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Meine Stadt Hannover eine „Diktatur des Autos“
Hannover Meine Stadt Hannover eine „Diktatur des Autos“
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00:21 11.05.2015
DER FAHRRADPAPST: Mikael Colville-Andersen (zweiter von rechts). Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

„Hannover ist eine Diktatur des Autos“, urteilt der Kopenhagener Fahrradpapst, der weltweit Städte berät, die fahrradfreundlicher werden wollen.

Der Stadtverband der Grünen hat den 47-Jährigen zu seiner „Bike-Conference“ an diesem Wochenende eingeladen, Bei einer Radtour durch die Stadt hat er sich gestern ein Bild gemacht - und dabei schnell erkannt, woran es hakt. „Es gibt Potenzial. Aber es wird nicht genutzt. Es fehlt ein echter Plan, der alles sinnvoll zusammenfügt“.

Was Colville-Andersen vermisst, ist vor allem eine klare Linie. Ständig änderten sich in Hannover die Breiten und die Gestaltung von Radwegen. Manchmal hörten sie plötzlich einfach auf, an anderen Stellen machten sie kaum vorhersehbare Schlenker. „Das ist alles überhaupt nicht intuitiv. Wenn man jeden Tag die gleiche Route zur Arbeit fährt, hat man irgendwann für sich einen guten Weg gefunden, aber sobald man woanders hin muss, kann man das vergessen“, kritisiert er.

Während in der Fahrrad-Vorzeigestadt Kopenhagen viel auf eine einheitliche Gestaltung der Radwege geachtet werde, sieht Colville-Andersen in Hannover Planer am Werk, „die vom Design von Fahrradinfrastruktur nichts verstehen“.

Dabei müsse man nur über die Grenze nach Holland oder Dänemark schauen, „um zu sehen, wie man es besser macht. Die Ideen und Konzepte sind alle da. Man muss sie nur kopieren“, so der international anerkannte Fahrradexperte. „Aber das klappt in Deutschland nicht, weil die Leute sagen: Wir sind ein großes Land. Wir machen das selbst“.

Oft fehle es auch an Mut und an dem Willen, das nötige Geld zu investieren. Colville-Andersen räumt ein, dass in Kopenhagen ein Kilometer Radweg rund eine Million Euro kostet. Das müsse man aber im Verhältnis sehen. „Für den Preis von zehn Kilometern Autobahn können Sie in Hannover die Fahrradinfrastruktur komplett auf den neuesten Stand bringen“.

Das gehe aber nur, wenn man auch konsequent den Verkehrsraum für Autos einschränke, Spuren schmaler mache oder wegfallen lasse. „Dann steigen die Leute um. Der Mensch ist wie ein Fluss: Er sucht sich immer den schnellsten Weg“, so Colville-Andersen.

Auch die Grünen fordern ein Umdenken. „Wir müssen Hannover aus der Perspektive des Rades neu planen“, sagt Gisela Witte, die Vorsitzende des Stadtverbandes. Derzeit werde hier meist nur erneuert, statt einen großen Plan zu machen.

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