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Meine Stadt Hannover: Zur Prostitution gezwungen?
Hannover Meine Stadt Hannover: Zur Prostitution gezwungen?
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00:15 12.04.2016
Der 21-jährige Özcan T. betritt in Kapuzenjacke und Jogginghose den Gerichtssaal. Foto: Sielski
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Hannover

Gestern stand der 21-Jährige vor der Jugendstrafkammer. Er muss sich unter anderem wegen schweren Menschenhandels sowie Misshandlungen und auch Freiheitsentzug verantworten.

Seit mindestens 2014 soll der Deutsch-Türke seine Opfer dazu gebracht haben, für ihn anschaffen zu gehen – die Einnahmen behielt er. Er spielte den jungen Frauen, damals zwischen 18 und 20 Jahren alt, die große Liebe vor, machte Geschenke und war höflich und zuvorkommend – Kriminalisten sprechen von der „Loverboy“-Masche. Bald schon wendete sich laut Anklage das Blatt: Er legte Kontaktsperren auf, isolierte seine Opfer von Familie und Freunden, versprach ihnen immer wieder ein gemeinsames Leben – und schlug dann doch wieder zu.

Eine damals 19-Jährige unterzog sich laut Staatsanwalt sogar einer Brust-Operation, um Özcan T. zu gefallen. Trotzdem soll der 21-Jährige die junge Frau immer wieder misshandelt haben. Er peitschte sie mit einem Gürtel aus oder verprügelte sie mit einem Baseball-Schläger – so lange, bis er die Blutspritzer bemerkte. Damit sie die Nächte als Prostitutierte ertrug, verabreichte er ihr Kokain. Einer anderen drohte er, ihr Schwefelsäure ins Gesicht zu kippen – und zwang sie, Werbefotos für eine Erotik-Website zu machen.

Einige Male flohen die jungen Frauen vor ihrem Peiniger, doch der Großteil von ihnen kehrte zu ihm zurück. Vielleicht auch, weil Özcan T. wieder seine weiche, charmante Fassade zeigte.
Wegen Verhandlungen zwischen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung über das Strafmaß wurde der Prozess vorerst unterbrochen und auf Montag verschoben.

Madeleine Buck

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