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ALLTAG IN DER KITA: Inklusion soll schon im Vorschulalter beginnen.

ALLTAG IN DER KITA: Inklusion soll schon im Vorschulalter beginnen.
© dpa

Sozialausschuss

Hannover bringt Kitas auf

Die Stadt hat ausgehend von bereits bestehenden Programmen und Handlungsempfehlungen das Programm „Hannoversche Kindertagesstätten auf dem Weg zur Inklusion“ aufgelegt, das Montag im Sozialausschuss vorgestellt wurde. „Um allen Kindern Teilhabe zu ermöglichen“, heißt es darin

Hannover. Jedes Kind ist einzigartig. Daher braucht auch jedes Kind, soll es sich optimal entwickeln, eine individuelle Förderung. Diese Verschiedenheit als Normalität zu verstehen, ist der Grundgedanke der Inklusion, die eine Einsortierung in unterschiedliche Schubladen vermeiden will.

In dieser idealtypischen Vision eine Utopie. Doch steckt dahinter ein Menschenbild, das eben der individuellen Verschiedenheit den Vorrang gegenüber der älteren Vorstellung einer prinzipiellen Gleichheit einräumt. Eine Verschiedenheit, die keine Wertung beinhaltet, in der etwa ein körperliches oder auch geistiges Handycap ein Kind nicht zu einem Sonderfall abstempelt, sondern die Beeinträchtigung nur als eine andere Form des Seins betrachtet.

Eine Vision, die ein grundlegendes pädagogisches Umdenken erfordert – und Mittel, um dieses in der Praxis auch umzusetzen. Für die Schulen ist dieser Prozess auf Grund der entsprechenden UN-Konvention vor einigen Jahren in Gang gesetzt worden. Damit Inklusion aber greifen kann, muss bereits im Vorschulalter damit begonnen werden.

Die Stadt hat nun ausgehend von bereits bestehenden Programmen und Handlungsempfehlungen das Programm „Hannoversche Kindertagesstätten auf dem Weg zur Inklusion“ aufgelegt, das am Montag im Sozialausschuss vorgestellt wurde. „Um allen Kindern Teilhabe zu ermöglichen“, heißt es darin, „ihre Besonderheiten zu erkennen und wertzuschätzen, ihre Stärken zu identifizieren und zu fördern, aber auch ihre Schwächen zu sehen und auszugleichen, brauchen Kindertagesstätten verlässliche Verbündete als Kooperationspartner, aber zugleich auch angemessene Rahmenbedingungen in der personellen und sächlichen Ausstattung und Weiterbildungsangebote zur fachlichen Qualifizierung.“

Was nichts anderes heißt, als in qualifiziertes und ausreichendes Personal zu investieren. Im Rahmen einer Ausschreibung sollen daher jährlich drei Kitas ausgewählt werden, an dem Programm teilzunehmen. Sie erhalten eine heilpädagogische Fachkraft je nach Größe in Teilzeit, und die Mitarbeiter können an einem geeigneten Fortbildungsprogramm teilnehmen. Das Projekt wird von einem Beirat begleitet, an dem auch die Hochschule Hannover beteiligt ist. Das kostet pro Jahr insgesamt rund 192 000 Euro, für das erste Jahr hat jedoch die Heinz-und-Heide-Dürr-Stiftung die Kosten für eine zu gründende Koordinierungsstelle in Höhe von 34 000 Euro übernommen.

Das Programm stieß im Ausschuss auf fast ungeteilte Zustimmung. Einzelne Nachfragen bezogen sich im Wesentlichen auf sachliche Details. So wollte etwa Hans-Georg Hellmann (CDU) wissen, ob tatsächlich jedes Jahr drei bis vier neue Kitas in das Programm aufgenommen werden sollen. Solange, bis in jedem Stadtbezirk ein bis zwei Einrichtungen daran teilnehmen, bestätigte Stefan Rauhaus, Bereichsleiter Kindertagesstätten.

Silvia Klingenburg-Pülm (Grüne) wollte wissen, ob sich auch Kinderladeninitiativen bewerben könnten, was Rauhaus bejahte, und ob der Fachkräftemangel im Bereich der Heilpädagogik nicht eine Hürde darstelle. Dass Interesse in Kitas zu arbeiten, sei bei Heilpädagogen derzeit nicht besonders groß, so Rauhaus. Grund seie, dass sie jeweils nur für wenige Stunden in einer Einrichtung beschäftigt seien, und das auch nur solange, bis das Kind mit dem entsprechenden Betreuungsbedarf die Kita verlasse. „Wir versuchen aber durch dauerhafte Arbeitsverhältnis attraktivere Arbeitsbedingungen zu schaffen“, sagte der Fachmann.

Für Kopfschütteln, allgemeines Schmunzeln und bei der betroffenen grünen Ratsfrau Katrin Langensiepen sogar zu einem Lachanfall reizte der Einwurf des AfD-Ratsherrn Frank Jacobs. Der äußerte sich besorgt, behinderte Kinder könnten in inklusiven Einrichtungen zu Mobbingopfern werden. „Kinder sind da ziemlich cool“, warf ihm Langensiepen aus eigener Erfahrung („Ich war auch ein behindertes Kind“) entgegen. „Wenn ihnen niemand reinquatscht, ist ihre Welt ziemlich in Ordnung.“ Und auch Stefan Rauhaus trug mit deutlichen Worten zur Aufklärung bei: „Wir haben ausgesprochen positive Erfahrungen damit gemacht. Es ist beeindruckend zu sehen, wie Kinder mit und ohne Behinderung miteinander interagieren, ein Genuss.“ Mobbing sei in den Kitas kein Thema. „Und diese Kinder, die so Integration kennen lernen, haben später eine viel größere Toleranz.“

Mit einer Gegenstimme der AfD wurde das Programm im Sozialausschuss angenommen.

Von Andreas Krasselt


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