wie die Nachtkerze, Bitterkraut, Goldrute oder Weiden wachsen, noch nicht als wertvollen Naturraum erkannt haben, belegen Autoreifen und anderer Müll. der dort achtlos abgelegt wurde.

Deshalb soll es bei „Städte wagen Wildnis“ auch darum gehen, bei den Hannoveranern Begeisterung für die Natur zu wecken. „Was man schätzt, das schützt man auch“, sagt Solveigh Hesse, die für das Vorhaben die Öffentlichkeitsarbeit macht. Zum Programm gehören Wildniskonzerte mit der Volkshochschule, an der Fösse sind im Sommer Kinder als Wildnisdetektive unterwegs, und als Infostand ist ein Wildniswagen geplant, ein Lastenrad mit Anhänger und Aufbauten. Weitere Ideen? Immer willkommen. Damit Hannover auch wirklich wilder wird.

Von Christian Bohnenkamp

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