Navigation:

VOR GERICHT: Ein Lamborghini dreht in der Karmarschstraße durch: Drei Autos sind scher beschädigt, eine Radlerin verletzt. Pert H. (38) hatte keinen Führerschein und flüchtete nach dem Unfall. Sein Urteil: 700 Euro Geldstrafe.© Uwe Dillenberg

Amtsgericht

Hannover: Wer versteht diese Urteile?

Seniorin (88) wurde von falschen Polizisten bestohlen – die Richterin will das Opfer gar nicht hören. Auch für die Chaos-Fahrt im Lamborghini gibt es eine milde Strafe.

Hannover.  Magda Hendrich (88) wundert sich: „Die Richterin wollte gar nichts von mir wissen.“ Dabei war die Seniorin am 14. Juli 2016 Opfer von Trickdieben geworden. Mario B. (48) und Andy M. (38) zeigten der Frau aus Langenhagen einen ge­fälschten Polizeiausweis. Ob ihr etwas gestohlen worden sei, wollten die Straftäter wissen, und traten in ihre Wohnung. Magda Hendrich holte zwei Umschläge mit 3650 Euro. Kurze Zeit später war das Geld verschwunden. Nur weil sie mitten im Umzug gewesen sei, habe sie so viel Geld zu Hause gehabt, erzählt sie.

Die beiden Männer aus Hamburg gestanden gestern den Trickdiebstahl, machten aber keine Angaben zu den Komplizen. Amtsrichterin Svenja Tittelbach-Helmrich verurteilte M. zu zehn Monaten Haft und Andy K. zu einem Jahr – jeweils auf Bewährung. Das Opfer versteht die Strafen nicht: „Unsereins hat den Ärger und die Angst, und die bekommen Be­währung.“ Nach der Tat habe sie unter Schlafstörungen gelitten, er­zählte sie der Richterin. Nach den Geständnissen wollte Tittelbach-Helmrich die Seniorin eigentlich gar nicht mehr hören. Doch auf Bitten der Staatsanwältin wurde das Opfer noch zu den Folgen der Tat befragt.

Das Geld hat Magda Hendrich zurückerhalten. Die Hamburger Polizei hatte einen Tag zuvor beobachtet, wie der Clan mit derselben Masche in Wandsbek unterwegs war. Doch die Beweise reichten nicht aus. Also observierten die Fahnder die Straftäter und verfolgten sie bis nach Langenhagen. Johny K. (57) fuhr den Opel Omega. Bei ihm fand die Polizei 1100 Euro von der Beute. Er bekam neun Monate Haft auf Bewährung. Mario B. junior (28) hatte auch mit im Auto gesessen. Er wurde aber freigesprochen. Der Mann ist vielfach vorbestraft und Cousin von Andy K.; Mario B. senior ist sein Patenonkel. Bei ihm konnte die Polizei kein Geld finden. Ein Teil der Beute war zwischen Lehne und Sitzfläche der Rückbank versteckt. Die Richterin befand, dass dies nicht für eine Verurteilung ausreiche.

Im Urteil sprach sie von einer „niederträchtigen Tat“. Zu Gunsten der Angeklagten wertete sie aber, dass das Delikt unter „Beobachtung der Polizei stattfand“. Auch dass die Beute wiederbeschafft werden konnte hat die Strafe gemildert. Bis auf Mario B. senior sind die Angeklagten einschlägig vorbestraft.

Magda Hendrich lebt jetzt in einer Einrichtung des betreuten Wohnens: „Ich hoffe, dass ich jetzt sicher bin.“

Milde Strafe für Chaos-Fahrt im Lamborghini

Sie haben keine Ausbildung und leben von Hartz IV oder einem Minijob. Das Brüderpaar Peter H. (38) und Simon H. (37) meinte wohl Minderwertigkeitsgefühle mit PS ersetzen zu können. Am Ostersonnabend drehte Peter H. mit einem geliehenen Lamborghini Murciélago (579 PS, 340 km/h Höchstgeschwindigkeit, Neupreis ab 226 200 Euro) in der Karmarschstraße richtig auf. Er rammte drei parkende Autos (Schaden 20 000 Euro) und räumte im Gegenverkehr eine Radfahrerin ab. Anschließend flüchtete er in einem Porsche, den ein Bekannter fuhr, vom Unfallort. Er hatte keinen Führerschein. Sein Bruder sagte der Polizei, er sei gefahren. Zeugen straften ihn noch am Unfallort Lügen.

Die Radfahrerin erlitt eine Fingerverletzung und fährt seit dem Unfall aus Angst kein Auto mehr. „Die Radfahrerin hatte Todesangst. Da hätte weit mehr passieren können“, sagte Amtsrichter Michael Siegfried. Die Angeklagten hätten auf „dicke Hose gemacht“. Den starken Worten folgte ein mildes Urteil. Peter H. muss 700 Euro Geldstrafe (70 Tagessätze) zahlen und bekommt ein Fahrverbot von drei Monaten. Er hatte 2012 seinen Führerschein freiwillig zurückgeben und darf in nächster Zeit auch keine führerscheinfreien Motorfahrzeuge fahren. Peter H. wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Unfallflucht verurteilt. Sein Bruder wurde wegen Vortäuschens einer Straftat verurteilt.

Das Urteil beruht auf einem Deal. Ansonsten hätte der Prozess ausgesetzt werden müssen. Rechtsanwalt Jürgen Dammeyer hatte für Peter H. ein Attest vorgelegt. Inhalt: Der Angeklagte leidet unter einer Grippe mit Fieberschüben. Also gab es ein Rechtsgespräch mit folgender Gleichung: Geständnis gegen milde Bestrafung. Richter Siegfried: „Die Ge­ständnisse haben erhebliches Ge­wicht. Sie haben uns eine aufwendige Beweisaufnahme mit 22 Zeugen erspart.“

Von Thomas Nagel


Anzeige
Bildergalerien Alle Galerien
Kümmern Sie sich schon um Ihre Weihnachtseinkäufe?

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.

Hannover in Zahlen

  • Bundesland: Niedersachsen
  • Landkreis: Region Hannover
  • Fläche: 204,14 km²
  • Einwohner: ca. 550.000
  • Bevölkerungsdichte: 2552 Einwohner je km²
  • Postleitzahlen: 30159 - 30669
  • Ortsvorwahl: 0511
  • Kfz-Kennzeichen: H
  • Lage: 52° 22´ N / 9° 43´ O
  • Wirtschaft: Firmendatenbanken
  • int. Flughafenkürzel: HAJ
  • Stadtverwaltung: Trammplatz 2
     30159 Hannover
     Telefon: 0511 168-0
  • Oberbürgermeister: Stefan Schostok