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BAD IN DER MENGE: Martin Schulz gestern am Kröpcke.

BAD IN DER MENGE: Martin Schulz gestern am Kröpcke.
 © Foto: Dröse

SPD-Kanzlerkandidat am Kröpcke

Hannover: Zugpferd Schulz auf der Jagd

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat am Donnerstag vor 4000 Zuhörern am Kröpcke einen seiner letzten Wahlkampf-Auftritte hingelegt.

Hannover. Wenn er redet, wenn er hautnah und für jeden erlebbar seine Leidenschaft und seine Wut rauslässt, kann er begeistern. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz weiß das. Vor 4000 Zuhörern hat er gestern Nachmittag am Kröpcke einen seiner letzten Wahlkampf-Auftritte hingelegt. „Einfach klasse“, fand Parteichef Matthias Miersch und traf damit die Stimmung.

Das Zugpferd Schulz setzt auf die Aufholjagd. Gut 30 Prozent der Wähler seien noch immer unentschlossen, bei welcher Partei sie ihr Kreuzchen machen sollten, sagt er. Damit das für die SPD geschieht, hechelt er von Termin zu Termin – gestern Minden, Hannover, Köln, heute Nürnberg und Berlin.

Für 15 Uhr ist der Parteichef angekündigt, doch wegen des wahrscheinlich viel zu engen Zeitplans dauert es eine Stunde, bis er sich seinen Weg durch die Menge bahnt. OB Stefan Schostok und Regionspräsident Hauke Jagau haben derweil geplaudert. Über deutliche bessere Bezahlung in Pflegeberufen, gebührenfreie Bildung von Anfang an, ihr Erschrecken über den UN-Auftritt von US-Präsident Donald Trump.

Alles Steilvorlagen für die vier Direktkandidaten Yasmin Fahimi, Kerstin Tack, Caren Marks und Miersch, die dann auftreten. Schulz bedenkt sie mit dickem Lob, bevor er die Attacken startet. CDU und CSU betrieben eine Schlaftabletten-Politik. Ihr Programm sei „sich ausruhen auf Lorbeeren, die in der Regel andere erarbeitet haben“. Mindestlohn, abschlagsfreie Rente nach 45 Berufsjahren, Ehe für alle – das alles listet Schulz als SPD-Verdienste auf. Und unter tosendem Beifall verspricht der Kanzlerkandidat: „Mit uns wird ein tarifgebundenes unbefristetes Arbeitsverhältnis wieder zum Normalfall werden.“

Man solle nicht den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel vertrauen. „Ich kann nichts dazu, dass sie alles nachplappert.“ Wenn er jetzt verspreche, die SPD sorge für permanenten Sonnenschein auf dem Kröpcke, „wird sie behaupten, der Wetterbedingungsausschuss der CDU hat das längst entschieden“.

Da blitzt er auf, der Humor. Mit dem erträgt er wahrscheinlich auch, dass man ihm vorwirft, seine Anzüge seien von der Stange („stimmt“), die Brille nur ein Kassengestell („stimmt“), und er habe den Charme eines Sparkassenangestellten und die Ausstrahlung eines Eisenbahnschaffners. Er kontert: „Was ist denn so verwerflich an einem Eisenbahnschaffner?“ Erforderlich sei endlich „eine Gesellschaft des Respekts“.

Noch mal ein Angriff gegen Merkel und ihre „Weltmeisterschaft des Ungefähren“, eine Abrechnung mit der AfD („Totengräber der Demokratie“ und „Partei der organisierten Hetze“) und ein Hinweis, woher denn all das Geld für Bildung und Gerechtigkeit fließen könne „Ich würde die 25 bis 30 Milliarden, die Merkel Trump als Zwei-Prozent-Ziel für den Wehretat zugesagt hat, lieber woanders ausgeben als für Ausrüstung.“ Dann ist die Zeit um; Abfahrt nach Köln.

Von Vera König


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