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Meine Stadt Hannover: Wer hat Zimmer für ausländische Studenten?
Hannover Meine Stadt Hannover: Wer hat Zimmer für ausländische Studenten?
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15:45 28.08.2018
GEBEN DER KAMPAGNE GESICHT: Rajesh Sriram und Kyounhye Cho wollen ihren Kommilitonen bei der Wohnungssuche helfen. Für die Kampagne haben sie sich symbolisch auf Umzugskartons gesetzt. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Man stelle sich vor, ein Stephen Hawking hätte als junger Mann vorgehabt, in Hannover zu studieren – wäre dann aber doch in England geblieben, weil er hier keine Wohnung gefunden hätte. Jedes Jahr blieben aus genau diesem Grund Plätze in internationalen Studienprogrammen in Hannover unbesetzt, so Eberhard Hoffmann, Geschäftsführer des Studentenwerks. Insbesondere ausländische Studierende hätten große Schwierigkeiten, auf dem engen Wohnungsmarkt eine Unterkunft zu finden. Weshalb die Initiative Wissenschaft gemeinsam mit dem Studentenwerk und unterstützt durch Haus & Grund im dritten Jahr die Wohnraumkampagne „Lasst uns nicht im Regen stehen“ gestartet hat.

Eine Kampagne mit Gesichtern: Kyounghye Cho (29) kommt aus Südkorea und studiert seit April in Hannover im Masterstudiengang Elektro –und Informationstechnik. „Ich hatte mir die Suche nach einer Wohnung nicht so schwierig vorgestellt“, berichtet sie. „Ich hatte mir zunächst nur ein Zimmer über Airbnb für eine Woche gemietet.“ Was danach kam, war eine turbulente Suche mit einer einmonatigen Zwischenlösung in einer Wohnung. Dann stieß sie auf das Vermittlungsangebot des Studentenwerks. Jetzt wohnt sie zur Untermiete bei einer Familie in Hainholz.

Rajesh Sriram hatte schon Erfahrungen mit dem Wohnungsmarkt in einer anderen deutschen Stadt gesammelt. In Zwickau war der 23-jährige Maschinenbaustudent aus Indien auf die Idee gekommen, sich mit einem Video bei potenziellen Vermietern vorzustellen. Erfolgreich. Auch in Hannover setzte er zunächst auf diese Methode. „Doch das Angebot über das Studentenwerk war besser“, sagt er. Er fand einen Platz in einer Wohngemeinschaft in Vinnhorst.

Untermiete ist wieder angesagt

Günstige WG-Zimmer sind eine Möglichkeit. Aber insbesondere das bislang schon als veraltet gewertete Modell der Untermiete feiert offenbar eine Renaissance. Mehr als 80 der knapp 270 über die Kampagne der vergangenen beiden Jahre zustande gekommenen Vermietungen seien Untermietverträge, betonte Hoffmann. „Das sind die klassischen Geschichten. Die Kinder sind ausgezogen, studieren vielleicht woanders, und der Wohnraum steht frei.“ Die Kampagne wendet sich an private Vermieter, denen das Studentenwerk auch mit Beratung und Vermittlung zur Seite steht.

Von den 47 000 Studenten in Hannover sind rund 6700 Ausländer. Bei den Studienanfängern liege deren Anteil sogar bei 20 Prozent, berichtet Bürgermeister Thomas Hermann. Für den Wissenschaftsstandort Hannover eigentlich ein gutes Zeichen. „Es wäre aber schön, diese klugen Köpfe auch hier zu halten.“ In einer bundesweiten Befragung unter ausländischen Studenten 2016 haben 47 Prozent von sehr großen Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche berichtet. Die Kampagne und die kostenlose Vermittlung durch das Studentenwerk können da helfen, die Schwierigkeiten zu verringern. Was mittlerweile auch bundesweit als nachahmenswert empfohlen wird.

Die Zahlen im Überblick

Laut den Zahlen des Studentenwerks waren im Wintersemester 2017/18 insgesamt 47 070 Studenten an den hannoverschen Hochschulen eingeschrieben, 6732 davon kamen aus dem Ausland (14,3 Prozent). Unter den 7211 Studienanfängern waren 1459 Ausländer (20,2 Prozent).

Insgesamt gibt es in Hannover 2800 Wohnheimplätze, darunter etwa 400 bei privaten Trägern, der Rest beim Studentenwerk. 252 weitere sind in Planung und 162 Plätze in Garbsen angemietet. Dem standen im vergangenen Wintersemester 4684 Anträge auf einen Wohnheimplatz gegenüber. Noch am 27. August standen 2369 Studierende auf der Warteliste. Der Anteil der ausländischen Bewohner von Wohnheimen liegt bei 59 Prozent.

Die Mieten in den Wohnheimen liegen im unteren sozialverträglichen Bereich, wobei Studentenwerkchef Eberhard Hoffmann die privaten Wohnheime ausdrücklich ausnimmt, die deutlich höhere Sätze verlangen würden. Die Durchschnittsmiete in einer Einrichtung des Studentenwerks beträgt 244 Euro und damit unter der laut Sozialerhebung von 2016 durchschnittlich von Studenten in Hannover gezahlten Miete von 327 Euro. Der mit 46 Prozent höchste Anteil aller Studenten zahlt Mieten zwischen 201 und 300 Euro. Der Mietanteil im BAföG beträgt 250 Euro.

Von Andreas Krasselt

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