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Meine Stadt Zwangsräumung in letzter Sekunde abgewendet
Hannover Meine Stadt Zwangsräumung in letzter Sekunde abgewendet
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12:32 26.09.2018
ZWANGSRÄUMUNG GEPLATZT: Aktivisten vor der Eckerstraße 7. Sie verbergen ihre Gesichter hinter den Büchern des Antiquariats. Quelle: Dröse
Hannover

Rechtsanwalt Holger Rosemeyer schreit den Gerichtsvollzieher an: „Welche Wohnung wollen Sie denn räumen?“ Die Antwort: „Geben Sie mir das Geld und alles ist erledigt.“ Rund ein Dutzend Aktivisten vom „Kiezkollektiv“ und zwei Polizisten verfolgen den minutenlangen Disput im Treppenhaus.

Es geht um die Wohnung des von Elke Kebschull (53) und Gerhard Brunke (63) in der Eckerstraße 7 (Oststadt). Weil die beiden Antiquare („Klabund“) mit der Mieter im Rückstand waren, ordnete das Gericht die Zwangsräumung an. Aus Sicht ihres Anwalts ein Skandal. Denn das Amtsgericht habe ignoriert, dass die säumige Miete (1320 Euro) in letzter Sekunde bezahlt wurde. Das Landgericht hätte die Räumung ausgesetzt, wenn die Mieter eine Sicherheitsleistung von 3000 Euro aufgebracht hätten (NP berichtete).

Geld für Mieter gesammelt

Und wieder in letzter Sekunde drückte der Anwalt am Mittwochmorgen dem Gerichtsvollzieher das Geld in die Hand. „Nach der Veröffentlichung haben Freunde und Nachbarn für meine Mandanten das Geld gesammelt“, sagt Rosemeyer. Das Geld gab es aber erst, nachdem geklärt war, welche Wohnung geräumt werden sollte.

Für die Aktivisten vom „Kiezkollektiv“ ist das nur ein Beispiel von vielen. Auf einem Handzettel schreiben sie: „Immer mehr Menschen sind von Mieterhöhungen, Verdrängung aus ihrem Lebensumfeld und Obdachlosigkeit betroffen oder bedroht.“ In der Vergangenheit hatten die jungen Leute schon häufig versucht, Zwangsräumungen zu verhindern. Insofern fragt die Polizistin, was sie Aktivisten vorhaben. Keine Antwort. Bei der Frage nach dem Versammlungsleiter, blicken sie nur stumm auf die Leiter vor dem Antiquariat „Klabund“. Auf einem Pappschild steht nur „Versammlungsleiter“. „Witzige Idee“, lächelt die Polizeikommissarin.

Der Vermieter ist nicht vor Ort. Er hat seinen Mietern nicht nur die Wohnung, sondern auch die beiden Ladengeschäfte gekündigt. „Das ist noch nicht rechtskräftig, die Berufungen liegen beim Landgericht“, sagt Anwalt Rosemeyer.

Mieter-Vermieter-Verhältnis zerstört

 

Kebschull und Brunke betreiben seit etwa 20 Jahren ihre Geschäfte in der Eckerstraße. Sie hatten sich um das alte und kranke Vermieterehepaar (84 und 82 Jahre alt) gekümmert. Es sei vereinbart worden, dass ihnen für die Betreuungsleistung ein Teil der Miete erlassen wird. Einen Vertrag darüber gibt es nicht, ebenso wenig wie für die Mietwohnung (30 Quadratmeter, 220 Euro) und für ein Ladengeschäft. Anfang 2018 übernahm der Sohn des Vermieterehepaars die Geschäfte. Fortan sei das vorher herzliche Mieter-Vermieter-Verhältnis zerstört gewesen, sagen Kebschull und Brunke.

Vom Vermieter liegt keine Stellungnahme vor. Eine Anfrage bei seinem Anwalt blieb unbeantwortet.

Von Thomas Nagel

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