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GEMÜTLICH: Ulla Licandro und Ulrich Stitzinger in einem Raum der Fakultät, in dem mit Kindern gearbeitet wird – entsprechend freundlich ist er eingerichtet.

GEMÜTLICH: Ulla Licandro und Ulrich Stitzinger in einem Raum der Fakultät, in dem mit Kindern gearbeitet wird – entsprechend freundlich ist er eingerichtet.
© Christian Behrens

Fakultätenserie

Hannover: Wie Kinder besser zu besseren Geschichtenerzählern werden

Idealerweise fangen Kinder von ganz allein an, viel und flüssig zu erzählen. Das klappt nicht immer – manche haben große Probleme. Wenn das nicht an bestimmten Beeinträchtigungen liegt, hilft Sprachförderung. Und wie die besser und effektiver wird, wird in Hannover erforscht.

Hannover. Mehr als 28 000 Studenten, 326 Professoren und neun Fakultäten – Hannover ist Universitätsstadt. In einer Serie stellt NP-Redakteur Sebastian Scherer verschiedene Institute vor. Und lässt die Professoren erklären, wie ihre Forschung die Welt ein Stückchen besser machen soll. In Folge 7 besucht Sebastian Scherer die Philosophische Fakultät.

Die Antwort ist eigentlich einfach: Das Kind spricht nicht altersgemäß? Es muss gefördert werden! Aber wie eigentlich? Früher, wenn ein Junge oder Mädchen nicht so richtig viel redete, nahm die Erzieherin das Kind aus der Gruppe heraus. Dann übte sie mit ihm zum Beispiel neue Wörter. „Das ist aber gar nicht der beste Weg“, sagt Ulla Licandro. Die 34-Jährige arbeitet am Institut für Sonderpädagogik der Philosophischen Fakultät. Sie forscht in Projekten der Abteilung Sprach-Pädagogik und -Therapie unter der Gesamtleitung von Ulrike Lüdtke. Licandros Überzeugung: Der Austausch mit anderen Mädchen und Jungen ist auch sehr wertvoll.

Wichtig ist ihr dabei die Abgrenzung zwischen Sprachtherapie und -förderung. Therapien brauchen jene, die zum Beispiel durch Beeinträchtigungen nicht wie andere Kinder sprechen lernen (können). Gefördert werden jene, die aus den unterschiedlichsten anderen Gründen nicht so gut sprechen, wie es alterstypisch wäre.

Bei dem gerade abgeschlossenen Forschungsprojekt STEPs ging es darum, inwiefern sich Kinder gegenseitig helfen können, Sprachkenntnisse zu verbessern – mit Schwerpunkt auf jenen, die mehrsprachig aufwachsen, im heimischen Umfeld nicht so viel mit Deutsch in Berührung kommen und möglichst viele Möglichkeiten brauchen, sich hier zu entwickeln. „Wir haben für das Projekt mehr als 50 deutsch-türkischsprachige Kinder zwischen drei und sechs Jahren Geschichten erzählen lassen“, berichtet Licandro.

Danach haben die Forscher die Kinder in verschiedene Gruppen eingeteilt: jene, die sehr lebendig erzählten, deren Geschichten schlüssig strukturiert waren und Sinn ergaben. Und jene, die noch Schwierigkeiten hatten, eine komplette und sinnvolle Geschichte zu erzählen. Die nur wenige Worte nutzten, wirre Strukturen hatten, gar kein richtiges Ende. „Wir haben dann die Kinder aus beiden Gruppen miteinander erzählen lassen.“ Nach zehn Wochen stellte sich heraus: Die Kinder mit anfänglichen Schwierigkeiten sind signifikant besser geworden – „die guten haben sich aber im Umkehrschluss nicht verschlechtert, was oft die Sorge von Eltern und Erzieherinnen ist.“

Dieses Prinzip soll nun in Kindertagesstätten getragen werden. „Entsprechende Impulse müssen den pädagogischen Fachkräften gegeben werden“, sagt Ulrich Stitzinger, der einen weiteren Forschungsbereich in der Abteilung Sprach-Pädagogik und -Therapie leitet. In den Forschungsprojekten BiKES, QualiTeE und QualiLinES untersucht er die Professionalisierung ein- und mehrsprachiger pädagogischer Fachkräfte in drei Kernbereichen: „Der erste Bereich ist die Haltung der Fachkraft gegenüber dem Kind, der eigenen Sprache, der Mehrsprachigkeit. Dann geht es zum Zweiten um das Wissen der Fachkraft über den Spracherwerb“, erklärt Stitzinger. Als Drittes wird erforscht, wie „die Handlungskompetenz der Fachkraft zur Kommunikation mit dem Kind verbessert werden kann.

Dass einige Kinder – ohne andere tiefergehende Beeinträchtigungen – nicht so gut sprechen können, kann laut Stitzinger viele Ursachen haben – etwa, wenn zuhause wenig miteinander gesprochen wird.

Manche Eltern würdem wenig Wert darauf, legen, gute Sprachvorbilder zu sein, sagt der Professor. Im Fall von Flüchtlingskindern kommt das abrupte Lernen einer fremden Sprache als weitere Belastung hinzu. „Sprache steckt aber überall im Alltag, so auch in der Kita“, sagt Stitzinger. „Das Kind lenkt die Situation, zu der die pädagogische Fachkraft sprachfördernde Angebote schafft.“ Entsprechend hoffen beide Wissenschaftler, dass sich die Frühpädagogik dahingehend weiterentwickelt. Damit auch in Zukunft viele spannende Geschichten erzählt werden können.

Von Sebastian Scherer

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