Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannover: Ein Haus aus Recyclingmaterial
Hannover Meine Stadt Hannover: Ein Haus aus Recyclingmaterial
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:50 21.10.2018
ANDRANG: Hunderte Besucher informierten sich am Tag der offenen Tür über das bundesweit erste Recyclinghaus. Quelle: Krasselt
Hannover

Eigentlich ist es ja ein alter Hut. Schon in längst vergangenen Zeiten haben die Menschen vorzugsweise in ländlichen Gegenden etwa alte, verlassene Burgen geschliffen, um deren Steine als Baumaterialien zu verwenden. Was damals aus materieller Not Einzelner notwendig, ist dies heute oder zumindest in absehbarer Zeit aus der materiellen Not der Gesellschaft heraus. Denn Ressourcen sind begrenzt, Recycling wird immer wichtiger – auch im Baubereich.

Mit entsprechender Spannung wurde daher das Experiment des bundesweit ersten Recyclinghauses beobachtet, dass am Kronsberg entstanden ist, und am Sonntag am Tag der offenen Tür besichtigt werden konnte. Drei Jahre Planungs- und Bauzeit hat es gebraucht. Ein Experiment, das zumindest teilweise gelungen ist. Nicht alles konnte aus Recyclingmaterial hergestellt werden. Bei Dichtungen und Wasserleitungen etwa waren die deutschen Normen zu wenig biegsam. Aber mehr als 50 Prozent der verbauten Materialien wurden wiederverwendet.

Ziegel aus einer alten Scheune

Ziegel etwa, die im Erdgeschoss im Innenbereich für Wände und Simse verwendet wurden, stammen aus einer abgerissenen Scheune im Bothfelder Kirchweg. In den Obergeschossen sind Leichtbauwände verbaut worden, die aus dem Messebau stammen. „Sonst werden die nach einmaligem Gebrauch verschrottet, hier bekommen sie ein zweites Leben“, sagt Corinna Stubendorff vom Bauträger Gundlach.

Ein Sims im Erdgeschoss aus alten Ziegeln. Quelle: Krasselt
Auch alte Türen wurden stilvoll im Innenbereich eingebettet. Quelle: Krasselt

Die schwarzen Fassadenelemente sind Eternitplatten, die aus dem ehemaligen evangelischen Haus der Jugend in Linden stammen. „Ein absoluter Glücksfall“, so Stubendorff. „Die waren erst 2007 verbaut worden, sind also schadstofffrei.“ Glaselemente der Fassade dagegen stammen aus einer abgerissenen Lackiererei aus der Hildesheimer Straße. Der Absturzschutz am Dach war früher Bestandteil des Treppengeländers im Freizeitheim Stöcken.

„Da konnten wir einen Beitrag leisten“, freut sich Gert Schmidt von der hannoverschen Bauteilbörse, die eben gebrauchte Teile für den Hausbau anbietet. „Das dümpelt aber ein bisschen vor sich“, sagt er. „Das wird noch viel zu selten genutzt.“ Auch deshalb wünscht er sich wie viele der mehreren hundert Besucher von dem Pilotprojekt eine Art Initialzündung.

Im Treppenhaus des dreigeschossigen Gebäudes sind Eichenbalken aus einem Fachwerkhaus verbaut, als Estrichersatz auf dem Fußboden dienen alte Gehwegplatten. Das Dämmmaterial der Fassade besteht aus Resten der Jutesäcke, in denen die Kakaobohne für Ritter-Sport-Schokolade angeliefert wurden.

Fenster mit Vergangenheit

Auch die Fenster haben ihre Vergangenheit. Sie stammen ebenfalls aus dem Haus der Jugend. Als sie zur Verfügung standen, musste die Planung an ihre Größe angepasst werden. „Ein Haus aus Recyclingmaterialien zu bauen erfordert einen sehr viel höheren Planungsaufwand“, erklärt Stubendorff. „Man braucht immer wieder neue Ideen, weil man die Planung an das Material anpassen muss, das man bekommen kann.“

Was nicht aus Recycelmaterial besteht, lässt sich aber zumindest später einmal recyceln. So besteht der ganze Rohbau aus sogenanntem Nurholz ohne Leim. Im Frühjahr soll das Haus fertig sein und vermietet werden. Rund 150 Quadratmeter, etwa 1500 Euro Kaltmiete. „Wir haben an eine große Familie oder eine Wohngemeinschaft gedacht.“ Die kann sich dann auch auf eine große Dachterrasse mit fantastischem Ausblick freuen.

Von Andreas Krasselt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ob Solo-Raid oder im Team gegen ein Boss-Pokémon: Mit unseren Tipps für Pokémon Go Raids in Hannover findet ihr die mächtigen Monster im Handumdrehen.

22.10.2018

Die Polizei Hannover hat am Wochenende sogenannte „Autoposer“ kontrolliert. Gemeint sind Fahrer von leistungsstarken Autos, die besonders viel Lärm machen.

21.10.2018

Bad Bones, Rock’n’Rolla, Bambikiller: Die „Wrestle Masters“ haben sich auf dem Schützenplatz mal wieder eins auf die Rübe gegeben.

21.10.2018